Bauschäden durch Streusalz: Gefahr für Parkhäuser und Tiefgaragen

Bauschäden durch Streusalz
Gefahr für Parkhäuser und Tiefgaragen

ArtikeldatumVeröffentlicht am 14.01.2026
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Salzfraß Salzkorrosion Parkhaus
Foto: Claudius Maintz
Überall bröseln die Parkhäuser. Viele sind wegen Baufälligkeit gesperrt. Wie schlimm ist die Situation wirklich?

Aufgrund des Einsatzes von Tausalzen auf Straßen und Wegen werden diese durch die Autos in die Parkhäuser gefahren. Sind Stahlbetonbauteile der Parkhäuser nicht gegen das Eindringen von Salzen geschützt, kann gefährliche chloridinduzierte Korrosion der Bewehrung entstehen. Die sogenannte Lochfraßkorrosion entsteht im Inneren der Bauteile. Diese ist von außen an ungerissenen Bauteilen nicht sichtbar. Statisch relevante Bewehrung kann somit unter Umständen nicht mehr zur Verfügung stehen. Das ist sehr gefährlich. Inwieweit diese Situation auf viele Parkhäuser zutrifft, ist nicht abschätzbar.

Wurde bisher nie auf die Gefahr reagiert?

Doch. Seit 2001 wurde gesetzlich geregelt, dass Expositionen auf Bauteile explizit planerisch zu beachten sind. Tausalzangriff ist seitdem im Neubau als Lastfall mitanzunehmen und zu beachten. Parkbauten vor dieser Zeit sind nur teilweise geschützt. Somit kann von einem enormen Schadenspotenzial gesprochen werden.

Wie hoch schätzen Sie das Risiko für Personen oder geparkte Autos ein, in maroden Garagen zu Schaden zu kommen?

Das Risiko kann unter Umständen recht hoch sein. Dazu kommt, dass Parkbauten häufig Bestandteil der Konstruktion mit darüberliegenden Wohn- und Geschäftsgebäuden sind. Somit steigt das Risiko für Gesamtstrukturen, da die anfallenden Lasten über Wände, Stützen und Fundamente der Parkbauten abgetragen werden müssen. Sind diese durch Korrosion angegriffen und ist die Standsicherheit geschwächt, besteht die Möglichkeit, dass Bauwerke insgesamt einsturzgefährdet sein können.

In der Regel greift Streusalz die Stahlarmierung an. Gibt es alternative Baustoffe oder -verfahren, die das verhindern können?

Die Stahlarmierung oder Bewehrung kann durch andere Materialien ersetzt werden. Alternativ ist verzinkte Stahlbewehrung nutzbar, diese ist robuster gegenüber korrosiven Medien. Ebenso gibt es Forschungsansätze, Stahlbewehrung aus natürlichen Materialien wie Basalt herzustellen oder auch durch Glasfaserbewehrung zu ersetzen.

Was muss sich politisch ändern, damit schneller saniert werden kann?

Ähnlich wie bei der Hauptuntersuchung für Autos und Bußgeldern für die Inverkehrsetzung von Fahrzeugen ohne gültige Plakette ist es wichtig, auch den Zustand von Gebäuden rechtsverbindlich zu prüfen. Die Überprüfung von Gebäudestrukturen ist in Deutschland bereits Stand der Technik. Leider existieren noch keine rechtlichen Voraussetzungen, um bei nicht geprüften Strukturen Eigentümer zur Rechenschaft zu ziehen oder Bußgelder zu verhängen.

Muss immer erst etwas passieren?

Leider sind Schadensfälle immer Ereignisse, die Dinge forcieren. Vor 20 Jahren stürzte die Eissporthalle in Bad Reichenhall ein, und Personen kamen zu Tode. Seitdem wurde die Überprüfung der Standsicherheit von Hochbauten durch die Richtlinie VDI 6200 eingeführt. Vielleicht führt der nächste Schadensfall dazu, dass Bußgelder bei Nichtprüfung verhängt werden dürfen.

 Andrei Walther
Andrea Hansen

Prof. Dr.-Ing. Andrei Walther ist Teamleiter bei der Kiwa GmbH und Mitglied der Landesgütegemeinschaft Berlin und Brandenburg sowie Teil des Netzwerks der Bundesgütegemeinschaft Instandsetzung von Betonbauwerken e. V. (BGIB).

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