Opel Corsa OPC Nürburgring Edition im Test

Rundenzeit-Erfolg dank Rückschritt

Opel Corsa OPC Nürburgring Edition, Frontansicht Foto: Rossen Gargolov 24 Bilder

Wer früher mit Macht an einer Achse riss und sportliche Ansprüche hatte, trug wie selbstverständlich ein mechanisches Differenzial. Seitdem es elektronische Stabilitätsprogramme gibt, gilt dies nicht mehr. Der Opel Corsa OPC Nürburgring Edition geht technisch einen Schritt zurück und fährt damit im Test auf der Rennstrecke ganz nach vorn.

Es ist geschafft – der Opel Corsa OPC hat sie geknackt, die 200-PS-Marke. Im wahlweise apfelgrünen, hennaroten, schwarzen oder casablancaweißen Kleid und mit dem Namenszusatz „Nürburgring Edition“ versehen, darf der von einem aufgeladenen 1,6-Liter-Vierzylinder befeuerte Opel Corsa OPC zum Test nun mit der Kraft von 210 Pferden antreten. Bislang waren beim Corsa 192 PS das Maß der Dinge.

Opel Corsa-Topmodell mit Sperre

So weit, so gut. Aber eine Schwalbe macht noch keinen Sommer und eine Leistungssteigerung um knapp zehn Prozent noch keinen Kurvenkünstler. Das weiß auch und zuvorderst Opel Sportchef Volker Strycek und hat dem Konzern für das Corsa-Topmodell nunmehr endlich abgerungen, was in seinen in der Langstreckenmeisterschaft eingesetzten Astra OPC-Rennwagen seit Jahren selbstverständlich ist: eine mechanische Differenzialsperre von Drexler Motorsport. Das im bayerischen Wald beheimatete 50-Mann-Unternehmen liefert eine mechanische Lamellensperre zu (Rampenwinkel 50 Grad), die im kompakten und mit 1.252 Kilo Lebendgewicht auch einigermaßen leichten Opel Corsa OPC segensreiche Wirkung entfaltet.

Wo ohne mechanisches Sperrdifferenzial antretende Kompaktsportler, wie beispielsweise der Mini JCW Clubman, beim Herausbeschleunigen aus engen Ecken aufgrund von Traktionsproblemen nach außen drängen, zieht sich das unter Last mit 40 Prozent sperrende Opel Corsa OPC-Modell in vorbildlicher Manier aus der Affäre. Mehr Neutralität geht nicht.

ESP lässt sich komplett deaktivieren

Die Traktion des laubfroschgrünen Opel Corsa OPC Nürburgring Edition ist makellos, die präzise arbeitende und ausreichend Rückmeldung liefernde Lenkung frei von Antriebseinflüssen. Unter- und Übersteuern sind Fremdworte für den smarten Rüsselsheimer, der im Test auf dem Kleinen Kurs in Hockenheim spürbar vom fundierten Rennstrecken-Know-How des OPC-Chefs profitiert. Und weil dies so ist und das von Bilstein zugelieferte, im Alltag keinen übermäßigen Komfortverzicht erfordernde Sportfahrwerk den Kraftzwerg allzeit sicher am Boden hält, konnten die Ingenieure sich auch getrost für ein komplett abschaltbares ESP entscheiden.

Opel Corsa OPC mit Hockenheim-Rekordzeit

Auch wenn es langsam langweilig werden mag: Wer über eine solide technische Basis verfügt, kommt auch ohne elektronischen Rettungsanker allzeit sicher über die Runden – und das im Falle des im Zeichen des Nürburgrings startenden Opel Corsa OPC sogar über die Maßen flott. Mit einer Hockenheim-Rundenzeit von 1.18,2 Minuten weist der hessische Newcomer sogar den in dieser Klasse und auf diesem Terrain bislang Ton angebenden Mini JCW in die Schranken. Der Mini Cooper S John Cooper Works ließ sich im Supertest im Hockenheimer Rund noch drei Zehntelsekunden mehr Zeit. Zum Vergleich finden Sie hier alle Rundenzeiten auf dem Hockenheimring.

Eine Wachablösung also? Nicht ganz, oder besser: lediglich in Sachen Klassen-Bestzeit auf dem Kleinen Kurs. Davon abgesehen macht der eher klassisch den lifestylig-flippig konfigurierte Opel Corsa OPC Nürburgring Edition dem kulleräugigen Mini nämlich nicht wirklich etwas vor – von den Sitzen einmal abgesehen. An den exzellent ausgeformten und serienmäßig mit Leder bezogenen Recaro-Schalen könnten die Münchener sich wahrlich ein Beispiel nehmen.

Ach ja – und deutlich günstiger zu haben ist der im kompletten Testwagenornat 30.275 Euro teure Opel Corsa OPC Nürburgring Edition natürlich auch. Doch bei der Cockpitgestaltung haben wiederum die Hessen Nachholbedarf. Nicht, dass es eines so durchgestylten Auftritts bedarf, wie ihn der Mini offeriert. Aber etwas mehr Ordnung im System wäre dem Opel Corsa OPC schon zu wünschen: Klassische, mit schmalen Chromringen verzierte Rundinstrumente vor dem Volant, übergrosse, von gebürstetem Aluminium umrandete Lüftungsauslässe rechts, mittig und links, zwei verschieden große rechteckige Anzeigeneinheiten für Navi und Bordcomputer in der mit Klavierlackintarsien versehenen Mittelkonsole – das alles ist nicht wirklich aus einem Guss, aber eine Frage des Geschmacks.

Schwache Bremsen und hoher Verbauch

Für die Brems-Performance des mit Brembo-Komponenten und 305-Millimeter-Scheiben vorn bestückten Opel Corsa OPC in der Nürburgring Edition gilt dies nicht: Verzögerungswerte im Test von unter 10 m/s² sind auch in dieser Klasse längst nicht mehr zeitgemäß. Gleiches gilt übrigens für den Verbrauch: Mit 13,0 Liter Super Plus auf 100 Test-Kilometern rangiert das Opel Corsa OPC-Sondermodell auch in dieser Disziplin ganz weit vorn.

Technische Daten
Opel Corsa 1.6 Turbo OPC OPC Nürburgring Edition
Grundpreis 28.265 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 3999 x 1713 x 1488 mm
KofferraumvolumenVDA 285 bis 1050 l
Hubraum / Motor 1598 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 155 kW / 210 PS bei 5850 U/min
Höchstgeschwindigkeit 230 km/h
0-100 km/h 7,2 s
Verbrauch 7,6 l/100 km
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