Peugeot 205 GTI 1.9, ams 0321 Test Hans-Dieter Seufert
Peugeot 205 GTI 1.9, ams 0321 Test
Peugeot 205 GTI 1.9, ams 0321 Test
Peugeot 205 GTI 1.9, ams 0321 Test
Peugeot 205 GTI 1.9, ams 0321 Test 12 Bilder

Peugeot 205 GTI 1.9 im Test

Peugeot 205 GTI 1.9 im Test 36 Jahre alt und kein bisschen langweilig

Verehrte Damen und Herren, liebe Freunde, Gönner und Weggefährten von auto motor und sport. Schön, dass Sie alle dabei sind. Bitte begrüßen Sie ganz herzlich als "Alten im Test" den heldenhaftesten, tollkühnsten, leichtfertigsten, einfach allergrandiosesten aller GTI aller Zeiten, vergangener wie kommender: den Peugeot 205 GTI 1.9.

Die wirklich tiefgründigen Fragen des Lebens haben den großen Auftritt nie gescheut. So flackert eine gleich um kurz nach vier in der Früh auf – zusammen mit dem Neonlicht der Tiefgarage, das die Silhouette eines kleinen Autos als Schatten an die Wand wirft. Ein paar Schritte nur, und du stehst vor dem 205 GTI und der Frage, wie das geht: Kannst du heute ein Auto fahren, von dem du im fernen Gestern sagtest, du führest es, als gäbe es kein Morgen?

Ha, jetzt beneidest du dich um das Geschenk solch argloser Naivität, die es braucht, um in der Jugend einen glücklichen, sorglosen Weg einzuschlagen, von dem dich später nur die furchtsame Vernunft abbringt. Aber da es bei all dem Sich-der-Vergangenheit-stellen-Psychoding selten etwas zu gewinnen gibt, greift die alte Lebensweisheit: Wer verliert und läuft von hinnen, kann ein andermal gewinnen. Also einsteigen, Schlüsseldreh, erster Gang, Kupplung kommt, hoch zum Rolltor, raus in die Nacht.

Als die Sonne sich endlich über die Hügel hebt, hinter Bad Rappenau und bei 6.000 Touren im fünften Gang, überrumpelt sie nur den Vollmond, der übernächtigt im wolkenlosen Himmelblau irrlichtert. 30 Minuten bis Hockenheim, genug, um zu klären, was den 205 so besonders macht.

Vite la France

Peugeot 205 GTI 1.9, ams 0321 Test
Hans-Dieter Seufert
Leistung 88 kW (120 PS) bei 6.000/min, Hubraum 1.905 cm3, Bohrung x Hub 83,0 x 88,0 mm, spez. Leistung 46,2 kW/l (63,0 PS/l), Verdichtungsverhältnis 9,2 : 1, max. Drehmoment 150 Nm bei 3.000/min, mittl. Kolbengeschw. bei Nenndr. 17,6 m/s, Ölinhalt Motor 5,0 l, Kühlsysteminhalt 6,6 l.

Seine Geschichte beginnt 1976, als bei Peugeot das Projekt M24 startet. Dabei geht es um mehr als die Nachfolge des 204, nämlich um: alles. Denn die Finanzen sind arg ins Unausgeglichene geraten bei den Franzosen. Wenn der neue Kleinwagen floppt, müssen sie den Laden zumachen. Müssen sie nicht, denn vom 24. Februar 1983 bis 31. Dezember 1998 baut Peugeot 5,278 Millionen 205 – jeder zusammengehalten von 2.471 Schweißpunkten (ewig schade, dass gerade so viele VHS-Kurse ausfallen, sonst flögen Ihnen beim Konversationskurs doch die Herzen der frankophilen Damen nur so zu, schlügen Sie das als Gesprächsthema vor: deux mille quatre cent soixante-et-onze points de soudure).

Weil es Frankreich ist, darf die Retterei nicht auf Eleganz und Rasanz verzichten. So wird der 205 nicht nur der vielleicht schönste aller Kleinwagen – lange heißt es, Pininfarina habe das Design verantwortet, später dann, es sei Peugeots eigene Stilistikabteilung La Garenne unter der Leitung von Gérard Welter gewesen –, sondern auch der wildeste GTI. Der startet im Februar 1984 als 1.600er mit 105 PS, 1986 kommt der 1.900er dazu, der erst mit 128 PS loslegt, ab 1988 mit Kat 120 PS zusammenrandaliert und nun an der Tankstelle in Hockenheim mit leisem Ticken abkühlt.

So, tanken, waschen, rüber ins Motodr…, ähm, wo sind denn die anderen? Kein Hans-Dieter da, der zur Eile mahnt, weil das Licht gerade jetzt am besten ist, kein Otto, der die Diskussion über Baguette-Beläge mit dem Betreiber der Tankstelle voranbringt. Und auch keine Tankstelle, die Lichter sind noch aus. Na, es ist wohl nicht nur die Zeit, die eiliger vergeht im 205 GTI, sondern auch der Weg. Die Vehemenz der nach aktuellen Maßstäben schütteren 120 PS verschafft dem Peugeot einen Temporeichtum, der dem Ziel mitunter nicht genug Zeit lässt, sich angemessen auf deine Ankunft vorzubereiten.

Ein paar Minuten später sind alle da, und alles ist wie immer. Also als Erstes auf die Waage, die dem Wagen die Leichtigkeit von 921 Kilo bescheinigt. Das sind nur 37 Kilo mehr als beim GTI mit dem kleineren 1.600er und erstaunlich wenig, bedenkt man, wie reichhaltig und solide sich der Peugeot ausstaffiert – von den 15- Zoll-Alus, die er als einziger 205 trägt, über Leder und elektrische Fensterheber bis hoch zum Glasdach, das von einer Gummileiste arretiert wird, die sich dazu mit Luft aufplustert.

So, Messgeräte einbauen und auf die Strecke. Als Erstes stellen wir fest, dass der Tacho zur Zurückhaltung neigt – eine Eigenart, welche sich die Geräuschkulisse niemals vorwerfen lassen muss, pegelt sie sich doch etwas oberhalb des Richttempos auf Werte jenseits der 80 dB(A) ein. Das liegt auch an der kurzen Übersetzung des brillanten Fünfganggetriebes mit seinem etwas stocherigen Schalthebel. Bei 100 km/h tourt der Vierzylinder im fünften Gang bei 3.000 Touren, krawallt für die Höchstgeschwindigkeit auf mehr als die doppelte Drehzahl und bis an die rote Markierung des Tourenzählers empor.

Aber was für ein grandioses Triebwerk das ist. Weil uns die aktuellen Turbos das ganze Motorvergnügen mit ihrem schweren Drehmoment zukleistern, haben wir ganz vergessen, wie wunderbar das ist: ein hubraum- und leistungsbereiter, scharf ansprechender und drehwütiger Saugbenziner, verkuppelt mit einem kurzen Schaltgetriebe, und das alles in einem knapp 19 Zentner leichten Auto. Das, Freunde, genau das ist doch die Idee, um die es beim GTI, einem Hot Hatch, geht. Nicht um verstellbare Sitzwagen, Dämpfer oder Ambientebeleuchtungen. Nicht um 300 PS, die dir die Traktionskontrolle zurechtregelt. Nicht um ein ESP, das dich im Driftmodus auffängt wie ein Sonntagnachmittags-Spielplatzpapa sein Söhnchen unten an der Rutsche.

Hatch me if you can

Peugeot 205 GTI 1.9, ams 0321 Test
Hans-Dieter Seufert
Der GTI schafft bei seinen Fahrern neue Sensibilität für die Wirkung von Streckenrandbegrünung und Ackerflächen.

Nein, bei einem GTI geht es um Leistung – und zwar um die richtige. Die perfekte Leistung für einen GTI ist jene, mit der du gerade noch ganz alleine zurechtkommst. Daher liegt sie eben nie bei 250, 300, gar 400 PS, sondern bei: 120. Mit denen startet der 205 GTI zur Beschleunigungsmessung. Erster Gang, drei, vier kurze Gasstöße zum Eingrooven, Kupplung schnappt, und der GTI raspelt los, durchquirlt den ersten Gang. Zweiter, wieder hoch auf sechseins, dritter. Nach 8,8 Sekunden fegt die Tachonadel über die 100er-Marke, nach 25,3 hat der GTI ein Tempo drauf, das bei 160 km/h liegt und sich auch exakt so rasant anfühlt. Denn er lässt dich die Geschwindigkeit fühlen, die Kraft und Vehemenz jedes einzelnen km/h.

Und das nicht nur beim Beschleunigen, sondern erst recht bei der Fahrdynamik. So schmal, so übersichtlich lässt er sich mit der gar nicht mal so direkt (22,0 : 1) übersetzten, aber enorm präzisen und spitz ansprechenden Lenkung zentimetergenau an den Pylonen entlangschlenzen. Er grippt sich mit den Vorderrädern in der Linie fest, die Hinterräder hechten hinterher – aber um Himmels willen, bleib auf dem Gas. Denn auf Lastwechsel zickt der GTI mit dem Heck mit einer draufgängerischen Konsequenz aus, die sich heute nicht mal mehr die kratzbürstigsten Mittelmotor-Sportwagen trauen.

Obwohl sich das wahnwitzig schnell anfühlt, ereignet es sich doch im Slalom bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 59 km/h – exakt das Tempo, mit dem das dauerregelnde ESP einen aktuellen Renault Twingo durch den Slalom rollatoren lässt. Was nur wieder beweist: Tempo ist eine Frage der Inszenierung. Und da bleibt der 205 GTI unerreicht.

Er beißt und legt sich gleichzeitig in die Kurve, hebt das kurveninnere Hinterrad, schubbert kurz ins Untersteuern, zackt aber gleich mit dem Heck, wenn du auch nur den großen Zeh vom Gas hebst. Jetzt du: In großer Geste gegenlenken und die eigene Heldenhaftigkeit im Bereich der Fahrzeugbeherrschung bewundern – zumindest bis der Funk knarzt und Hans-Dieter lacht, ob es nicht etwas schneller gehe. Er müsse sonst an seiner Kamera noch weiter hoch mit den Belichtungszeiten, damit es ordentlich wische auf den Fotos. Na, warte, Bürschchen, we wisch you what!

Bis neun toben wir über die Strecke. Dann sind die echten Rennwagen dran, pilotiert von Herren, den mittleren Jahren entwachsen und der Entdeckung als verkanntes Talent länger schon unverdächtig. Dennoch gehen sie die Fahrt auf dem Kurs mit einer Dringlichkeit an, die erwarten lässt, dass sie Fahrvergnügen als ernste Angelegenheit verstehen. Wir messen davor noch den Bremsweg – auch da ziemlich bissig, der GTI –, parken dann an unserem Stammplatz hinter der Tribüne und nehmen die Maße von Innenraum und Wendekreis.

Danach geht es heim über die bekannten Straßen. Doch du magst eine Strecke schon hundert Mal gefahren sein, unterschätze nie ihre Möglichkeiten. Und die des 205 GTI, der aus der Gewohnheit ein Erlebnis macht. Jede Gerade scheint sich eilfertiger der nächsten Kurve entgegenzustürzen, jede Kurve tollkühner und verschlungener durch die Landschaft zu hangeln. Anbremsen, zurückschalten mit Zwischengas-Tusch, einlenken mit Gas, dann der kurze Lastwechselkick, gegenlenken, wieder aufs Gas und hinaus auf die nächste Gerade.

Dass sich das Fahren so leichtfertig, raufboldig und frei anfühlte, war in einer anderen Zeit. Aber: Es fühlt sich jetzt wie derselbe Moment an. Das ist der Zauber des 205 GTI: Du fährst ihn, als gäbe es kein Gestern.

Vor- und Nachteile

Karosserie
  • Weltklasse-Design, mit Spoilern, Schwellern, Rädern auf saloppe Halbstärke getakelt; grandiose Rundumsicht; knautschige Ledersessel vorn und ein Fond, geräumig genug, um später glaubhaft Legenden der Leidenschaft verbreiten zu können; weltschönste Instrumente; roter Teppich, Freunde, roter Teppich! Man fasst es nicht.
Fahrkomfort
  • Wo sonst könntest du dich wieder wie 18 und damit je wohler fühlen als im GTI?
Antrieb
  • Grandioser, brillanter, überragender, famoser, epischer, prachtvoller, fulminanter, glorioser … – noch was vergessen? Ach ja – … meisterhafter, phänomenaler Mega-Motor; und dann das Getriebe!
Fahreigenschaften
  • Mist, wir haben alle passenden Adjektive beim Antrieb verprasst. Also die schönsten davon fürs Handling wiederholen. Und: Wer nicht weiß, wie’s geht, lernt schnell, wie’s nicht geht.
Sicherheit
  • Filigrane Bauweise des 205 lässt selbst die verwegensten Piloten ihrer eigenen Verletzlichkeit gewahr werden; beherzte Bremsen.
Umwelt
  • Kurvendynamik des GTI schafft bei seinen Fahrern neue Sensibilität für die Wirkung von Streckenrandbegrünung und Ackerflächen.
Kosten …
  • … wir doch einfach jeden Augenblick im GTI aus.

Fazit

Wir haben ja nur fünf Sterne. Einen bekommt der GTI für den wütenden Motor, zwei fürs Handling mit raufboldigen Lastwechseln, einen für die Unbekümmertheit in Stil und Auftritt, einen mit Leichtigkeit.

Technische Daten

Peugeot 205 GTI
Grundpreis 15.666 €
Außenmaße 3705 x 1572 x 1355 mm
Kofferraumvolumen 290 bis 585 l
Hubraum / Motor 1905 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 88 kW / 120 PS bei 6000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 202 km/h
0-100 km/h 8,8 s
Verbrauch 9,6 l/100 km
Testverbrauch 9,6 l/100 km
Alle technischen Daten anzeigen
Peugeot 205
Artikel 0 Tests 0 Generationen 0 Videos 0
Alles über Peugeot 205