Die CMF-A+-Plattform ist eine Weiterentwicklung der ursprünglichen CMF-A-Architektur, die für A-Segment-Fahrzeuge wie den Renault Kwid entwickelt wurde. Sie wurde speziell für Schwellenländer konzipiert und bietet eine kostengünstige Basis für Fahrzeuge im subkompakten B-Segment. Mit einer Länge von 3,90 bis 4,10 Metern und einem hohen Gleichteileanteil von bis zu 80 Prozent reduziert die Plattform nicht nur die Entwicklungszeit, sondern auch die Produktionskosten erheblich. Technisch setzt die Plattform auf einfache, aber bewährte Lösungen wie MacPherson-Federbeine vorne und eine Verbundlenkerachse hinten. Elektrifizierte Antriebe oder adaptive Fahrwerksysteme, die die Kosten in die Höhe treiben könnten, sind nicht vorgesehen.
Lokale Produktion als Schlüssel
Ein weiterer entscheidender Faktor für die niedrigen Kosten ist die lokale Produktion. Die Fahrzeuge werden im Werk Chennai in Indien gefertigt, einem etablierten Standort für die Automobilproduktion. Die meisten Materialien wie Stahl, Kunststoffe und Glas stammen aus der Region, was die Materialkosten erheblich senkt. Auch die Lohnkosten sind in Indien deutlich niedriger als in Europa, was sich direkt auf die Produktionskosten auswirkt. Während in europäischen Werken Stundenlöhne im zweistelligen Eurobereich üblich sind, liegen sie in Indien bei nur zwei bis drei Euro. Zudem ist der Automatisierungsgrad in indischen Werken geringer, was die Investitionen in Maschinen reduziert.
Technische Einfachheit und Ausstattung
Die technische Einfachheit der CMF-A+-Plattform zeigt sich auch in der Materialwahl. Die Karosseriestruktur besteht aus konventionellen Stählen mit begrenztem Anteil hochfester Güten, teures Aluminium wird kaum eingesetzt. Die elektrische Architektur ist auf Basisfunktionen ausgelegt und verzichtet auf die hohe Integrationsdichte europäischer Plattformen. Dennoch bieten die Fahrzeuge moderne Ausstattungsmerkmale wie Touchscreens, Rückfahrkameras und Sicherheitsfunktionen wie ABS und ESP. Diese Kombination aus Einfachheit und moderner Ausstattung macht die Fahrzeuge für den indischen Markt besonders attraktiv.
Herausforderungen und Grenzen
Trotz ihrer Vorteile hat die CMF-A+-Plattform auch ihre Grenzen. Die Fahrzeuge erfüllen zwar die indischen Crash- und Emissionsvorschriften, könnten jedoch die strengeren europäischen Standards nicht einhalten. Auch die Motorisierung ist auf das Wesentliche reduziert: Ein 1,0-Liter-Dreizylinder-Benzinmotor, wahlweise als Sauger oder Turboversion, sorgt für den Antrieb. Die Leistung reicht für den Stadtverkehr aus, ist jedoch nicht für hohe Geschwindigkeiten oder anspruchsvolle Fahrbedingungen ausgelegt.
Marktstrategie und Zukunftsperspektiven
Die Einführung der CMF-A+-Plattform ist Teil einer umfassenden Strategie der Renault-Nissan-Allianz, den Automobilmarkt in Schwellenländern zu erobern. Mit Modellen wie dem Nissan Gravite, Renault Triber und Nissan Magnite bietet die Allianz eine breite Palette an Fahrzeugen, die speziell auf die Bedürfnisse dieser Märkte zugeschnitten sind. Die Plattform ermöglicht es, Fahrzeuge zu Preisen anzubieten, die für die lokale Bevölkerung erschwinglich sind, und gleichzeitig die Rentabilität zu sichern. In Zukunft könnten ähnliche Plattformen auch in anderen Schwellenländern eingeführt werden, um die Marktpräsenz weiter auszubauen.





