Range Rover Evoque 2.2 SD4 im Test

Aufsehen erregendes SUV-Coupé

Range Rover Evoque 2.2 SD4 Dynamic Foto: Hans-Dieter Seufert 29 Bilder

Mit dem Range Rover Evoque 2.2 SD4 Dynamic probt der britische Hersteller einen neuen, coolen Stil. Wie‘s funktioniert? Prächtig! Während das Coupé unseren Test durchläuft, drehen sich viele Köpfe nach ihm um – wenn einer auffällt, dann der Evoque.

Als der elegant gekleidete Herr vom Fahrrad springt, sein Handy zückt und hineinschreit, könnte man meinen, er sei empört. Irgendwie verstört. Vielleicht unterzuckert? Nichts von alledem. Der Mann im besten Alter hüpft um den in Buckingham Blue lackierten Range Rover Evoque und spricht: „Hab ihn gerade entdeckt. Ja! Als Zweitürer. Der steht super da.“ Dann beendet er sein Telefonat, zieht seine Krawatte straff und radelt glücklich weiter.

Kompletten Artikel kaufen
Einzeltest Range Rover Evoque Driving Range
Sie erhalten den kompletten Artikel (inkl. PDF, 4 Seiten)
1,99 €
Jetzt kaufen

Begegnungen dieser Art zieht der Range Rover Evoque magisch an. Range Rovers jüngster Spross rollt dieser Tage zu den Kunden, die sich zurecht freuen dürfen. Schließlich empfangen sie ein automobiles Kunstwerk – eines, das nicht nur mit ein paar netten Details glänzt, sondern in seiner Gesamtheit unverwechselbar cool, elegant und sportlich ist.

Design des Range Rover Evoque überzeugt

Wahrscheinlich lässt der Range Rover Evoque 2 die Geschmacksnerven deshalb so stark vibrieren, weil ein gelungener Mix aus keilförmiger Coupélinie und Offroadplattform (Basis Freelander) schwer vorstellbar war. Wer den kleinsten Range Rover jedoch live erlebt, weiß, dass diese Kombination ein Volltreffer ist. Vor allem die getestete Coupéversion Range Rover Evoque 2.2 SD4 Dynamic (1.000 Euro teurer als der Viertürer) passt auf wunderbare Weise nicht in die Schublade der gängigen, kompakten SUV (Audi Q3, BMW X 1, VW Tiguan). Und ganz wichtig: Sie kommt nicht gewollt daher, sondern wirkt ad hoc überzeugend.

Lob gebührt Range Rover für die konsequente, mutige Umsetzung beim Evoque. Während anderswo zwei Sicken den Charakter prägen müssen, überzeugt der Range Rover Evoque auch in Details wie dem Tagfahrlicht der Scheinwerfer, das mit vielen kleinen LED-Strichen an ein funkelndes Augenpaar mit Lidstrich erinnert. Oder die Umfeldbeleuchtung unter den Spiegeln, in der – Überraschung – die Silhouette das Wagens erscheint.

Die Erlebnisreise geht hinter den beiden Türen weiter: Statt in einem engen Innenraum findet man sich in einer breiten Lounge wieder, statt unterschäumter Kunststoffe ertasten die Finger am Armaturenbrett des Range Rover Evoque einen Mix aus weichen Stoffbahnen und strukturiertem Aluminium (Serie). Die Drehregler auf der schräg im Raum stehenden Mittelkonsole sind ebenso griffig wie das Lederlenkrad, das allerdings einen Tick kleiner sein sollte.

Range Rover Evoque Cabrio
Ausfahrt mit dem Oben-ohne-SUV

Evoque ist unübersichtlich

Dass die schartenartigen hinteren Fenster wenig Rundumsicht bieten, ist keine Überraschung – in der Praxis störte das erstaunlicherweise weniger als die ungünstige Kuschelbeziehung zwischen großen Außenspiegeln und breiten A-Säulen des Range Rover Evoque. Bei jedem Abbiegen entsteht das ungute Gefühl, dahinter verstecke sich eine Gruppe Radfahrer. Hat man genug Geld übrig, erleichtert eine Heckkamera das Rangieren (im Technikpaket für 3.800 Euro). Beim Ausscheren überwachen für 400 Euro Totwinkel-Warner, die mit einer LED im jeweiligen Außenspiegel Alarm schlagen, den rückwärtigen Verkehr.

Eine Kaufwarnung verdient die neueste Version des Touchscreen-Navigationssystems (ab 2.150 Euro), das sich zwar äußerst gekonnt in die Mittelkonsole integriert, mit seiner umständlichen Bedienung jedoch wahnsinnig macht.

Reichlich Fahrdynamik steckt im Range Rover Evoque

Zum Besänftigen empfehlen sich kurvige Landstraßen, über die der Range Rover Evoque 2.2 SD4 Dynamic ganz nach Wunsch völlig entspannt gleitet oder sportlich huschen kann. Seinen Technikern ist es gelungen, dem wunderbar satten und herrschaftlichen Range Rover-Gefühl eine starke Prise Dynamik zu verpassen. Diese erlebt man am besten im Fahrmodus Dynamik des bewährten 4x4-Programms Terrain Response, welches auf Knopfdruck verschiedene Offroad-Fahrmodi bereitstellt. Sobald die Ziffern im Cockpit nicht mehr weiß, sondern rot leuchten, reagiert der Range Rover Evoque 2.2 SD4 Dynamic schneller und direkter auf Kurswechsel und drückt in Kehren leicht mit dem Heck nach außen. Besser kann das momentan kein kompakter SUV.

Gewicht drückt auf den Verbrauch

Wo die Konkurrenz Vorteile hat? Beim Verbrauch. Das Coupé Range Rover Evoque 2.2 SD4 Dynamic tritt mit der starken der beiden 2,2-Liter-Dieselversionen (150/190 PS) an, die ihre 420 Newtonmeter Drehmoment wie eine lange Welle auf beide Achsen spült. Da der Wagen allerdings über 1,8 Tonnen auf die Waage bringt (rund zwei Zentner mehr als ein vergleichbarer VW Tiguan), vergehen 9,5 Sekunden bis 100 km/h.

An der Tankstelle zeigt sich, dass trotz serienmäßiger Start-Stopp-Automatik das optimistische Verbrauchsziel von 5,7 L/100 km nicht zu halten ist. Über den gesamten Test verlangt der Range Rover Evoque 2.2 SD4 Dynamic  nach 8,9 Litern – auf der zurückhaltend gefahrenen Verbrauchsrunde (Mix aus Stadt/Land/Autobahn) waren es 6,4 L/100 km; der VW Tiguan 2.0 TDI 4Motion braucht rund einen Liter weniger. Nach dessen Vorbild bietet Range Rover den Evoque etwas später auch nur mit Frontantrieb an. Startpreis: 33.100 Euro – inklusive 150 PS starkem Diesel, Zwei-Zonen-Klimaanlage, Teilleder, hinteren Parkpiepsern und Start-Stopp-Automatik. So freundlich sich dieses Basismodell anhört, so heftig schmerzt die Aufpreispolitik zur nächstbesseren Version Dynamic: 8.200 Euro für Details wie sportlich anmutende Anbauteile, Lederpolster, 19-Zoll-Aluräder, Xenonlicht und eine Soundanlage? Zu viel!

Range Rover Evoque im Fahrbericht
Charakter-SUV am Nerv der Zeit

Das getestete Coupé Range Rover Evoque 2.2 SD4 Dynamic wird gerade wieder bestaunt. Eine junge Dame stoppt ihren Mini, wirft einen Blick ins Cockpit und will wissen, was der „kleine Flitzer“ kostet. Die 46.900 Euro für die Dynamic-Version versetzen ihr keinen Schrecken. Interessiert mustert sie das weiß lackierte Dach: „Für den würd‘ ich sogar meinen Mini hergeben.“ Volltreffer.

Der Range Rover Evoque steuert in eine ebenso große Nische, wie sie BMW mit dem Mini ab 2001 vorfand. Dank seiner Zutaten hat der kleine Range Rover gute Chancen, ähnlich erfolgreich zu sein. Und trotz seiner happigen Aufpreise verabschiedet er sich mit dem Gefühl: Ohne ihn würde etwas fehlen.

Vor- und Nachteile

Karosserie
  • Ordentliches Raumangebot für vier Erwachsene
  • gute Materialqualität
  • anständige Verarbeitung
  • ausreichend großer Kofferraum
  • Hinten wenig Kopffreiheit
  • unübersichtilche Karosserieform
  • mühsamer Einstieg nach hinten
Fahrkomfort
  • Insgesamt guter Federungskomfort
  • vorn hoher Sitzkomfort
  • geringe Geräuschentwicklung bei Autobahntempo
  • Eingeschränkter Komfort auf Querfugen (20-Zöller)
Antrieb
  • Durchzugsstarker Diesel
  • Hakliges Schaltgetriebe
Fahreigenschaften
  • Hohe Fahrsicherheit
  • agiles Handling
  • exakte Lenkung
  • sicher abgestimmtes ESP
  • Spürbare Seitenneigung in Kurven
Sicherheit
  • Wirksame Bremsen
  • Totwinkel-Warner lieferbar
  • Kein City-Safety
Umwelt
  • Hohes Leergewicht
  • durstiger Motor
  • kein Umweltzertifikat
Kosten
  • 3 Jahre Garantie
  • jährliche Wartungsintervalle
  • hohe Versicherungseinstufung
  • teure Ausstattungspolitik

Fazit

Der Range Rover Evoque 2.2 SD4 ist die sportlich frische Alternative in der kompakten SUV-Clique. Er ist sehr markant, detailverliebt, gut verarbeitet und dynamisch zu fahren. Das Gewicht und der Verbrauch des Wagens sind allerdings zu hoch.

Technische Daten
Range Rover Evoque Coupé 2.2 SD4 Dynamic
Grundpreis 47.670 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4355 x 1900 x 1605 mm
KofferraumvolumenVDA 420 bis 1350 l
Hubraum / Motor 2179 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 140 kW / 190 PS bei 3500 U/min
Höchstgeschwindigkeit 185 km/h
0-100 km/h 9,5 s
Verbrauch 5,7 l/100 km
Testverbrauch 8,9 l/100 km
Alle technischen Daten anzeigen
Noch nicht registriert?

Erstellen Sie jetzt Ihr kostenloses Profil und profitieren Sie als registrierter Nutzer von folgenden Vorteilen:

  • Exklusiver Zugriff auf alle Test- und Messdaten der Redaktion
  • 360°-Ansichten von Autos
  • Schneller PDF-Kauf
Kostenlos anmelden
Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
Top Aktuell Racechip Hyundai i30 N - Tuning - Kompaktsportwagen Racechip-Hyundai i30 N im Test 320 Tuning-PS im Kompakten
Beliebte Artikel Range Rover Evoque 2.0 Si4, Frontansicht, Kühlergrill Test Range Rover Evoque Erste Ausfahrt mit dem Baby-Range MTM-AUDI R8 V10 PLUS 802 SUPERCHARGED, Exterieur MTM-Audi R8 V10 Plus 802 im Test Am Limit des Machbaren
Gebrauchtwagen Angebote
Anzeige
Sportwagen Mansory Lamborgini Aventador S Mansory tunt Aventador S Carbon so weit das Auge reicht Speed Buster BMW M5 BMW 5er-Tuning Bis zu 747 PS im M5 sind möglich
Allrad 11/2018, DAMD Suzuki Jimny Little G Suzuki Jimny Tuning G-Klasse-Look für den Japan-Offroader Jeep Gladiator JT Pickup Jeep Wrangler Gladiator (2019) Erste Bilder durchgesickert
Oldtimer & Youngtimer Mercedes 280 SE 3.5 Cabriolet W111 (1970) Wiesenthal Mercedes-Auktion Wiesenthal Familiensammlung unterm Hammer Porsche Carrera GT Werksrestaurierung Porsche Classic Carrera GT 13 Jahre alt, aber jetzt fabrikneu
Promobil CMT Impressionen (2018) Wohnmobil-Zulassungszahlen 2018 weiter auf Rekordkurs Dreamer Camper Van XL (2019) Dreamer Campingbusse 2019 Camper Van XL, Cap Land & Co.
CARAVANING Tabbert Vivaldi 550 E Tabbert Vivaldi im Supertest Neues, modernes Design für 2019 Bleder Insel Caravan-Tour Slowenien Schöne Städte und Landschaften