Renault Clio Tce 130, Ford Fiesta 1.0 EB, Peugeot 208 PT 130, Kia Rio 1.0 T-GDI, Exterieur Achim Hartmann
Renault Clio Tce 130, Ford Fiesta 1.0 EB, Peugeot 208 PT 130, Kia Rio 1.0 T-GDI, Exterieur
Ford Fiesta 1.0 EB, Exterieur
Ford Fiesta 1.0 EB, Exterieur
Ford Fiesta 1.0 EB, Exterieur 39 Bilder

Ford Fiesta, Renault Clio, Kia Rio, Peugeot 208

Vier Kleinwagen im Test

Knapp vor dem neuen Opel Corsa schickt der PSA-Konzern den nächsten Peugeot 208 ins Rennen. Innen wie außen mutig gestaltet, muss er im Vergleich mit dem ähnlich kühnen Renault Clio TCe 130 sowie Ford Fiesta 1.0 Ecoboost und Kia Rio 1.0 T-GDI beweisen, was er wirklich drauf hat.

Bevor es so richtig in den Test dieser vier 120 bis 131 PS starken Flitzer geht, wollen wir den Damen und Herren im PSA-Konzern schon jetzt etwas aussprechen: unseren Respekt. Denn um den einstigen Topseller und für den Konzern so wichtigen 208 so in den Handel zu bringen, bedarf es schon einer gehörigen Portion ehrlichen Selbstvertrauens. Eine stark modellierte Haube, der wuchtige Grill inklusive großem Löwen, die kralligen Tagfahrleuchten und die schwarz glänzende horizontale Blende zwischen den immer aktivierten LED-Rückleuchten verleihen dem Peugeot ein recht kühnes Flair, das wir so nur vom exklusiveren 508 kennen. Und ähnlich couragiert geht es innen weiter. Hier findet sich ein abermals nachgeschärftes i-Cockpit, das viel bietet, aber auch viel Verständnis fordert. Einzig sein französischer Erzrivale, der Renault Clio, ist dem 208er da noch ebenbürtig. Der zu diesem Vergleichstest angetretene Kia Rio wirkt – trotz sportlich anmutender GT-Line-Beplankung – altmodischer. Ebenso der Ford Fiesta, mit dem wir gemäß der alphabetischen Reihenfolge nun in den Vergleich starten.

Viel Spaß im kleinen Ford

Zusammen mit dem Kia Rio zählt der 4,04 Meter lange Viertürer hier zu den günstigen Modellen. Vorgefahren als 1.0 Ecoboost in Titanium-Ausstattung, ist der Fiesta für schlanke 21.400 Euro zu haben. 16-Zoll-Alufelgen, LED-Scheinwerfer, Parkpiepser, Klimaautomatik, Tempomat und ein Infotainment mit Acht-Zoll-Touchscreen (Sync 3) sowie DAB+ sind dennoch Serie. Die unverändert umständliche Menüführung des Sync 3 und eine nur durchschnittliche Verarbeitungsqualität sollte man ihm da mal nachsehen. Zumal er dafür mit seitenhaltstarken und bequemen Sportsitzen aufwartet. Da gibt es weder im bestens verarbeiteten Clio noch im feinen 208 Besseres.

Seitenhalt übrigens, den Fahrer und Beifahrer durchaus gebrauchen können. Denn wie gewohnt erfreut der mit 17-Zöllern bereifte Ford mit einer sensiblen und direkten Lenkung sowie einem beeindruckend ausgewogen abgestimmten Fahrwerk. Entsprechend ist der Fiesta nicht nur ein spaßiger Kurvenkünstler, er bietet darüber hinaus den besten Federungskomfort.

Ford Fiesta 1.0 EB, Exterieur
Achim Hartmann
Der Ford Fiesta macht viel Spaß in Kurven.

Passend zum agilen Fahrverhalten hängt der munter tönende 1,0 Liter große Turbobenziner (125 PS, 170 Nm) gut am Gas, dreht freudig hoch und sorgt für gute Fahrleistungen auf dem Niveau des stärkeren 208 (131 PS, 230 Nm). Lob verdient der Ecoboost zudem für den niedrigen Testverbrauch (6,7 l/100 km), wobei er sich insbesondere auf der 275 Kilometer langen Eco-Runde als sehr sparsam erweist. Hier genügen ihm bescheidene 4,9 Liter. Der Kia konsumiert beispielsweise 0,6 Liter mehr.

Als Testsieger geht der Ford dennoch nicht vom Platz. Dafür geht es im Innenraum etwas zu eng zu, das Ladevolumen ist mit 292 Litern gering geraten, und es fehlt an serienmäßigen Fahrerassistenzsystemen – denn das wird im Kapitel Sicherheit mit vielen Punkten belohnt.

Mehr Luft im größeren Kia

Etwas besser aufgestellt ist da der Rio. Ob nun ein aktiver Spurhalter, Totwinkelwarner oder ein Notbrems-Assistent mit Fußgängererkennung – beim Rio 1.0 T-GDI GT Line zum Preis von 20.850 Euro alles schon an Bord. Da aber selbst gegen Zuzahlung wichtige und punkterelevante Extras wie Adaptivtempomat oder Xenon-Scheinwerfer nicht zu haben sind, hält sich der Punktgewinn dennoch in Grenzen. Hier gibt es also durchaus Nachholbedarf.

Weitaus besser aufgestellt zeigt sich der konservativ gestylte und 4,07 Meter lange Kia in puncto Platzangebot. Vorne wie hinten geht es spürbar luftiger zu als bei der Konkurrenz. Der Kofferraum fasst dazu mit 325 Litern ordentlich viel Gepäck. Ähnlich wie im Fiesta lassen sich flache Gegenstände oder sogar die Kofferraumabdeckung unterm Ladeboden verstauen. Selbst an einen Haken zum Einhängen des hochgeklappten Ladebodens hat jemand gedacht.

Kia Rio 1.0 T-GDI, Interieur
Achim Hartmann
Geteilte Rücksitzbank und viel Platz.

Überhaupt liegt der Rio rein funktional ganz weit vorn. Ablagen und Fächer rundum sind groß geschnitten, die klassischen Instrumente exzellent ablesbar, die Tasten im Cockpit clever positioniert, und die Bedienung von Infotainment und Navigation ist dank zweier Drehknöpfe wunderbar einfach. Auch gelingt die Telefonintegration schnell. Via Kias Connected Services lädt sich der Rio Infos aller Art kostenfrei ins Cockpit. Und das sieben Jahre lang, so lange, wie die Garantiezeit währt. Das hat sonst keiner zu bieten.

Nicht ganz so begeisternd ist dagegen das Fahrverhalten. Im Grunde weich abgestimmt, gerät der Kia auf geflickten Straßen dennoch schnell ins Holpern, begleitet mit deutlichen Aufbaubewegungen und hörbarer Polterei aus den Radhäusern. Zugleich sollte die leichtgängige Lenkung präziser arbeiten. Dazu fehlt es dem kernigen und durstigen 1.0 T-GDI trotz der 120 PS an Power. Ob nun im Sprint auf 100 km/h oder im Zwischenspurt auf der Landstraße – der leichtgewichtige Rio hechelt seinen Konkurrenten hinterher. Dem dynamischen GT-Line-Dress wird er also nicht ganz gerecht.

Viel Flair im Peugeot 208

Kommen wir nun zum neuesten und zugleich teuersten Kandidaten dieses Vergleichs: dem 208er. Mit schwarzen Radlaufleisten, Doppelrohrauspuff und Diffusor kann auch er dienen; entsprechend angriffslustig sein Anblick. Natürlich kommen nicht alle Varianten so daher; hierzu braucht es einen Allure und das GT-Line-Paket für 2.100 Euro obendrauf. Im Verbund mit dem hier getesteten stärksten Benziner (131 PS) und Achtgangautomatik springt der Kaufpreis auf mindestens 25.600 Euro.

Eine gehörige Summe, doch so ein 208 bietet auch viel. Wie anfangs bereits erwähnt, bleibt Peugeot dem Minilenkrad und den darüber positionierten Instrumenten tapfer verbunden, wertet die Konstellation (beim Allure) aber mit einem aufwendigen 3-D-Kombi-Instrument auf, das mit Schärfe und Vielfalt beeindruckt, ohne den Fahrer zu sehr abzulenken. Das übernimmt schon eher der große und gut positionierte Touchscreen, über den sogar die Klimaautomatik bedient werden muss. Zusätzlich schmücken sieben sauber eingepasste Direktwahltasten die Mittelkonsole. Eine simple Bedienung sieht freilich anders aus. Wertig und praktisch zugleich ist dafür das Klappfach vor dem Automatikwählhebel geraten, in dem sich Smartphones aufstellen und laden lassen.

Überhaupt gefällt der 208 hier mit ansehnlichen Materialien und einer sorgfältigen Verarbeitung. Die teilweise mit Kunstleder bespannten Sitze bieten zudem ordentlich Beinauflage. Nur im Fond fehlt es wie beim Fiesta und Clio an Innenhöhe, und die Kopfstützen lassen sich nicht weit genug herausziehen. Kniefreundlich ausgeformte Vordersitze erleichtern immerhin die Mitfahrt, Smartphones lassen sich mittels zweier USB-Buchsen aufladen.

Peugeot 208 PT 130, Interieur
Achim Hartmann
Viel Platz ist im Fond nicht - es reicht aber aus.

Ein sauber verarbeiteter und gut nutzbarer Kofferraum stand anscheinend weiter unten auf der Agenda. Das Ladevolumen fällt mit 265 Litern im Vergleich zum Kia oder Renault (340 Liter) klein aus, und es fehlt ein variabel einlegbarer Boden. Dafür muss man sich mit einem dünnen, instabilen Filzteppich auseinandersetzen, der sich – einmal herausgenommen – nur schwerlich wieder passgenau einsetzen lässt. Von einem komplett neu entwickelten und eigentlich top verarbeiteten Auto erwarten wir da mehr. Klappt man die Lehnen der Rückbank um, fasst der Kofferraum immerhin 1.106 Liter.

Sollte der 131 PS starke Dreizylinder unter der Haube sitzen, geht's aber richtig flott voran. Womit wir nun zum rundum erfreulichen Part dieses Peugeot übergehen. Denn fahren, das kann der neue 208 richtig gut. Der 1,2 Liter kleine Turbobenziner, mit 131 PS nur im Verbund mit einer Wandlerautomatik zu haben, arbeitet trotz seiner ungeraden Zylinderzahl kultiviert, legt sich tatkräftig ins Zeug. Dank 230 Nm sind auch Zwischenspurts schnell erledigt. Gelungen zudem die Achtgangautomatik von Aisin, die ihre Gänge nicht übertrieben hektisch, dafür sehr weich und schnell wechselt. Via gut erreichbarer Schaltpaddel kann der Fahrer zudem selbst die Ganghoheit übernehmen. Der Testverbrauch geht mit 7,0 l/100 km in Ordnung.

Passend zum Antriebsstrang agieren nun auch Lenkung und Fahrwerk harmonischer. Der Ärger über die hyperaktive Lenkung des Vorgängers ist da vergessen. Vielmehr liegt der Peugeot auf der Geraden sehr ruhig, lenkt gefühlvoll ein und lässt sich präzise führen. So gerüstet wedelt der 208 in den Fahrversuchen flotter um die Hütchen als alle anderen. Die Federung gibt sich sportlich-straff, nimmt Querfugen aber meist gekonnt die Spitzen und sorgt so für akzeptablen Fahrkomfort.

Absolut top sind übrigens die gut dosierbaren und kräftig zupackenden Bremsen. 33,9 Meter für eine Vollbremsung aus 100 km/h, das sind Werte auf Sportwagen-Niveau.

Mehr Substanz im Clio

Wobei sich auch der Renault mit 35,1 Metern nicht verstecken muss. Noch besser ist der Clio drauf, wenn es ums Beschleunigen geht. Sein ebenfalls 131 PS starker Vierzylinder ist gleichermaßen leise wie schubstark. Trotz des höchsten Leergewichts in diesem Vergleich (immerhin 1,23 Tonen) sprintet der Clio in 9,1 Sekunden auf 100 km/h und lässt im Gegensatz zu Rio und Fiesta auch bei höherem Tempo kaum locker. Ungeachtet der gebotenen Schubkraft hält sich der Turbobenziner an der Zapfsäule zurück. Der Testverbrauch liegt nur 0,1 Liter über dem des Fiesta. Schade nur, dass das mit dem TCe-130-Motor verbundene Doppelkupplungsgetriebe beim Anfahren oft spürbar ruckelt. Ansonsten verwaltet es seine Gangstufen gekonnt und gelassen.

Darüber hinaus leistet sich der Renault kaum Schwächen. Ähnlich wie der 208 kommt er mit stimmigem Design und einem sehenswerten Interieur, er ist aber weniger exzentrisch eingerichtet. So blickt der Fahrer auf sehr gut ablesbare Instrumente, kann seine Klimaanlage mittels Drehrädern fixer verstellen und sich umso mehr am superscharfen hochkant eingesetzten Touchscreen erfreuen. Über den lassen sich Navigation und Infotainment-Allerlei problemlos einstellen.

Renault Clio Tce 130, Interieur
Achim Hartmann
Scharf: Der Bildschirm im Clio.

Das Platzangebot für die Insassen – vorne gemütlich, hinten etwas enger – kennt man so ähnlich vom 208. Einen 340 Liter großen Kofferraum (mit verstellbarem Ladeboden) gibt's hingegen nur im Clio.

Da der Renault trotz üppiger Ausstattung mit einem Preis von 21.090 Euro erfreulich preiswert bleibt, gewinnt er diesen Vergleich. Eng im Windschatten dahinter: der preiswerte Fiesta. Als teurer Gewinner der Eigenschaftswertung muss der 208 auf den dritten Platz. Dem Kia Rio bleibt da nur noch Rang vier.

Fazit

1. Renault 417 Punkte

Der Clio ist nicht nur ein schicker Kleinwagen mit allerlei technischen Finessen – er ist als TCe 130 auch schnell, leise, angemessen komfortabel und trotz allem nicht teuer.

2. Ford 414 Punkte

Den besten Fahrkomfort und einen sparsamen, kräftigen Benziner zum fairen Preis bietet nur der kurvenfreudige Fiesta. Zum Sieg mangelt es an Platz und der Assistenzausstattung.

3. Peugeot 412 Punkte

Der 208 verdient Hochachtung. Auf Anhieb gewinnt der gut motorisierte und wertige 208 die Eigenschaftswertung. Der hohe Preis verhindert diesmal eine bessere Platzierung.

4. Kia 410 Punkte

Platz vier für so ein nutzwertiges und günstiges Auto mit sieben Jahren Garantie? Dem Rio mangelt es an Fahrkomfort und Dynamik. Wen das nicht stört, der kann zugreifen.

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