Der Hintergrund ist ein laufender Verkehrsversuch zur Reduzierung von Motorradunfällen, der jetzt verlängert und ausgeweitet wird. In Nordrhein-Westfalen sollen die Markierungen bis zum 31.10.2027 weiter getestet werden. Weitere Strecken kommen hinzu. Grundlage sind aktuelle Auswertungen, die zeigen, dass sich das Fahrverhalten verändert und Unfallzahlen zurückgehen. Die RWTH Aachen begleitet den Versuch wissenschaftlich und wertet das Fahrverhalten anonym aus.
Die weißen Kreise verlaufen entlang der Mittellinie und geben Motorradfahrern eine Orientierung für die Linienwahl. Ziel ist es, ausreichend Abstand zum Gegenverkehr zu halten, vor allem in engen Linkskurven.
Warum die Markierungen vor allem in Linkskurven eingesetzt werden
Kurven zählen zu den häufigsten Unfallorten für Motorradfahrer. Besonders kritisch sind Linkskurven. Wird die Kurve zu eng gefahren, kann der Oberkörper in den Gegenverkehr ragen. Schon kleine Abweichungen können in solchen Situationen zu schweren Kollisionen führen.
Unfallstatistiken zeigen, dass Fahrfehler und nicht angepasste Geschwindigkeit zu den häufigsten Ursachen gehören. In Deutschland kommt es jedes Jahr zu rund 30.000 Unfällen mit Motorradbeteiligung. Mehr als 500 Menschen verlieren dabei ihr Leben. Ein Großteil dieser Unfälle ereignet sich in der Motorradsaison zwischen März und Oktober.

Die weißen Kreise helfen Motorradfahren die richte Linie in Kurven zu erkennen.
Erfahrungen aus Österreich und erste Ergebnisse in Deutschland
Die Idee stammt aus Österreich. Dort wurden bereits 2016 verschiedene Formen von Fahrbahnmarkierungen getestet. Martin Winkelbauer vom Kuratorium für Verkehrssicherheit aus Österreich erklärt, dass es nach der Einführung solcher Markierungen auf Teststrecken keine schweren Unfälle mit Verletzten mehr gegeben habe.
In acht untersuchten Kurven ging die Zahl der Unfälle mit Personenschaden um 42 Prozent zurück. Auch in Deutschland liegen inzwischen Daten aus der Praxis vor. Auf einer Strecke im Kreis Düren zeigte sich, dass Motorradfahrer doppelt so häufig eine sichere Linie wählen. Gleichzeitig sank die Geschwindigkeit in den Kurven. Auf einer Teststrecke in der Eifel fahren inzwischen 85 Prozent der Fahrer im vorgesehenen Bereich.
Nach Angaben des Instituts für Straßenwesen der RWTH Aachen erfolgt die Auswertung unter anderem mit Wärmebildkameras. Dabei werden weder Kennzeichen noch Gesichter erfasst. Ziel ist eine anonymisierte Analyse des Fahrverhaltens.
Ausweitung der Versuche
Aufgrund der bisherigen Ergebnisse wird der Versuch fortgesetzt und auf weitere Strecken übertragen. Unterstützung kommt laut den vorliegenden Informationen auch von der Bundesanstalt für Straßenwesen sowie aus der Landespolitik in Nordrhein-Westfalen.
Die Umsetzung gilt als vergleichsweise einfach. Laut Angaben aus den österreichischen Tests lagen die Kosten für Material und Umsetzung bei rund 1.000 Euro pro Strecke. Damit gehört die Maßnahme zu den kostengünstigen Eingriffen in die Verkehrsinfrastruktur.
Langfristig könnten die Markierungen auf weiteren unfallauffälligen Strecken eingesetzt werden. Eine flächendeckende Einführung ist derzeit noch nicht beschlossen.





