In den letzten Jahren galt das Mega- oder Gigacasting-Verfahren als revolutionäre Neuheit im Automobilbau. Mit diesem neuen Fertigungsverfahren (siehe Video nach dem vierten Absatz) werden im Karosseriebau viele Einzelteile durch ein einziges, großes Aluminium-Gussstück ersetzt. Dieses entsteht in riesigen Pressen, die geschmolzenes Metall unter extrem hohem Druck in die gewünschte Form bringen.
Gigastamping vs. Gigacasting
Nachdem Tesla das Verfahren eingeführt hatte, sprangen immer mehr Hersteller auf den Mega- und Gigacasting-Zug auf, darunter Ford, Toyota, Hyundai, Volvo, Nissan und Honda. Denn die Methode verspricht enorme Kosteneinsparungen in der Fertigung und Logistik.
Doch sie hat auch Nachteile. Denn wenn beispielsweise der gesamte Hinterwagen eines Autos aus nur einem Teil besteht, lassen sich einzelne Teile nicht mehr separat reparieren. Falls es also zu einem Auffahrunfall kommt, muss entweder der gesamte Hinterwagen neu eingebaut und lackiert oder das Auto als Totalschaden abgeschrieben werden.
Doch das hält die Zulieferer der Autoindustrie nicht davon ab, mit anderen Fertigungsverfahren ähnliche Ergebnisse anzustreben. Eines davon heißt "Gigastamping" (frei übersetzt: gigantisches Stempeln"), und entwickelt hat es das spanische Unternehmen Gestamp. Hier werden einzelne Bleche zuerst miteinander verschweißt und in einer Presse anschließend per Warmumformung zu einer einzelnen großen Baugruppe vereint.
So lässt sich beispielsweise ein Unterboden, der sonst aus 18 Einzelteilen besteht, als Einzelteil in den Produktionsprozess eines Autos integrieren. Oder ein bisher aus zehn Einzelteilen gefertigter Stoßfänger besteht künftig aus einem Stück. Oder – analog zum Gigacasting – der komplette Heckbereich eines Autos in nur einem Teil.
Kosten- und Schnelligkeitsvorteile
Gestamp verspricht Vorteile bei Gewicht, CO₂-Ausstoß sowie Crash-Verhalten – und natürlich bei den Kosten. "Bei einer einteiligen Seitenwand lassen sich die Kosten und das Gewicht beispielsweise um durchschnittlich 15 Prozent reduzieren", sagt Ignacio Martin, der Technik- und Innovationschef der spanischen Firma, der "Automobilwoche". Damit sei das Einsparpotenzial jedoch noch nicht erschöpft, denn durch eine geringere Montagezeit lassen sich Gestamp zufolge die Lohnkosten bei den Autoherstellern verringern.
Dabei sei das Gigastamping-Verfahren längst nicht am Ende seines Tempos angekommen. "Künftig werden wir in der Lage sein, die Geschwindigkeit bei der Warmumformung um den Faktor 3 zu erhöhen", ergänzt Martin. Zudem gebe es bei der Größe und Komplexität der Bauteile kaum Limits. Ebenso lassen sich Firmenangaben zufolge Härteverläufe und Materialien sowie deren Dicken auf die Anwendung optimiert anpassen.
Stahl und Aluminium im Gigastamping-Verfahren
Neben Stahl lässt sich im Gigastamping-Verfahren genauso gut Aluminium verarbeiten. Weshalb Gestamp keineswegs auf die genannten Bauteile beschränkt ist. Zu den aktuellen Wachstumstreibern der Spanier sollen unter anderem Batterieboxen für elektrifizierte Autos sowie große Strukturbauteile gehören.





