Mercedes-AMG C 43 T (2018) im Test

Facelift dank Leistungsplus noch besser?

Mercedes-AMG C 43 T, Exterieur Foto: Achim Hartmann 17 Bilder

Dreiliter-V6-Biturbo, Allradantrieb und Sportfahrwerk hatte der Mercedes-AMG C 43 schon bisher, doch die Modellpflege 2018 bringt nun mehr Leistung und ein geschärftes Profil. Sind 390 PS genug für einen C-Kombi? Oder gar zu viel?

So genau weiß man es nicht, doch der um 1230 in Kaisheim verstorbene Dichter Freidank soll Schwabe gewesen sein. Er begleitete den Hohenstaufen-Kaiser Friedrich II. auf dessen Kreuzzug offenbar bis ins Heilige Land und hinterließ eine umfangreiche Sammlung an Sprüchen, von denen einige seit 800 Jahren zum deutschen Sprachgebrauch gehören. „Genug ist besser als zu viel“ ist einer davon, der die schwäbische Lebensart so perfekt in einem kurzen Satz zusammenfasst, dass kaum noch Zweifel an Freidanks Herkunft geboten scheinen.

Der Spruch passt überraschend gut zum C 43, einem Auto also, bei dem Genügsamkeit normalerweise nicht das auffallendste Charakteristikum ist. Doch mit 390 PS wahrt er respektablen Abstand zu den großen AMG-Apparaten, entfernt sich andererseits aber nicht zu sehr von den bürgerlicheren C-Klassen. Dabei ist der C 43 seit der Modellpflege nicht nur erstarkt, er trägt auch designmäßig ein wenig dicker auf.

Neues Design: Ein Hauch mehr Sportlichkeit

Zu sehen ist das unter anderem am neuen Grill mit Doppellamelle in Silber und der ausladenderen Frontschürze. Oder den aerodynamisch optimierten Rädern sowie den ausgeprägteren Schwellern. Ganz unter uns: Es ginge auch gut ohne, doch alles ist serienmäßig dabei, und wenn man drinsitzt, ist es nicht zu sehen. Zudem gilt es im C 43 Spannenderes zu entdecken.

Etwa die exzellenten Sportsitze, genauer: AMG-Performance-Sitz, zum Preis von 2.320 Euro. Immerhin ist in dem Betrag der Beifahrersitz mit enthalten, und die beiden Sessel sind jeden Euro wert. Sie sehen toll aus, die Sitzposition ist perfekt: tief, ins Auto eingepasst mit jeder Menge Seitenhalt, ohne zu klemmen. Mit anderen Worten: Auf den Seriensitzen fühlen Sie sich wie in einer C-Klasse, in den Performance-Schalen wie in einem AMG. Der Rest des Interieurs unterscheidet sich nämlich kaum von dem einer normalen C-Klasse.

Mercedes-AMG C 43 T, Interieur Foto: Achim Hartmann
Innen outet sich der C 43 erst mit Performance-Sitzen und Sportlenkrad als AMG. Beides kostet aber Aufpreis.

Abgesehen vom Lenkrad vielleicht. Das kostet ebenfalls Aufpreis (Leder Nappa mit Mikrofaser, 500 Euro), es ist griffsympathisch und passt gut ins Auto – eine weitere Empfehlung. Allein mit diesen beiden Optionen wäre der C 43 T bereits 66.336 Euro teuer, was ja auf den ersten Blick eher unbescheiden wirkt.

Motor: Das bringt das Leistungsplus von 23 PS

Und die Motorleistung von 390 PS – 23 mehr als vor der Modellpflege – sortiert sich ja ebenfalls eher am oberen Ende des bürgerlichen Automobilspektrums ein. Womit wir wieder bei Freidank wären: Die 390 PS sind genug, keine Frage. Sie sind aber auch keinesfalls zu viel. Das denkst du so für dich, während du mit dem grauen Mercedes-Kombi die übliche Landstraßen-Testrunde fährst. Der Fahrmodusschalter auf Sport, Getriebe auf Manuell, und wenn du noch ein wenig mit den Einstellungen spielst, stellst du fest, dass es besser passt, wenn die Dämpfer nicht allzu harsch reagieren.

Dieser Testwagen ist ohnehin gut dabei, unterbietet die Werksangabe für den Spurt von null auf 100 km/h um zwei Zehntel (4,6 statt 4,8 Sekunden), was auf der Landstraße ziemlich egal ist. Er hat jedenfalls immer genug Leistung, der Allradantrieb verteilt sie stets im Verhältnis 31 zu 69 zwischen Vorder- und Hinterachse. Davon merkt man beim Fahren übrigens erfreulich wenig.

Gnadenloser Grip beim Herausbeschleunigen aus engen Kehren prägt das Fahrerlebnis. Spitzkehre, erster Gang, Vollgas, bei etwas über 2.500 Umdrehungen liegen 520 Nm an. Der graue Kombi schießt katapultstartmäßig aus der Biegung auf die nächste kurze Gerade, die Traktionskontrolle blinzelt tadelnd. Blitzschnell jubelt der V6-Biturbo über die 6.000er-Marke. Und wenn du dann nicht hastig am rechten Paddel zupfst, stottert der Motor in den Begrenzer. Denn der manuelle Modus ist hier wirklich manuell.

Mercedes-AMG C 43 T, Exterieur Foto: Achim Hartmann
Aus dem Stand beschleunigt der Testwagen in 4,6 Sekunden auf Tempo 100 - 0,2 Sekunden schneller als die Werksangabe.

Entspannter ist es natürlich, die Neungangautomatik selbst schalten zu lassen, das kann sie hervorragend. Im Normalbetrieb wechselt sie die Planetenradsätze stets passend und fast unmerklich, nur am Drehzahlmesser erkennbar. In den sportlicheren Fahrmodi werden die Schaltrucke spürbarer, beim Anbremsen donnert eine Portion Zwischengasgebrabbel durch den Abgasstrang.

Zwar könnte der C 43 etwas zurückhaltender auftreten, wirklich störend ist es nicht. Schließlich wird niemand gezwungen, bei der Bestellung die Option U78 (AMG Performance-Abgasanlage schaltbar) für 1.428 Euro anzukreuzen. Denn womöglich ist das die beste Seite dieses AMG: Wenn gewünscht, gleitet er so sanft und geschmeidig dahin wie ein normaler C-Kombi mit leicht holzigem Abrollkomfort.

Fahrverhalten: bissiger dank überarbeiteter Vorderachse

Einem C-Kombi allerdings, der in Biegungen deutlich agiler und neutraler unterwegs ist. Die nach AMG-Vorgaben modifizierte Vierlenker-Vorderachse scheint bissiger einzulenken. Die serienmäßige Parameterlenkung mit variabler Servounterstützung sorgt mit klarer Rückmeldung und erstaunlich griffigen Haltekräften für viel Vertrauen und beträchtlichen Fahrspaß.

Dazu bietet der C 43 noch jede Menge Spielkram, etwa AMG Track Pace (178 Euro), einen Datenlogger für die Rennstrecke, der auf Wunsch die Telemetriedaten anzeigt, aufzeichnet und aufs Smartphone überspielt. Dabei kann man nicht nur die bereits im System hinterlegten Rennstrecken nutzen, sondern auch eigene Hausstrecken einspeichern. Großer Spaß für große Kinder.

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Welche Optionen ich für meinen Mercedes-AMG C 43 T wählen würde? Am liebsten wäre er mir mit den schönen 18-Zoll-Serienrädern, dazu Performance-Sitze und -Lenkrad. Mehr brauchst du bei diesem Auto nicht. Okay, Comand Online, aber das gehört in jeden Mercedes. Und das High-End-Lichtpaket mit Multibeam-Scheinwerfern für 1.963 Euro statt der immer noch serienmäßigen Halogenlampen. Dann reicht es. Denn genug ist auch in diesem Fall viel besser als zu viel.

Vor- und Nachteile

Karosserie
  • gutes Raumangebot
  • hervorragende Verarbeitungsqualität
  • gut zugänglicher Kofferraum
  • praxisgerechte Ausstattung
  • eingeschränkte Übersichtlichkeit
  • vergleichsweise geringe Bodenfreiheit
  • zum Teil unübersichtliche Bedienung
Fahrkomfort
  • insgesamt ordentlicher Federungskomfort
  • sehr gute Sportsitze vorn
  • bequeme Sitzbank im Fond
  • mäßiger Abrollkomfort
Antrieb
  • exzellente Fahrleistungen
  • harmonische Getriebeabstimmung
  • kultivierter Motor
  • lauter Sportauspuff
Fahreigenschaften
  • agiles Einlenken
  • neutrales Fahrverhalten
  • feinfühlige Lenkung
  • sehr gute Traktion
  • zu neutral zum Driften
Sicherheit
  • sehr umfangreiche Sicherheitsausstattung
  • Topbremsen
  • serienmäßig nur mit Halogenscheinwerfern
Umwelt
  • angemessener Verbrauch
  • erfüllt die Schadstoffnorm Euro 6d-Temp
  • hoher Geräuschpegel bei Volllast
Kosten
  • sehr gute Ausstattung
  • hoher Grundpreis zum Teil teure Extras

Fazit

Mit der um 26 PS auf 390 PS erhöhten Leistung ist der modellgepflegte Mercedes-AMG C 43 T-Modell nach wie vor ausreichend, aber keinesfalls übermotorisiert. Mit dem hecklastigen Allradantrieb geht es jederzeit traktionsstark voran, für erhöhten Fahrspaß sorgen die serienmäßige Parameterlenkung und eine überarbeitete Vorderachse. Auch äußerlich wirkt der C 43 T nun noch etwas sportlicher, bietet aber nach wie vor das Beste aus beiden Welten: Er ist ein solider, familientauglicher Kombi mit der Power, dem Auftritt und den Fahreigenschaften eines echten AMG – ganz großes Mercedes Kino.

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Technische Daten
Mercedes AMG C 43 T Mercedes-AMG
Grundpreis 63.516 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4714 x 1810 x 1440 mm
KofferraumvolumenVDA 490 bis 1510 l
Hubraum / Motor 2996 cm³ / 6-Zylinder
Leistung 287 kW / 390 PS bei 6100 U/min
Höchstgeschwindigkeit 250 km/h
0-100 km/h 4,6 s
Verbrauch 9,3 l/100 km
Testverbrauch 10,6 l/100 km
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