Deutsche Autobahnschilder: Warum sind die eigentlich blau?

Deutsche Autobahnschilder
Warum sind die eigentlich blau?

ArtikeldatumVeröffentlicht am 06.01.2026
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Mercedes C-Klasse T-Modell auf der Autobahn A2 Richtung Berlin
Foto: artas via Getty Images

Doch die Entscheidung für Blau ist alles andere als Zufall – sie hat ihren Ursprung in den 1930er-Jahren und steckt voller Überlegungen zu Sichtbarkeit, Wahrnehmung und Einheitlichkeit.

Ursprung in der Zeit der Reichsautobahnen

Als in Deutschland die ersten Autobahnen gebaut wurden, stand auch die Frage im Raum, wie die neuen Schnellstraßen ausgeschildert werden sollten. 1938 legte der damalige Generalinspekteur für das Straßenwesen, Fritz Todt, fest, dass die Schilder für die Reichsautobahnen blau sein sollten – mit weißer Schrift und klaren Kanten. Die Farbe wirkte modern, hob sich von den gelben Landstraßenschildern ab und war gut zu erkennen.

Nach dem Krieg blieb dieses System bestehen. In der Bundesrepublik wurde es in den 1970er-Jahren leicht verändert: Das tiefere Ultramarinblau wich einem helleren Ton, der besser reflektierte und bei allen Lichtverhältnissen gut sichtbar blieb. Seither ist RAL 5017 Verkehrsblau die offizielle Autobahnfarbe.

Einheit durch klare Regeln

Diese Festlegung geht auf das Wiener Übereinkommen über Straßenverkehrszeichen von 1968 zurück, das Blau oder Grün als einzige zulässige Hintergrundfarben für Autobahnen vorsieht. Deutschland hat sich – ebenso wie Frankreich, Belgien und Österreich – für Blau entschieden und diese Vorgabe in nationales Recht übernommen.

Die Farbwahl ist heute in mehreren Regelwerken verbindlich festgelegt. Die Straßenverkehrs-Ordnung (StVO) und der Verkehrszeichenkatalog definieren das Autobahnschild mit blauem Grund und weißer Schrift als offizielles Richtzeichen. Ergänzend regeln die "Richtlinien für die wegweisende Beschilderung auf Autobahnen" (RWBA) technische Details wie Schriftart, Reflexionsklassen und Farbtoleranzen.

Warum Blau besonders gut funktioniert

Die Farbe erfüllt mehrere praktische Anforderungen. Blau bietet in Kombination mit weißer Schrift einen sehr hohen Kontrast und ist bei allen Lichtverhältnissen gut lesbar. Das gilt sowohl bei Tag als auch bei Nacht, wenn die reflektierende Schrift durch Fahrzeugscheinwerfer angestrahlt wird.

Darüber hinaus hat Blau eine beruhigende, neutrale Wirkung. Während Rot und Gelb im Straßenverkehr auf Gefahr oder Vorsicht hinweisen, steht Blau für Information und Orientierung. Diese Unaufdringlichkeit ist entscheidend auf Strecken mit hoher Geschwindigkeit, wo Schilder zwar auffallen, aber keine Alarmwirkung erzeugen sollen. Auch die Farbwirkung in der Umgebung spielte eine Rolle: Blau hebt sich gut von Landschaftsfarben wie Grün und Braun ab und bleibt damit deutlich erkennbar.

Andere Länder, andere Farben

Wer ins Ausland fährt, merkt schnell: Nicht überall ist die Autobahn blau. In Italien und der Schweiz stehen grüne Schilder für die Autostrada beziehungsweise die Autobahn, während blaue Tafeln dort auf normale Straßen hinweisen.

In den USA und Kanada sind Autobahnschilder ebenfalls grün – eine Entscheidung aus den 1950er-Jahren, als Tests zeigten, dass Grün bei Nacht angenehm und gut lesbar ist. Großbritannien wiederum nutzt beide Farben: Blau für Autobahnen, Grün für andere Fernstraßen. In Skandinavien hat sich ebenfalls Grün durchgesetzt.

Fazit