BYD profitiert von Förderung und überholt VW: Chinas Plug-in-Hybride im Aufwind

Meistverkaufter Plug-in-Hybrid kommt aus China
BYD profitiert von PHEV-Förderung und überholt VW

ArtikeldatumVeröffentlicht am 26.01.2026
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Bei der Vorstellung der neuen staatlichen Förderung für Privatkäufer von Elektroautos und Plug-in-Hybriden sprach Bundesumweltminister Carsten Schneider davon, die heimische Auto- und Zulieferer-Industrie unterstützen zu wollen. Chinesische Hersteller würden davon nicht profitieren. Im zweiten Punkt müssen wir widersprechen. Denn der meistverkaufte Plug-in-Hybrid in Europa stammt vom chinesischen Autoriesen BYD: der BYD Seal U.

Plug-in-Hybride als Türöffner

Das "Handelsblatt" hat jüngst Daten des Marktforschers Dataforce ausgewertet. Demnach wuchsen chinesische Marken 2025 deutlich schneller als der europäische Gesamtmarkt. Während die Neuzulassungen insgesamt nur leicht zulegten, verdoppelten Hersteller aus China ihre Verkäufe nahezu.

Treiber dieser Entwicklung wären Plug-in-Hybride (PHEV). In diesem Segment steigerten chinesische Anbieter ihre Zulassungen 2025 um mehr als 600 Prozent. Mit rund 72.800 Neuzulassungen war der BYD Seal U der meistverkaufte Plug-in-Hybrid Europas und verdrängte erstmals den VW Tiguan von der Spitze. Die Zahlen umfassen alle EU-Staaten sowie Großbritannien, Norwegen, Island und die Schweiz.

Zollregeln lenken Modellstrategien

Der Aufstieg der Plug-in-Hybride ist eng mit der EU-Handelspolitik verknüpft. Seit Oktober 2024 erhebt Brüssel auf in China produzierte Elektroautos Ausgleichszölle von bis zu 45 Prozent. Plug-in-Hybride sind davon ausgenommen und unterliegen lediglich dem regulären Basiszoll von zehn Prozent. Chinesische Hersteller wie BYD, MG oder Chery hätten ihre europäischen Produktstrategien längst an diese Lücke angepasst.

Das Ergebnis: Während der gesamte europäische Plug-in-Markt 2025 um rund 33 Prozent wuchs, legten chinesische Fabrikate um 645 Prozent zu. Ihr Marktanteil stieg innerhalb eines Jahres von rund drei auf etwa 14 Prozent. Besonders stark fiel das Wachstum in Großbritannien, Spanien und Italien aus. Auch in Deutschland wuchs der Anteil chinesischer Marken, allerdings mit rund zwei Prozent noch vergleichsweise wenig.

Verstärkt der Förderrahmen den Trend?

Ab 2026 könnte sich allerdings ein Aufwärtstrend ergeben. Denn die Bundesregierung hat ein neues, sozial gestaffeltes Förderprogramm eingeführt, das erstmals seit dem Auslaufen der Umweltprämie wieder ausdrücklich auch Plug-in-Hybride einschließt. Förderfähig sind Neufahrzeuge, die entweder weniger als 60 Gramm CO₂ pro Kilometer ausstoßen oder mindestens 80 Kilometer rein elektrisch fahren können.

SPD-Politiker Schneider betont, dass mit der Förderung vor allem "moderne, effiziente Fahrzeuge" unterstützt werden sollen. Chinesische Marken würden davon nicht profitieren, so die politische Lesart. Ein Blick auf die förderfähigen Modelle zeichnet jedoch ein anderes Bild (siehe Fotoshow über dem Artikel).

Auch andere chinesische Anbieter

Mit dem BYD Seal U, dem GWM WEY 05, Modellen von Lynk & Co, Leapmotor oder Geely-Tochtermarken stehen zahlreiche chinesische Plug-in-Hybride auf der Förderliste. Viele von ihnen erfüllen die neuen Kriterien mühelos – teils mit elektrischen Reichweiten von deutlich über 100 Kilometern. Damit profitieren sie faktisch sowohl von der deutschen Kaufprämie als auch weiterhin von den niedrigeren EU-Zöllen für Plug-in-Hybride.

Die politische Aussage, chinesische Hersteller gingen leer aus, hält der Marktrealität damit nicht stand. Zumal BYD und andere Anbieter ihre Fahrzeuge preislich aggressiv positionieren: Der Seal U startet in Deutschland bei rund 43.000 Euro – deutlich unter vergleichbaren Modellen deutscher Hersteller. Und Plug-in-Hybride dürften in naher Zukunft für viele Käufer und Flottenkunden wieder interessanter werden. Schließlich hat die EU ihre CO₂-Verkehrsziele deutlich gelockert.

Fazit