In einem Beitrag auf der Plattform Truth Social erklärte Trump, die Brücke werde nicht freigegeben, solange die Vereinigten Staaten nicht "vollständig entschädigt" würden und Kanada die USA nicht mit dem aus seiner Sicht gebotenen "Fairness und Respekt" behandle.
Trump will wieder mal einen Deal
Die Brücke verbindet den Südwesten von Detroit mit Windsor in der kanadischen Provinz Ontario und gilt als eines der größten Infrastrukturprojekte an der US-kanadischen Grenze. Nach mehrjährigen Bauarbeiten befindet sich das Projekt in der finalen Phase, die Inbetriebnahme war für den Beginn des Jahres 2026 vorgesehen. Trump begründete seine Drohung mit mehreren wirtschafts- und handelspolitischen Vorwürfen. Unter anderem kritisierte er, dass Ontario US-amerikanische Spirituosen aus den Regalen der staatlichen Alkoholhändler entfernt habe. Zudem sprach er von "inakzeptablen" kanadischen Zöllen auf US-Milchprodukte und warf der Regierung in Ottawa vor, sich wirtschaftlich China zuzuwenden.
In seinem Beitrag schrieb Trump wörtlich, die Vereinigten Staaten sollten "vielleicht zumindest die Hälfte dieses Vermögenswertes besitzen", da die Erlöse aus dem US-Markt "astronomisch" sein würden. Verhandlungen sollten nach seinen Angaben "sofort" beginnen. Wie eine Blockade der Brücke konkret umgesetzt werden könnte, ließ Trump offen.
Finanzierung und Eigentumsverhältnisse
Die Gordie-Howe-International-Brücke wird vollständig von der kanadischen Regierung finanziert. Die Kosten belaufen sich nach offiziellen Angaben auf rund 5,7 Milliarden US-Dollar. Eigentümer sind Kanada und der US-Bundesstaat Michigan. Der Betrieb sowie die Instandhaltung liegen bei der staatlichen Windsor-Detroit Bridge Authority. Die Investitionen Kanadas sollen langfristig über Mauterlöse refinanziert werden.
Trump stellte diese Konstruktion in Zweifel und behauptete, Kanada besitze faktisch beide Seiten der Brücke und habe sie ohne nennenswerten Einsatz von US-Material errichtet. Diese Darstellung wurde von kanadischer Seite zurückgewiesen. Der Bürgermeister von Windsor erklärte gegenüber dem kanadischen Rundfunk, dass beim Bau auf US-Seite Stahl aus den Vereinigten Staaten verwendet worden sei.

Die Gordie-Howe-Brücke steht kurz vor der Eröffnung.
Vertraglich ist festgelegt, dass Stahl und Eisen für das Projekt entweder aus Kanada oder aus den USA stammen müssen und keine Seite bevorzugt werden darf. Grundlage ist ein bilaterales Abkommen aus dem Jahr 2012.
Politischer Widerstand aus Michigan
Aus Michigan kam umgehend deutliche Kritik an Trumps Ankündigung. Die demokratische Senatorin Elissa Slotkin bezeichnete das Vorgehen als schweren Schaden für die Wirtschaft ihres Bundesstaates. Eine Blockade der Brücke würde höhere Kosten für Unternehmen, unsicherere Lieferketten und langfristig den Verlust von Arbeitsplätzen bedeuten. Slotkin erklärte, der Präsident bestrafe die Bevölkerung Michigans für einen von ihm selbst ausgelösten Handelskonflikt.
Auch der zweite Senator des Bundesstaates, Gary Peters, sprach von einer "völlig verkehrten" Entscheidung. Die Wirtschaft Michigans sei eng mit Kanada verflochten, der Korridor Detroit–Windsor gehöre zu den wichtigsten Handelsrouten Nordamerikas. Die neue Brücke werde seit Jahren gefordert, um den Güterverkehr zu entlasten und Lieferketten abzusichern.
Gouverneurin Gretchen Whitmer ließ über ihre Sprecherin mitteilen, das Projekt sei ein Beispiel für parteiübergreifende und internationale Zusammenarbeit. Die Brücke werde eröffnet, und die Regierung Michigans halte an ihrer Unterstützung fest.
Bedeutung für Handel und Industrie
Die Gordie-Howe-Brücke soll den bestehenden Grenzverkehr deutlich entlasten. Derzeit wird der Großteil des Güterverkehrs über die privat betriebene Ambassador Bridge abgewickelt. Der Detroit-Windsor-Tunnel ist für schwere Lkw nicht geeignet und dient überwiegend dem Personenverkehr.
Mit direkter Anbindung an die Interstate 75 und die Interstate 96 auf US-Seite sowie an den Highway 401 in Ontario gilt die neue Brücke als zentrale Infrastruktur für die nordamerikanische Automobilindustrie. Hersteller und Zulieferer aus der Region hatten den Bau über Jahre hinweg unterstützt, um Engpässe und Abhängigkeiten zu reduzieren. Stellungnahmen der großen Autobauer lagen zunächst nicht vor.





