In Großbritannien ist der Ford Transit allgegenwärtig. Das hat natürlich auch mit ihrer hohen Alltagstauglichkeit zu tun, doch manchen Briten wird der herkömmliche Dieselantrieb zu langweilig oder zu anfällig für Probleme – Stichwort Zahnriemen im Ölbad. So sieht das auch Adam Fletcher, Inhaber von WPD Customs aus North Yorkshire. Sein Unternehmen baut Einzelanfertigungen und so beschließt er, dem Transit Mk8 einen kräftigen Antrieb einzusetzen.
Die Ausgangsfrage ist dabei denkbar simpel: Was ist zuverlässig, hat ordentlich Leistung und ist dabei einfach verdammt cool? Die Antwort: der 3,0-Liter-Reihensechszylinder-Diesel M57 aus dem Hause BMW. Die Idee, das Ganze anders zu denken, ist nicht neu. Gerade im 4x4-Bereich werden BMW-M57-Diesel schon länger für Umbauten genutzt. Aber warum nicht das gleiche Prinzip auf den Transit anwenden?
Warum ausgerechnet der BMW-Motor?
Als Basis dienen sowohl der Ford Transit MK7 als auch der neuere MK8. Der MK7 bringt mit seinen 2,2- und 2,4-Liter-TDCi-Motoren sowie dem optionalen 3,2-Liter-Fünfzylinder eine solide Grundlage mit – langlebig, aber eben kein Leistungswunder. Der MK8 ist mit dem 2,0-Liter-EcoBlue-Diesel effizient und sauber, dafür technisch komplexer. Außerdem läuft der Zahnriemen im Ölbad und das ist, wie wir bereits wissen, keine gelungene Kombination.
Daher entschied sich Fletcher als Alternative für drei Liter Hubraum und sechs Zylinder. Konkret nutzt er den M57D30TÜ-Motor mit 218 PS, 500 Nm Drehmoment und Grauguss-Block ein. Original setzte BMW diesen Motor in den Baureihen E60 und X5 Mitte der 2000er-Jahre ein. "Die späteren Aluminium-Motoren sind gut, fallen aber immer wieder durch Probleme mit der Steuerkette auf”, so Fletcher.
Der Umbau selbst ist alles andere als Plug-and-Play.
Zunächst fliegt der originale Transit-Motor komplett raus. Der Motorraum wird so vorbereitet, dass der längere Reihensechszylinder sauber Platz findet – und das funktioniert sowohl beim MK7 als auch beim MK8.
Beim Thema Getriebe gibt es zwei Wege. Wer es klassisch mag, behält das originale 6-Gang-Schaltgetriebe des Transit. Damit das mit dem BMW-Motor zusammenarbeitet, braucht es eine speziell entwickelte Adapterplatte sowie eine angepasste Schwungrad- und Kupplungskombination.
Alternativ geht auch Automatik, dann nutzt Fletcher die ZF-Getriebe 6HP oder 8HP. In diesem Fall sind zusätzliche Anpassungen notwendig: eigene Getriebehalter, eine maßgefertigte Kardanwelle, alles exakt aufeinander abgestimmt.
Auch die Einbindung des Motors ins Fahrzeug erfordert Maßarbeit. Speziell gefertigte Motorlager sorgen dafür, dass der M57 sauber im Transit sitzt. Komplex wird es bei der Elektronik. Hier kommt ein Standalone-Kabelbaum zum Einsatz, kombiniert mit einer entsprechend programmierten BMW-Motorsteuerung. Am Ende leistet der Transporter mit Turboaufladung zwischen 300 und 400 PS. Die Preise beginnen bei 5.500 Pfund, was umgerechnet 6.310 Euro entspricht. Bei einem vollausgestattetem Fahrzeug mit Edelstahlauspuffanlage, vielen Extras und 300 PS liegt der Preis zwischen 9.000 und 10.000 Pfund, was 10.320 bis 11.470 Euro entspricht.
Grundlegend bleibt der Transit das, was er sein soll: ein Nutzfahrzeug. Die Fahrleistungen steigen deutlich, die Durchzugskraft ebenso. Gleichzeitig bleibt der Van im Alltag voll einsetzbar, egal ob als Arbeitsfahrzeug oder für längere Reisen.
Im Video sehen Sie einen Ford Transit mit einem V8-Motor vom Ford GT40.
