Rohöl-Preis kaum noch Spritpreis-Treiber: 7 Gründe, warum der Spritpreis so hoch ist

Rohöl-Preis kaum noch Spritpreis-Treiber
7 Gründe, warum der Spritpreis so hoch ist

ArtikeldatumVeröffentlicht am 18.02.2026
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 7 Gründe, warum der Spritpreis so hoch ist
Foto: Holger Wittich

Im bundesweiten Tagesmittel lag der Preis für Super E10 Anfang Februar 2026 bei rund 1,75 Euro je Liter, Diesel bei rund 1,73 Euro. Beide Werte liegen über dem Januar-Niveau und markieren eine weitere Verteuerung zu Jahresbeginn. Naheliegend ist die Annahme, dass vor allem der Rohölpreis für diese Entwicklung verantwortlich ist. Schließlich gilt seit Jahren die einfache Gleichung: Steigt der Ölpreis, steigt auch der Spritpreis. Doch ein genauer Blick auf die Zahlen zeigt, dass der Zusammenhang komplexer ist.

Der Brent-Rohölpreis bewegt sich 2026 überwiegend zwischen 60 und 70 US-Dollar je Barrel. Historisch betrachtet ist das kein Extremwert. 2022 lag Brent zeitweise deutlich über 100 US-Dollar je Barrel, 2020 fiel der Preis während der Pandemie zeitweise unter 30 US-Dollar. Das aktuelle Niveau liegt damit im mittleren Bereich der vergangenen Dekade.

Rechnet man das Barrel konsequent in Liter um, wird die Größenordnung greifbarer. Ein Barrel enthält 159 Liter. Bei 65 US-Dollar je Barrel und einem Wechselkurs von rund 1,10 US-Dollar je Euro entspricht das etwa 59 Euro pro Barrel oder rund 37 Cent Rohölwert pro Liter. Bei einem Zapfsäulenpreis von rund 1,75 Euro entfällt damit weniger als ein Viertel des Endpreises auf das Rohöl selbst. Selbst ein Rückgang um zehn US-Dollar je Barrel würde den Literpreis rechnerisch nur um etwa fünf bis sechs Cent verändern.

Damit wird deutlich: Der Rohölpreis wirkt, bestimmt den Endpreis jedoch nur begrenzt. Entscheidend sind mehrere Ebenen der Preisbildung.

1. Der Produktmarkt in Amsterdam, Rotterdam und Antwerpen

Für deutsche Tankstellen ist nicht der Rohölmarkt entscheidend, sondern der Markt für fertige Mineralölprodukte. Maßgeblich ist der Handelsraum Amsterdam–Rotterdam–Antwerpen, kurz ARA. Dort befinden sich große Lager- und Umschlagterminals, und dort werden die Referenzpreise für Benzin und Diesel in Europa gebildet.

Während sich der Rohölwert 2026 auf Literbasis um rund fünf US-Cent bewegte, schwankten die Großhandelspreise für fertiges Benzin und Diesel teils um mehr als zehn US-Cent je Liter. Für Tankstellen ist dieser Produktpreis aber maßgeblich. Er reagiert nicht nur auf Rohöl, sondern auch auf Nachfrage, Raffineriekapazitäten und geopolitische Risiken.

Der sogenannte Crack Spread beschreibt in diesem Fall die Differenz zwischen Rohölpreis und Produktpreis. Er steigt, wenn Raffinerien höhere Margen erzielen. 2026 hat sich dieser Abstand zeitweise ausgeweitet. Das bedeutet, dass die Verarbeitung von Rohöl zu Benzin und Diesel profitabler wurde. Dieser Effekt wirkt sich unmittelbar auf den Großhandel und damit auf die Zapfsäule aus.

2. Staatliche Abgaben als strukturelle Preisbasis

Der größte Teil des Literpreises entsteht unabhängig vom Marktgeschehen. Auf einen Liter Super E10 entfallen rund 65 Cent Energiesteuer. Beim Diesel liegt die Energiesteuer etwa 20 Cent je Liter darunter. Zusätzlich wird auf den gesamten Preis die Mehrwertsteuer von 19 Prozent erhoben. Bei einem Literpreis von 1,75 Euro entspricht das knapp 28 Cent.

Insgesamt liegt der staatliche Anteil damit deutlich über einem Euro je Liter. Dieser Block verändert sich nicht mit dem Rohölpreis und definiert eine strukturelle Untergrenze für den Literpreis.

3. Emissionshandel und zukünftige Belastungen

Seit Jahresbeginn greift eine neue Stufe der CO₂-Bepreisung. Nach Einschätzung des ADAC hat die allein die Kraftstoffe pro Liter um bis zu 3 Cent je Liter teurer gemacht.

Ab 2027 wird der europäische Emissionshandel auf Verkehr und Gebäude ausgeweitet. Der Preis pro Tonne CO₂ ergibt sich dann stärker aus Angebot und Nachfrage im Zertifikatehandel. Der ADAC rechnet in diesem Zusammenhang mit möglichen Mehrkosten von bis zu 19 Cent je Liter.

Damit entsteht ein zusätzlicher, marktabhängiger Faktor, der unabhängig vom Rohölpreis wirkt.

4. Förderpolitik von OPEC+, USA und Russland

Weltweit werden derzeit rund 102 bis 103 Millionen Barrel Rohöl pro Tag gefördert. Die OPEC+ produziert davon rund 41 Millionen Barrel. Die USA fördern etwa 13 Millionen Barrel pro Tag, Russland rund neun bis zehn Millionen Barrel.

Die OPEC+ verfolgt eine Strategie der Marktstabilisierung. Freiwillige Förderkürzungen von ein bis zwei Millionen Barrel pro Tag dienen dazu, starke Preisverfälle zu verhindern. Ziel ist ein Preisniveau, das für die Produzenten wirtschaftlich tragfähig bleibt. Diese Angebotssteuerung stabilisiert das Rohöl im Bereich von 60 bis 70 US-Dollar. Sie erklärt jedoch nicht allein die Dynamik bei Benzin und Diesel.

5. Geopolitische Unsicherheiten und Handelsströme

Der Krieg in der Ukraine, Sanktionen gegen Russland sowie Spannungen im Nahen Osten verändern Handelswege und erhöhen Unsicherheiten.

Russisches Öl wird verstärkt nach Asien exportiert, Europa bezieht Rohöl aus anderen Regionen. Längere Transportwege erhöhen Logistik- und Versicherungskosten. Solche Effekte schlagen sich häufig stärker in Produktpreisen nieder als im Rohöl selbst.

6. Raffineriekapazitäten und Auslastung

Seit 2020 wurden in Europa mehrere Raffinerieanlagen geschlossen oder umgebaut. Gründe waren pandemiebedingte Nachfrageeinbrüche, wirtschaftlicher Druck und Investitionen in alternative Kraftstoffe.

Die Auslastung europäischer Raffinerien liegt häufig zwischen 85 und 95 Prozent. Bei einer hohen Auslastung sind die Reserven gering. Kommt es zu Wartungen oder Störungen, können Produktmengen kurzfristig knapp werden. Knappheit auf der Produktebene führt schneller zu steigenden Preisen als Bewegungen beim Rohöl.

7. Saisonale Effekte und Nachfrage

Im Winter steigt die Nachfrage nach Heizöl. Da Diesel chemisch eng mit Heizöl verwandt ist, kann eine hohe Heizölnachfrage auch den Dieselpreis stützen. Vor der Sommerreisezeit steigt regelmäßig die Benzinnachfrage. Zudem unterscheiden sich Sommer- und Winterqualitäten von Kraftstoffen, was die Produktion beeinflusst.

Auch innerhalb eines Tages schwanken die Preise deutlich. Erhebungen zeigen, dass Unterschiede im zweistelligen Centbereich möglich sind. Abends ist Tanken häufig günstiger als morgens.

Preise vergleichen senkt Kosten

Um ein wenig die Kraftstoffkosten für die Urlaubsreise oder den Ausflug zu minimieren, sollten Autofahrer nach Möglichkeit die Schwankungen der Kraftstoffpreise im Tagesverlauf nutzen. Für eine aktuelle Übersicht bietet sich unsere kostenlose Spritpreis-App "mehr tanken" (Google Play-Store oder Apple App-Store) an, die die aktuellen Kraftstoffpreise, eine Preis-Prognose und günstige Tankstellen in der Nähe anzeigt. Dort finden auch E-Auto-Fahrer Ladepunkte und deren Preise.

Fazit