Mercedes C 250 CGI T im Test

Renovierter Mittelklasse-Kombi

Mercedes C 250 T-Modell, Frontansicht Foto: Hans-Dieter Seufert 45 Bilder

Eine große Rundumsicht-Lasershow zur Premiere: Das T-Modell der modellgepflegten Mercedes C-Klasse darf als erstes Auto den neuen großen auto motor und sport-Praxistest absolvieren. Wir packen auf unser aufwendiges Messprogramm noch was drauf und schauen uns ganz genau an, wie angenehm und nützlich der Mercedes C 250 CGI T im Alltag ist.

Als der Mercedes C 250 CGI T in die Tiefgarage der Schlossstraße 37 rollt, hat er noch keinen blassen Schimmer von dem, was kommen wird. Der schwäbische Edeltransporter in blitzsauberem Metallicweiß fühlt sich zum normalen Einzeltest bestellt. Pylonen werden fliegen, Reifen quietschen, Verbräuche protokolliert und der Innenraum vermessen. Gleiche Prozedur wie immer – denkt das Mecedes T-Modell. Denkste, sagen wir. Die auto motor und sport-Crew hat dieses Mal eine Menge mehr vor. Auf das schon ausführlichste Testprogramm setzen wir noch einen drauf und schauen explizit auf die Alltagskriterien. Was transportiert der Kombi? Wie parkt und rangiert er sich? Wird eine Familie mit ihm glücklich? Seh ich genug vom Verkehr? Wie schützen seine Assistenzsysteme vor Unfällen, und lässt er sich schnell und sicher bedienen?

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Einzeltest Mercedes C 250 T-Modell T-Mobil
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Innenraum deutlich wertiger

Bedienung gilt ja seit ehedem als eine der großen Stärken von Mercedes, nur beim Styling scheiden sich seit Jahrzehnten die Geister. Ein ehemaliger Mercedes-Baugruppenleiter raunzte in den Neunzigern mal seine Interieurentwickler an: „Ihr macht ein Design wie für ein öffentliches Verkehrsmittel.“ Harte Kommentare wie „langweilig“ und die „Materialien wirken billig“ musste auch die Mercedes C-Klasse lange ertragen. Gleich vorweg: Damit räumt das Volumenmodell mit der großen 2011er Modellpflege gründlich auf. Die neue Mercedes C-Klasse setzt sich rein qualitativ an die Spitze ihrer Klasse, wo im direkten Vergleich der Audi A4 mit einfach wirkenden Klimareglern und der BMW 3er mit seiner in die Jahre gekommenen Optik (Nachfolger kommt Anfang 2012) abfällt.

Mercedes C-Klasse 10:22 Min.

Auch das pixelige Zusatzdisplay im Tacho wich endlich einer klassengemäßen, scharfen und farbigen Darstellung. Doch leider wurde ein altbekanntes Problem nicht gelöst: Die Bordcomputer-Menüs sind zu verschachtelt und über die Lenkradtasten umständlich zu bedienen. Zudem gehören Assistenzfunktionen nicht in Untermenüs versteckt, sondern mit eigenen Tasten versehen.

Bedienung mit Schwächen

Unvermutete Schwächen zeigt die Mercedes C-Klasse auch bei der klassischen Bedienung: Die Klimaregelung sitzt zu tief und verlangt bei der manuellen Luftverteilung zu viele Knopfdrücke. Die Bestsenderliste für Radios lässt Dampfradio-Fans mit ihrer Darstellung in Erinnerungen schwelgen, nervt Power-User aber mit langen Bedienzeiten. Gleichzeitig setzt die Mercedes C-Klasse hier wiederum Glanzpunkte: Die Sitzverstellung in der Tür, der Tempomatregler (mit ACC-Funktion) und die Einparkhilfe-Anzeigen sind beispielhaft intuitiv. Ebenso reagiert das große Infotainmentsystem zügig auf Eingaben. Musikfans, die sich nur mit dem Basis-Soundsystem begnügen, werden zu dem unnötig dumpfen Klang aber nicht mit den Füßen wippen. Im Vergleich dazu geht beim 893 Euro teuren Harman Kardon-System die Höhensonne auf.

Gute Sitze, knapper Fondraum

Vor allem pflegt das Interieur der Mercedes C-Klasse die klassische Mercedes-Tugend der Langstreckentauglichkeit. Beim Einsteigen wirken die 512 Euro teuren Multikontursitze mit allerlei pneumatischen Einstellmöglichkeiten noch brettig und einfach – mäßiger Ansitzkomfort sagen die Profis –, doch nach 500 Kilometer Fahrt begeistern sie mit Ermüdungsfreiheit und perfekter Lordosenstütze bei gutem Seitenhalt. Die Klimaanlage verlangt mit ihrer zugfreien automatischen Regelung keine weitere Justage – auch ein Beitrag zu sicherer Bedienung. Mehr Platz für Reiseutensilien wie große Getränkeflaschen und den guten alten Reiseatlas – in Navisystemen lässt sich so schwer blättern – wäre aber besser.

Auf der Rückbank bleibt das Bild ebenfalls etwas zwiespältig. Die Mercedes C-Klasse ist kein Raumriese. Im Fond reisen zwar auch größere Passagiere annehmbar (bequemer Einstieg, komfortable Sitze), aber bei weitem nicht so luxuriös wie in einem viel günstigeren Skoda Superb. Mehr als zwei Kinder sollte die Familie nicht spazieren fahren, sonst passen die entsprechenden Sicherheitssitze nicht mehr. Der Versuch, eine schmale Dose à la Redbull in den hinteren Cupholdern zu verankern, endet reichlich kippelig. Für die 1.600 Euro, die ein Fond-Videosystem kostet, muss man seine Kinder schon sehr lieben oder andersrum sehr genervt sein.

Krabbeln wir noch ein Stück weiter nach hinten in den Kofferraum. Der begnügt sich mit 485 bis 1.500 Liter Volumen. Guter Klassendurchschnitt, sagen die einen, weniger als ein neuer Focus Turnier die anderen. Als Top-Kaufargument scheidet er jedenfalls dem Volumen nach aus, da er auch beim Beladen mit dem auto motor und sport-Norm-Kofferset etwas weniger als der viel günstigere Ford schluckt. Dessen Gepäckabteil verengt sich auch nicht an den Radkästen. Gelungen sind die kleinen Helfer: seitliche Taschen, verankerbare Netze, leicht eben zu legender Ladeboden und praxisgerechte Verzurrmöglichkeiten.

Neue Assistenzsysteme,kräftige Bremse

Die Rolle des Helfers nimmt der Premium-Laster gerne ein, auch und besonders bei brenzligen Fahrsituationen. Wie schon ein Test der identischen Assistenzsysteme in der E-Klasse zeigte, bietet Mercedes hier einen überzeugenden Schutz vor Unfällen. Jedoch piepsen sie etwas zu hyperaktiv, so dass man ihnen zuraunen möchte: Ruhig Blut, das ist nur eine Autobahn-Leitplanke und kein bedrohliches Hindernis. Die Bremsanlage packt übrigens mächtig zu: Beladen und mit warmen Bremsen stehen die 225er-Continental Sport Contact in weniger als 36 Metern.

Andererseits fehlt immer noch City-Safety und ein Fußgänger-Erkennungssystem wie bei Volvo. Aber erinnern wir uns: Den Vorgänger gab es noch nicht mal mit Abstandsregeltempomat. Und noch eines wurde besser: Ließ Mercedes bei der Einführung seiner Schilderkennung das Tempolimit sinnigerweise immer nur kurz im Kombiinstrument aufblitzen – wozu dann eine solche Hilfe? –, leuchtet es jetzt dauerhaft in der Navikarte. Hundertprozentige Erkennungssicherheit sollte davon freilich niemand erwarten, die Mercedes C-Klasse schafft eher gefühlte 95.

Kombi ist unübersichtlich

Runter vom Gas, jetzt fahren wir Schrittgeschwindigkeit, denn Parken und Rangieren stehen an. Dass moderne Autos aufgrund von Sicherheitsanforderungen und Alle-wollen-sportlich-sein-Design keine Übersichtswunder mehr sind, daran mussten wir uns leidvoll gewöhnen, aber zumindest helfen gut gemachte Einparkhilfen wie in der Mercedes C-Klasse. Nach vorne fehlt der getesteten Avantgarde-Version jedoch der Stern zum Peilen auf der Haube. Wer den möchte, muss zur günstigeren Basis- oder Elegance-Variante greifen. Nach hinten wird es rund um die D-Säule recht duster, wie auch die Rundumsichtmessung zeigt. Und Anrempeln wird empfindlich teuer ohne unlackierte Stoßleisten. Gut, dass die Mercedes-Ingenieure Maß gewahrt haben, denn das T-Modell ufert weder in der Breite noch beim benötigten Wendekreis aus. Den Praxistest besteht die edle Mercedes C-Klasse so zwar nicht mit summa cum laude, aber sie zeigt einige Details, die andere gerne kopieren könnten.

Jetzt dürfen endlich Reifen quietschen und Pylonen fliegen. Wobei Letzteres bei der Mercedes C-Klasse kaum passiert, denn Mercedes befindet sich auf dem Weg zu unerwarteter Sportlichkeit. So agil und präzise (optionale Parameterlenkung) kennt man die schwäbischen Stars bisher nur aus der AMG-Sportfraktion. Das macht viel Laune, keine Frage, aber es bleiben doch Zweifel, ob das alle Mercedes-Kunden so haben wollen. Der Komfort ist gut, aber mit den 17-Zöllern nicht über alle Holper-Zweifel erhaben. Fiese, kurze Wellen schlagen spürbar ins Gesäß durch. Vollbeladen schluckt das Raumschiff jedoch selbst derbe Schläge, ohne auf Block zu gehen. Auf der Autobahn gleitet der 4,61-Meter-Mercedes wieder beruhigt.

Turbo-Motor kräftig, aber ohne Temperament

Stern-Fans kennen das Namens-Verwirrspiel schon aus seligen Kompressortagen: Hinten steht 250 drauf, vorne ist ein 1,8-Liter-Turbomotor mit Direkteinspritzung drin. Also der gleiche Block wie im 180er oder 200er, dafür aber mit mehr Ladedruck. Der produziert maximal 204 PS und 310 Nm ab 2.000 Touren.

Das Temperament hat dieser Motor nicht direkt erfunden. Er schiebt den 1,6-Tonner in 7,8 Sekunden zügig auf Landstraßentempo, brummt dabei so aufregend wie ein stark gedämpftes Notstromaggregat und spricht so an, wie es ein Großserien-Lader eben macht: leicht verzögert. Kein Gourmetmotor, aber top für den Alltag. Finesse gewinnt das Ganze durch das filigrane Gangspiel der Siebengang-Automatik. Mussten früher die Mercedes-Vierzylinder noch mit dem Fünfganggetriebe bei ineffizienten höheren Drehzahlen darben, so passen die Übersetzungen jetzt fast immer zur Fahrsituation. Der Verbrauch beträgt zurückhaltend gefahren – auch dank sanft agierendem Start-Stopp-System – 6,8 Liter/100 km. Im Testmittel sind es 10,9 Liter. Und wer es auf der Autobahn fliegen lässt, zahlt den Turbo-Aufschlag mit über 13 Litern.

Wir hätten an dieser Stelle gerne lobende Worte über das Umweltzertifikat von Mercedes verloren, das die bei der Auto-Herstellung anfallenden Emissionen penibel ausweist. Leider ist es für die Mercedes C-Klasse noch nicht fertig. In Zukunft werden wir solch einen Umwelt-Nachweis aber von jedem Hersteller einfordern.

Was kostet der Sternentrip? Rein pragmatisch zu viel. Es gibt talentiertere Transporter und Familienautos für weniger Geld. Aber Autos in dieser Klasse kauft keiner mit dem Maßband, und wen der letzte Liter Volumen nicht juckt, der erhält mit dem Mercedes T-Modell ein exzellent abgestimmtes und vor allem jetzt richtig edles Auto.

Vor- und Nachteile

Karosserie
  • gutes Platzangebot vorne
  • hochwertige Verarbeitung
  • für Kombi gute Übersichtlichkeit
  • viele nützliche Ladehelfer
  • ebener Ladeboden
  • knappes Platzangebot im Fond
  • durchschnittliches Kofferraumvolumen
  • umständliche Lenkrad-Bedienung
Fahrkomfort
  • insgesamt guter Komfort
  • niedriges Geräuschniveau
  • sehr bequeme Optionssitze
  • effektive Klimatisierung
  • eingeschränkter Abrollkomfort (17-Zoll-Reifen)
Antrieb
  • kultivierter Motorlauf
  • gute Fahrleistungen
  • sehr gutes Automatikgetriebe
  • wenig temperamentvoll
Fahreigenschaften
  • sehr sicheres Fahrverhalten
  • präzise Lenkung
  • stabiler Geradeauslauf
  • agiles Handling
Sicherheit
  • zahlreiche Assistenzsysteme verfügbar
  • sehr gutes Adaptivlicht (opt.)
  • sehr wirksame Bremsen
  • kein City-Safety
Umwelt
  • niedriger Verbrauch bei ökonomischer Fahrweise
  • derzeit noch kein Umweltzertifikat ausgewiesen
  • Verbrauch steigt bei zügiger Fahrt deutlich an
Kosten
  • voraussichtlich guter Wiederverkaufswert
  • nur zwei Jahre Garantie
  • hoher Grundpreis

Fazit

Bei der Qualitätsanmutung hat die teure C-Klasse einen gewaltigen Schritt nach vorne gemacht. Auch Fahrverhalten, Komfort und Sicherheit überzeugen – Platzangebot und Verbrauch nur zum Teil.

Technische Daten
Mercedes C 250 T BlueEFFICIENCY Avantgarde
Grundpreis 44.078 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4606 x 1770 x 1459 mm
KofferraumvolumenVDA 485 bis 1500 l
Hubraum / Motor 1796 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 150 kW / 204 PS bei 5500 U/min
Höchstgeschwindigkeit 233 km/h
0-100 km/h 7,8 s
Verbrauch 6,7 l/100 km
Testverbrauch 10,9 l/100 km
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