Mercedes GLB 200, VW Tiguan Allspace 1.5 TSI, Exterieur Hans-Dieter Seufert
Mercedes GLB 200, VW Tiguan Allspace 1.5 TSI, Exterieur
Mercedes GLB 200, Exterieur
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Mercedes GLB 200, Exterieur 28 Bilder

Mercedes-Benz GLB 200, VW Tiguan Allspace 1.5 TSI

Kompakte Siebensitzer-SUV im Test

Den normalen Tiguan hat der Mercedes GLB im Vergleichstest bereits geschlagen. Nun erhält der beliebte VW als längerer Allspace seine zweite Chance. Aber reicht sein größeres Platzangebot für einen Sieg gegen den kantigen Benz?

Drei Monate sind inzwischen vergangen, doch die Vergleichsfahrt mit dem neuen GLB 220 d und seinen Rivalen VW Tiguan 2.0 TDI und BMW X1 20d samt der zugehörigen Auswertung bleibt in allerbester Erinnerung. Da überraschte der Mercedes mit viel Komfort, Platz und Nutzwert, konnte sich gegenüber dem 15 Zentimeter kürzeren Tiguan sowie dem X1 locker absetzen und gewann am Ende seinen ersten Vergleichstest. Ein Einstieg nach Maß für den Newcomer, zumal der ausgereifte Tiguan bis dahin als nahezu unbesiegbar unter den kompakten SUV galt.

Mercedes GLB 200, VW Tiguan Allspace 1.5 TSI, Exterieur
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Geringe aber akzeptable Unterschiede existieren in diesem Duell: der GLB hat 163 PS unter der Haube, der Tiguan 13 PS weniger.

Doch neben dem Grundmodell hat Volkswagen ja seit drei Jahren auch eine Allspace-Variante im Programm, die sieben Zentimeter länger als der GLB ist und ebenfalls auf Wunsch als Siebensitzer geliefert wird. Deshalb klären wir nun, ob zumindest der XL-Tiguan den eckigen GLB toppen kann – und wie kleine, weitaus günstigere Benziner statt der durchzugsstarken Diesel mit den gewichtigen SUV zurechtkommen. Denn als 200 hat der Mercedes einen 1,3-Liter-Vierzylinder mit 163 PS unter der Fronthaube, und der 1.5 TSI im VW bringt es bei gleichem Drehmoment (250 Nm) sogar nur auf 150 PS.

Allspace mit mehr Platz

Doch bevor die Motoren starten, vergleichen wir erst mal Fond und Laderäume. Der Tiguan Allspace packt als Siebensitzer regulär 700 Liter, maximal sind es sogar 1.775. Ohne die dritte Sitzreihe, die VW für 750 Euro Aufpreis einbaut, wären es 60 beziehungsweise 145 Liter mehr – beachtliche Werte. Der GLB, der zu diesem Vergleichstest leider nur als Fünfsitzer verfügbar war, belässt es bei 565 bis 1.800 Liter. Zwei weitere Sitze, die im Gegensatz zum Tiguan über Isofix-Bügel verfügen und deutlich mehr Reisekomfort bieten, kosten 1.321 Euro extra.

VW Tiguan Allspace 1.5 TSI, Interieur
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Der Allspace kommt mit dritter Sitzreihe und bietet eine Standardgepäckraum mit 700 Litern.

Ebenfalls Aufpreis kostet beim Mercedes eine um 14 Zentimeter verschiebbare Rückbank (428 Euro), die im viel luftigeren Tiguan immer an Bord ist. Gleiches gilt für die Fernentriegelung der Rücksitzlehne, zwei Fächer im Dach, Klapptische an den Vordersitzlehnen sowie den umlegbaren Beifahrersitz.

Klare Sache also – der Allspace ist praktischer und geräumiger. Lobenswert auch, dass seine schmucklose Sitzbank mehr Seitenhalt und Beinauflage bietet als die aufwendiger geformte Bank im etwas enger geschnittenen GLB.

Nun aber starten wir die Benziner. Der GLB 200, nur mit Siebengang-DKG zu haben, ruckelt kurz, kommt dann aber flott in Fahrt. Die Automatik wechselt die Gänge sanft und schnell, während vom Vierzylinder wenig zu hören ist. Ganz anders dagegen der 1.5 TSI von VW, der schon bei niedrigen Drehzahlen energischer klingt, nur mit Sechsgang-Schaltgetriebe geliefert wird und den Allspace deutlich langsamer in Schwung bringt.

Mercedes GLB 200, Interieur
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Der feiner eingerichtete Mercedes lässt sich mit vielen oberklassigen Extras aufrüsten.

In jedem Fall mangelt es dem nur 20 Kilogramm schwereren Allspace an Schubkraft, ohne dass sein Vierzylinder im Gegenzug sparsamer wäre. Ganz gleich, ob Doppelkuppler oder Sechsgangbox – die Testverbräuche fallen mit 8,1 l/100 km identisch aus. Selbst auf der 275 Kilometer langen Eco-Runde zeigen sich kaum Unterschiede.

Die Verzögerungswerte des Tiguan dürften hingegen besser ausfallen, denn bei einer Vollbremsung aus 130 km/h mit kalten Bremsen braucht er fünf Meter mehr. Der GLB verzögert indes gut, profitiert allerdings von größeren und gelochten Bremsscheiben vorne, die er sich über ein Technikpaket für 3.522 Euro erkauft.

Eine Investition, die sich lohnt. Neben LED-Scheinwerfern der allerfeinsten Sorte ist damit auch schon das Fahrwerk mit zweifach verstellbaren Dämpfern bezahlt. Mit seiner gekonnten Abstimmung nimmt es fiesen Unebenheiten konsequenter die Spitzen, liegt ruhiger und leistet sich im Komfortmodus einen leicht wogenden Aufbau. Selbst schnell genommene Querfugen verarbeitet der Mercedes geschmeidiger als der keineswegs unkomfortable VW, der ebenso über optionale Adaptivdämpfer verfügt.

Mercedes GLB 200, Interieur
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Die um 14 Zentimeter verschiebbare Rückbank kann mit dem Sitzkomfort des VW nicht mithalten.

Trotz des gebotenen Komforts kommt das Fahrvergnügen im GLB nicht zu kurz. Während der Tiguan auf holprigen Straßen oft den Grip verliert und in Kurven früh untersteuert, bleibt der Mercedes gelassen auf Linie, lässt sich präzise dirigieren, ohne ins Wanken zu geraten. Ein SUV, der zum flotten Fahren animieren kann, während man im Tiguan dem Cruisen verfällt.

Mehr Luxus bietet der GLB

Für Fahrvergnügen sorgt aber nicht nur ein homogen abgestimmtes Fahrwerk, denn auch das Interieur sollte Freude bereiten. Hier ist der top verarbeitete und modisch eingerichtete GLB mit seinem MBUX-Infotainment, prächtigen Lüftungsdüsen und silbernen Rohrelementen in Fräsoptik erstklassig aufgestellt. Der nur als Comfortline bestellbare Tiguan 1.5 TSI sieht mit seinem eher reizlosen Cockpit und reichlich robustem Hartplastik dagegen geradezu nüchtern aus. Doch natürlich richtet Mercedes seine Autos nicht freiwillig so hübsch ein, dazu bedarf es schon einer ordentlichen Zuzahlung.

VW Tiguan Allspace 1.5 TSI, Exterieur
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Der VW ist funktional top, bietet rundherum mehr Platz, aber weniger Luxus.

Womit wir abschließend zum einzigen echten Schwachpunkt des GLB kommen: seinem Preisniveau. Neben den Unterhaltskosten sind schon die Grundpreise hoch, als 200 Progressive mit Automatikgetriebe steht er mit über 5.500 Euro mehr als ein funktional gut ausstaffierter Tiguan Allspace 1.5 TSI (34.780 Euro) in der Liste. Rechnet man für beide SUV die punkterelevanten Extras wie Räder, Adaptivdämpfer, direktere Lenkung, Komfortsitze plus das Technikpaket (nur GLB) hinzu, liegt er sogar über 7.700 Euro drüber.

Doch obwohl der VW im Kostenkapitel fleißig Punkte sammelt, muss er dem Mercedes erneut den Vortritt lassen. Der ist in Summe einfach besser und hinterlässt auch in zweiter Instanz einen gewinnenden Eindruck.

Fazit

1. Mercedes-Benz GLB 200 439 Punkte

Schneller, agiler, komfortabler und feiner als der VW, gewinnt der GLB hier deutlich. Zudem bietet er kaum weniger Platz und einen variablen Fond. Schwächen? Nur der hohe Preis.

2. VW Tiguan Allspace 1.5 TSI 429 Punkte

Abgesehen vom größeren Raumangebot zum günstigeren Preis hat der komfortable Tiguan als Allspace hier meist das Nachsehen. Dazu hapert es an Leistung und Bremskraft.

Technische Daten

Mercedes GLB 200 Progressive VW Tiguan Allspace 1.5 TSI Comfortline
Grundpreis 39.307 € 34.123 €
Außenmaße 4634 x 1834 x 1658 mm 4701 x 1839 x 1674 mm
Kofferraumvolumen 565 bis 1800 l 760 bis 1920 l
Hubraum / Motor 1332 cm³ / 4-Zylinder 1498 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 120 kW / 163 PS bei 5500 U/min 110 kW / 150 PS bei 5000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 207 km/h 200 km/h
0-100 km/h 8,9 s 11,1 s
Verbrauch 5,8 l/100 km 5,7 l/100 km
Testverbrauch 8,1 l/100 km 8,1 l/100 km
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VW Tiguan
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