Kia Xceed 1.6 T-GDI, VW T-Roc 2.0 TSI 4 Motion, Exterieur Hans-Dieter Seufert
Kia Xceed 1.6 T-GDI, VW T-Roc 2.0 TSI 4 Motion, Exterieur
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Kia Xceed 1.6 T-GDI, VW T-Roc 2.0 TSI 4 Motion, Exterieur
Kia Xceed 1.6 T-GDI, Exterieur 25 Bilder

Kia XCeed 1.6 T-GDI und VW T-Roc 2.0 TSI

Kleine Crossover mit rund 200 PS im Test

Das Blaue vom Himmel? Na, ganz so viel versprechen Kia XCeed und VW T-Roc selbst mit rund 200 PS starken Turbobenzinern nicht – aber cleveres und temperamentvolles Alltagstalent mit Abenteuerlichkeit im Rahmen der Vernunft. Welcher besser ist? Na, blau’n mer mal.

Ach, was müssen das in diesem Früher, von dem die Alten uns hier einst immer erzählten, für große Momente gewesen sein. Wenn die Herren in besonderen Momenten ins Handschuhfach griffen, um ihre schweinsledernen gelochten Fahrerhandschuhe überzustreifen. Aber Kurven mit solch kühnem Mut, verwegenem Tempo und Handschuhen anzugehen ist doch recht arg außer Mode geraten. Allerlei mag sich in einem Handschuhfach heute finden, zur Aufbewahrung von Handschuhen dient es kaum mehr.

Es ist ein Begriff aus romantischen vergangenen Zeiten, als Armaturenbretter noch aus Holz zu bestehen hatten und, da Pferde auf den Straßen fuhrwerkten, Kotflügel noch ihrer wörtlichen Bestimmung …, aber lassen wir das. Schauen wir lieber noch mal in der Ablage des XCeed nach, ob wir nicht doch einen Handschuh finden, einen Fehdehandschuh am besten, um einen Rivalen zum Duell zu fordern.

Er tritt mit dem 204 PS starken Topbenziner, Schaltgetriebe und Vorderradantrieb gegen den T-Roc an, den VW als Zweiliter-Turbo stets mit Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe und Allrad verbandelt. Damit auf zum Vergleichstest, damit Sie aus sicherer Hand erfahren, welcher Kompakt-Crossover hier Meister seines – Sie ahnten es – Faches ist.

Roc und WOB

Wie schon so oft gelang es VW auch im Fall der kleinen SUV, einen Trend erst zu verbummeln, um sich dann verspätet umso erfolgreicher ganz nach vorn zu drängeln. Ja, der Erfolg des T-Roc verleitet die Marke gar unvermutet zu jener ihr sonst so fremden leichtfertigen Extravaganz, den Wagen bald auch als Cabrio anzubieten. Dann trägt er übrigens das Stoffdach des bereits 2016 eingestellten Golf VI Cabrio auf. Ansonsten basiert der T-Roc auf dem quermodulierten Baukasten, der schon dem Golf VII und nun seinem Nachfolger als Fundament des Erfolgs dient.

VW T-Roc 2.0 TSI 4 Motion, Exterieur
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Der T-Roc basiert auf dem MQB, der schon dem Golf VII und nun seinem Nachfolger als Fundament des Erfolgs dient.

Das liegt auch an der hohen Raumeffizienz des Baukastens, der dem VW T-Roc ebenfalls zu einem Platzangebot verhilft, das trotz 16,1 Zentimetern weniger Länge über dem des Kia XCeed liegt – vor allem wegen der üppigeren Innenbreite und -höhe. Das sperrige Antriebsgeplänkel für die Hinterachse allerdings verringert das Kofferraumvolumen von 445 beim Fronttriebler auf 392 Liter beim Allradler. Schließlich ergibt sich durch das unter dem Ladeboden eingerichtete Soundsystem eine weitere nicht unerhebliche Einschränkung in der Nutzung des höhenverstellbaren Ladebodens, weil er sich nicht mehr in der Höhe verstellen lässt.

So bleibt es beim kleinen Variabilitätsprogramm: zweiteilig klappbare Rücksitzlehne mit Durchreiche und für 190 Euro extra eine Beifahrersitzlehne zum Flachlegen. Während wir damit im Sommer stets die Möglichkeit verknüpfen, ein Surfbrett zu transportieren, wollen wir in solch weihnachtlich gestimmten Zeiten gern die Vorzüge dieser Klappmöglichkeit für den Transport von Tannenbäumen hervorheben.

VW T-Roc 2.0 TSI 4 Motion, Interieur
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Das sperrige Antriebsgeplänkel für die Hinterachse des Allradlers verringert das Kofferraumvolumen von 445 beim Fronttriebler auf 392 Liter.

Zudem besteht kein Anlass zur Sorge, der nadelige Baum könne dabei edle Oberflächen im VW T-Roc ankratzen – in Ermangelung derselben. Selbst in der zur Farbenfröhlichkeit entschlossenen R Line schaut es etwas trist aus – viel kostenoptimiertes Hartplastik vom Handschuhfachkasten bis zur Fondtürverkleidung sozusagen, aber alles solide verarbeitet.

Das mit der Solidität hat inzwischen auch Kia so richtig drauf und den XCeed richtig fesch eingerichtet – Chromrändchen hier, Armpölsterchen da. So wirkt er tatsächlich hochwertiger möbliert als der VW, und sein ohnehin größeres Ladeabteil lässt sich mit der dreiteilig klappbaren Rücksitzlehne sowie dem höhenverstellbaren Zwischenboden cleverer variieren. Wie im VW T-Roc kommen vier oder auch mal fünf der Innigkeit nicht abgeneigte Erwachsene unter. Im Kia XCeed gibt es zudem eine Heizung für die Rücksitze, was die – nun, sagen wir mal – Herzen der Mitfahrer im Alltag mehr zu wärmen vermag als der Extraseitenhalt im VW.

Bedienung zum Herantasten

Im haptischen Umgang organisiert sich der Kia XCeed ebenfalls praktischer – mit neuem Infotainment samt größerem Touchscreen und einem ungetrübten Verhältnis zu Drehreglern und Tasten. Davon gibt es viele, aber so gut sortiert, dass die Bedienung des Kia einfacher gelingt als die des VW T-Roc. Dort gilt es tiefgründige Menüs zu ergründen, etwa zur Konfiguration der ebenso optionalen wie entbehrlichen Digitalinstrumente.

So, nun aber mal einrichten auf dem Fahrersitz, der im VW eine herausgehobenere Position ermöglicht als im Kia. Der integriert seine Besatzung inniger und nur 51,5 Zentimeter über der Straße, was der Aussicht gar nicht mal sehr schadet. Dagegen versperren die breiten C-Säulen den Blick nach hinten viel erheblicher.

Kia Xceed 1.6 T-GDI, Exterieur
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Der Kia XCeed ist circa 4,4 Meter lang, 1,83 Meter breit und hat eine Höhe von 1,50 Metern. Die Fahrer sitzen 51,5 Zentimeter über der Fahrbahn.

Ein Knopfdruck, und im Kia startet der 1,6-Liter-Turbobenziner. Nur kurz dauert es, bis genug Ladedruck da ist, um den Twin-Scroll-Turbo über seine kurze Anlaufflaute hinwegzupusten. Dann legt der Motor druckvoll, homogen und durchaus drehbegabt los. Und, och, so ein manuelles Sechsganggetriebe kann eben eine feine Sache sein, passend gestuft, leichtgängig. Nur wer die Box des Mazda CX-30 kennt, dürfte noch mehr Präzision und kürzere Wege erwarten.

Das Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe des VW jedenfalls erweist sich nicht als so viel besser. Klar, es schaltet selbst, zudem meist schnell und treffsicher, was ihm auch einen Vorsprung nach Punkten beschert. Doch mit DSG zaudert der VW T-Roc beim Anfahren, selbst bei Zwischenspurts dauert es mitunter, bis es die passende Stufe einsortiert hat. Nicht zuletzt deswegen fühlt sich der Zweiliter-Turbobenziner nicht so richtig nach 190 PS an – trotz objektiv vehementer Fahrleistungen.

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1.532 Kilogramm bringt der T-Roc mit vollem Tank auf die Waage. Das sind 140 Kilo oder gut zehn Prozent mehr als der XCeed mit 1.392 Kilogramm. Der Grund: Allrad und Doppelkupplungsbox des VW wiegen schwer.

Zudem wuchtet der VW 140 Kilo mehr durch die Gegend als der Kia XCeed, der entschlossener zwischenspurtet. Im Gegenzug kurvt der VW T-Roc beherzter, bekommt das mit dem Handling mit seiner präziseren, direkteren und gefühlvolleren Lenkung besser zusammen. Dabei bringt er mehr Tempo in Biegungen hinein und hält es dort höher, umrundet sie neutraler, bis er sich spät sachtem Untersteuern hingibt. Mit mehr Vehemenz und Allrad stemmt er sich aus Kurven hinaus, wenngleich es kurz dauert, bis die Lamellenkupplung die Kraft nach hinten leitet.

Gar so temperamentvoll fährt der Kia XCeed nicht, obwohl die Techniker ihm neben einer anderen Feder- und Dämpfungsabstimmung auch eine im Vergleich zum normalen Ceed direkter übersetzte Lenkung einkonstruiert haben. Die bringt ihm eine kleine Zuspitzung aus der Mittellage ein, aber nie so viel Gefühl, Rückmeldung und Präzision wie im VW T-Roc. Für einen Kompakten ist der Kia eilig dabei in Kurven, schubbert jedoch früher ins Untersteuern. Ähnlich hohe Fahrsicherheit wie im VW wahrt er indes nur, weil die Elektronik lange die Leistung wegregelt – auch beim Rausbeschleunigen, denn da rangeln die Vorderräder bei all der Motorwucht schwer um Grip.

Der Preis des Sieges

Ja, das mit dem Fahren kann der VW T-Roc richtig gut, was er ebenfalls beim Komfort zeigt. Seine Adaptivdämpfer haben eine weite Spreizung, sodass er im Komfortmodus sanft auf Unebenheiten anspricht und dabei deutlich wankt. Im Sport-Modus reduziert er Karosseriebewegungen, raspelt aber harsch über kurze Wellen. Am besten passt der Normalmodus mit wankarmem, durchaus geschmeidigem Komfort. Trotz weicherer Federkennlinien hat auch das Kia-Fahrwerk Aufbauschwankungen gut unter Kontrolle und spricht auf kleine Hübe sensibel an, stakst aber auf der Autobahn ungalant über Querfugen.

Kia Xceed 1.6 T-GDI, VW T-Roc 2.0 TSI 4 Motion, Exterieur
Hans-Dieter Seufert
Trendiger kann man derzeit kaum an der Tanke stehen. Sorry Jungs, da meinen wir nicht euch, sondern T-Roc und XCeed. Verbräuche? 9,2 l/100 km beim VW, 8,2 beim Kia.

Kleinigkeiten, finden Sie? Stimmt, vor allem bei dem erheblich niedrigeren Preis des Kia XCeed. Mit testrelevanten Extras (Dämpfer, 19-Zoll-Räder, R Line) kostet der VW T-Roc fast 9.500 Euro mehr als der Kia. Der verbraucht dazu mit 8,2 l/100 km im Test einen Liter weniger, bringt mehr Ausstattung und die sieben Jahre Garantie mit, welche ihm ja schon traditionell den Sieg im Kostenkapitel bescheren. Doch bei dem bleibt es diesmal nicht.

Denn so viel komfortabler, agiler und schneller ist der VW T-Roc eben nicht, um sich in der Eigenschaftswertung einen sicheren Vorsprung gegenüber dem ähnlich sorgsam assistenzabgesicherten, praktischen, soliden, alltagscleveren Kia XCeed aufzubauen. Damit – langer Fehde, kurzer Sinn – holt der Kia den Sieg. Na da blau her!

Fazit

1. Kia XCeed 1.6 T-GDI Spirit 422 Punkte

Auf das bisschen mehr Komfort und Handling des VW T-Roc lässt sich leicht verzichten. Der Kia XCeed ist viel günstiger, zudem variabler, sparsamer, alltagsclever und solide.

2. VW T-Roc 2.0 TSI 4Motion Sport 410 Punkte

Auf das bisschen mehr Komfort und Handling muss es einem schon ankommen, um so viel mehr zu zahlen. Trittfeste Traktion, genug Platz, aber hoher Verbrauch beim VW T-Roc.

Technische Daten

Kia XCeed 1.6 T-GDI Spirit VW T-Roc 2.0 TSI 4Motion Sport
Grundpreis 27.577 € 32.948 €
Außenmaße 4395 x 1826 x 1495 mm 4234 x 1819 x 1573 mm
Kofferraumvolumen 426 bis 1378 l 392 bis 1237 l
Hubraum / Motor 1591 cm³ / 4-Zylinder 1984 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 150 kW / 204 PS bei 5500 U/min 140 kW / 190 PS bei 4180 U/min
Höchstgeschwindigkeit 220 km/h 216 km/h
0-100 km/h 7,4 s 7,1 s
Verbrauch 6,7 l/100 km 6,6 l/100 km
Testverbrauch 8,2 l/100 km 9,2 l/100 km
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Kia Ceed
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