Ford Mondeo Turnier 2.0 TDCi im Dauertest

100.000 km im Mittelklasse-Kombi mit 180-PS-Diesel

Ford Mondeo Turnier 2.0 TDCi, Exterieur Foto: Hans-Dieter Seufert 16 Bilder

Nach seinen Außenmaßen liegt der Mondeo schon am oberen Ende der Mittelklasse, aber hat er auch das Format für eine stabile Langzeitbeziehung? Unser Dauertest über 100.000 Kilometer klärt diese und weitere Fragen.

Auch die große Reise des rubyroten Mondeo begann mit einem kleinen Schritt – dem vor das Werkstor. Das liegt allerdings weder am deutschen Ford-Stammsitz in Köln-Niehl noch in Genk, wo die ersten drei Generationen gebaut wurden. Wegen der Schließung des belgischen Standorts 2014 musste das Werk Almussafes bei Valencia die Produktion übernehmen, weshalb die Markteinführung des Nachfolgers nicht wie geplant im Herbst 2013, sondern erst Anfang 2015 stattfinden konnte.

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Ford Mondeo Turnier 2.0 TDCi, Exterieur
Ford Mondeo Turnier 2.0 TDCi im Dauertest Geräumiger Mittelklasse-Kombi mit Dieselmotor
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Ein weiteres Jahr zog ins Land, bevor am 26. Februar 2016 ein Mondeo Turnier 2.0 TDCi mit 180 PS, Doppelkupplungsgetriebe und Titanium-Ausstattung zum Dauertest in der Redaktion antrat. Inklusive zusätzlicher Extras und Pakete stand er damals für 48.110 Euro in der Preisliste – fast das Doppelte des Basismodells 1.5 Limousine (25.750 Euro), aber vergleichsweise wenig für ein Auto, das nach Größe und Ausstattung auch mit Kombis der oberen Mittelklasse wie dem rund 10.000 Euro teureren BMW 5er Touring konkurriert.

Ford Mondeo Turnier 2.0 TDCi, Exterieur Foto: Hans-Dieter Seufert
Bei 2,12 Metern Breite (inklusive Außenspiegeln) kann es bisweilen ziemlich eng werden.

Größer als ein Scorpio

Überhaupt räumt der aktuelle Mondeo mit dem Irrtum auf, seit dem Aus für Granada und Scorpio habe sich Ford aus dem gehobenen Segment zurückgezogen. In der vierten Generation übertrifft er die einstigen Topmodelle sowohl beim Radstand wie bei den Außenmaßen, auch der Kofferraum bietet praktisch gleich viel Volumen (500 bis 1.605 Liter). Obwohl Rivalen wie Opel Insignia Sports Tourer oder Skoda Superb Combi ihre Passagiere samt Gepäck noch etwas luftiger unterbringen, gab es für die Platzverhältnisse an Bord während der gesamten Laufzeit nur Lob.

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Wie hat er die 100.000 km überstanden?

Ebenso geschätzt wurden die durchdachte Ladungssicherung mit flexiblem Gestänge und Zusatzgurten (300 Euro) sowie die großen, bequemen Sitze, sofern man auf dem vielfach verstellbaren Fahrersitz die passende Position gefunden hatte. Für die hinteren Außenplätze sind neben der Sitzheizung (Winter-Paket) sogar Airbag-Gurte lieferbar, die jedoch wegen des dicken Gurtbandes und der speziellen Schlösser die Montage von Kindersitzen erschweren oder ganz unmöglich machen. Zudem monierten einige Fahrer die zu kleine Durchladeöffnung in der Fondbank, das kaum nutzbare, weil zu flache Fach unter dem Ladeboden sowie die vor allem bei Nacht störenden Heizdrähte in der Frontscheibe.

Auch beim Thema Infotainment und Assistenzen war die Freude über das reichhaltige Angebot nicht ungetrübt, am meisten wurde das Sync-2-System inklusive Sony-Navigation kritisiert: Menüführung zu kompliziert und langsam, Hauptmenüs am Rand schwer aktivierbar, Touchscreen schnell verschmutzt und bei Sonne kaum ablesbar, Tastflächen zu klein, und sie reagieren nur auf starken Druck – solche Kommentare ziehen sich wie ein rotes Band durch die Bordkarten des Testwagens und die Zuschriften von Besitzern. Selbst die Spracheingabe funktionierte nur mit den passenden Formulierungen. Sonst folgten lange Erklärungen, bis man wieder von vorn begann.

Ford Mondeo Turnier 2.0 TDCi, Interieur Foto: Hans-Dieter Seufert
Das Navi erntet Kritik: Die Menüführung ist zu kompliziert und langsam, die Tastflächen sind zu klein, und sie reagieren nur auf starken Druck.

Schließlich bleibt zu erwähnen, dass die Bluetooth-Koppelung einige Zeit brauchte und sich das CD-Laufwerk häufig weigerte, jegliche Silberscheiben einzulesen – dank (beleuchtetem) USB-Anschluss heutzutage kein größeres Problem mehr, aber trotzdem ein Ärgernis. In die gleiche Kategorie gehören auch die groben Regelschritte der effizient arbeitenden Klimaautomatik, der teils überempfindlich reagierende Spurhalteassistent und die beim Überschreiten dauerhaft blinkende, nicht immer zuverlässige Tempolimitanzeige.

Bei allem Gewicht leichtfüßig

Damit wären die wichtigsten Kritikpunkte bereits genannt, denn ansonsten meisterte der Mondeo sein Alltagspensum völlig unaufgeregt und zuverlässig. Vor allem auf Langstrecken erwies er sich als angenehmer Reisewagen, brachte seine Passagiere stets entspannt und sicher zum Ziel. Jedoch rollten speziell die Sommerreifen mit dem flachen 45er-Querschnitt bei Stadttempo etwas herb und laut ab, während der Autobahnkomfort durchweg gute Noten erhielt. Und wer die tief im Bordcomputer versteckte Kennlinienauswahl des adaptiven Fahrwerks (Komfort-Paket) findet und per Sport-Modus Dämpfung und Lenkung strafft, verspürt sogar noch die vielgerühmte Leichtigkeit des Ford-Handlings – trotz 1.722 kg Leergewicht.

Das Temperament leidet naturgemäß unter dieser Fülle, manche Kollegen wollten nicht an 180 PS unter der Fronthaube glauben, zumal das Doppelkupplungsgetriebe etwas betulich mit den sechs Gängen jonglierte. Dafür wechselte es die Übersetzungen stets weich und verschliffen, zeigte über die gesamte Distanz keine Abnutzungserscheinungen. So fügt sich der Fahrer bereitwillig ins große Ganze, legt Ehrgeiz und Eifer ab und freut sich an der ruhigen Durchzugskraft des Zweiliter-Turbodiesels, der jedoch noch ohne SCR-Abgasreinigung mit AdBlue-Zusatz auskommen muss und nicht sonderlich sparsam ist (7,6 l/100 km).

Des Weiteren schlug der Wechsel des Getriebeöls samt neuen Filtern und neuer Dichtung mit über 400 Euro zu Buche, während für die alle 30.000 Kilometer anstehenden Inspektionen klassenübliche Beträge zwischen 366,70 und 462,42 Euro fällig wurden. Die einzige Störung trat bei Tachostand 55.359 auf, als die Bremsen bei Betätigung des Pedals zu rubbeln und vibrieren begannen. So musste der Mondeo einmal außer Plan in die Werkstatt, wo die vorderen Bremsscheiben und alle Beläge ersetzt wurden. Neben den 722,31 Euro für die Reparatur bedeutet das zugleich 1,5 Strafpunkte und zusammen mit denen für den undichten Kühler (Austausch auf Garantie) Platz vier im Dauertest-Mängelindex seiner Klasse.

Ford Mondeo Turnier 2.0 TDCi, Exterieur Foto: Hans-Dieter Seufert
Selbst ohne den optionalen Allradantrieb bietet der Mondeo im Winter genügend Traktion.

Ohne nennenswerten Verschleiß

Keine ganz makellose, aber insgesamt eine solide und kostengünstige Bilanz also, zumal der hohe Wertverlust von 59,5 Prozent nach nicht einmal zwei Jahren wohl zum Großteil der aktuellen Dieselkrise geschuldet ist. An nennenswerten Verschleißspuren kann es jedenfalls nicht liegen, denn bis auf kleinere Steinschläge gibt es keine. Der Metallic-Lack glänzt noch wie am ersten Tag, Korrosion ist nirgends zu entdecken, das verhältnismäßig triste Interieur hat nichts von seiner Qualitätsanmutung verloren, und auch die Karosserie ist gefühlsmäßig noch so steif wie am ersten Tag.

Trotz seiner Größe und der leuchtenden Lackfarbe gehörte der Mondeo damit zu den erfreulich unauffälligen Dauertestwagen, die zwar keine spontane Begeisterung, aber bei näherem Kennenlernen echtes Vertrauen und Zufriedenheit wecken. Man fährt ihn gern, weil er pragmatisch, entspannt und verlässlich ist, sich nicht in den Vordergrund drängt oder ständige Aufmerksamkeit fordert. Ein treuer, geschätzter Partner in allen Lebenslagen eben – schon weil man das zu Hause nicht immer haben kann.

Vor- und Nachteile

  • guter Langstreckenkomfort
  • bequeme Sitze
  • agiles, präzises Handling
  • geräumiges Interieur
  • kaum Verschleißerscheinungen
  • praktische Ladegutsicherung
  • viele Ablagen
  • effziente Klimatisierung
  • kultivierter Dieselmotor
  • harmonisches Doppelkupplungsgetriebe
  • große Reichweite
  • sehr gutes LED-Licht
  • unbefriedigendes Infotainment
  • mäßige Rundumsicht
  • kleine Durchladeöffnung
  • großer Wendekreis
  • tristes Interieur
  • schlechte Smartphone-Kopplung
  • unübersichtliches Kombi-Instrument
  • hoher Wertverlust

Fazit

Wer Glamour und letzten Feinschliff sucht, wird beim Mondeo eher nicht fündig. Dafür ist das Infotainment zu umständlich, das Interieur zu trist und der Wagen insgesamt zu durchschnittlich. Aber darin liegt zugleich einer der großen Vorzüge des geräumigen Mittelklasse-Kombis: Er verlangt wenig Aufmerksamkeit, meistert klaglos die Aufgaben des Alltags und spult mit seinem harmonischen, unaufgeregten Antrieb längere Fahrten entspannt-komfortabel ab. Obwohl auch Fahrfreude und Solidität gefallen, sind Verbesserungen an Bedienung, Assistenz und Interieur angezeigt.

Technische Daten
Ford Mondeo Turnier 2.0 TDCi Titanium
Grundpreis 39.600 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4867 x 1852 x 1501 mm
KofferraumvolumenVDA 500 bis 1605 l
Hubraum / Motor 1997 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 132 kW / 180 PS bei 3500 U/min
Höchstgeschwindigkeit 218 km/h
0-100 km/h 9,1 s
Verbrauch 4,8 l/100 km
Testverbrauch 7,5 l/100 km
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Neuester Kommentar

@Waseinmurks
Wer lesen kann und versteht ist klar im Vorteil.Offensichtlich hast du gar nichts verstanden.Lies das mit dem Selbsternannten Premium nochmal gaaaanz langsam.

Tin 19. Februar 2018, 16:14 Uhr
Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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