Blaue Reflektoren: Was Studien wirklich sagen

Blaue Reflektoren und ihre umstrittene Wirkung
Wirkungslos? Blaue Reflektoren im Faktencheck

ArtikeldatumVeröffentlicht am 22.01.2026
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Leitpfosten blauer Reflektor
Foto: Wittich

Blaue Reflektoren sind an Leitpfosten entlang von Straßen angebracht, insbesondere in Gebieten mit häufigem Wildwechsel. Sie reflektieren das Licht von Fahrzeugscheinwerfern und erzeugen ein flackerndes Lichtband, das Tiere irritieren und davon abhalten soll, die Straße zu überqueren. Diese Methode ist passiv, benötigt keine Stromquelle und ist vergleichsweise kostengünstig. Während einige Studien von einer deutlichen Reduktion der Unfallzahlen berichten, ziehen andere die Wirksamkeit der blauen Reflektoren in Zweifel.

Eine Langzeitstudie des ADAC und des Deutschen Jagdverbands (DJV) zeigt, dass die Zahl der Wildunfälle auf Teststrecken mit blauen Reflektoren um bis zu 80 Prozent gesenkt werden konnte. Diese Ergebnisse wurden jedoch nicht überall bestätigt. Die Studie betonte, dass der Effekt stark von Faktoren wie Gelände, Vegetation und der Art des Wildes abhängt.

Kritische Stimmen und widersprüchliche Ergebnisse

Eine Untersuchung der Universitäten Göttingen und Zürich aus dem Jahr 2018 analysierte über 10.000 Stunden Videomaterial an 150 Straßenabschnitten. Die Forscher kamen zu dem Schluss, dass die Reflektoren keinen signifikanten Einfluss auf das Verhalten der Tiere hatten. Ähnlich kritisch äußerte sich die Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) im Jahr 2019. Laut ihrer Analyse ist der seitlich abgestrahlte Lichtstrom eines Reflektors geringer als der einer Kerze, was die Wirksamkeit infrage stellt.

In einigen Regionen werden inzwischen modernere Systeme getestet, die optische und akustische Signale kombinieren. Diese Systeme werden nur aktiviert, wenn sich ein Fahrzeug nähert, und sollen Tiere gezielter warnen. Der ADAC sieht in solchen Technologien ein höheres Potenzial zur Vermeidung von Wildunfällen als in passiven Reflektoren.

Fazit