Tatsächlich geht es zunächst um zwei Testgeräte, die das slowakische Innenministerium nach einer Sicherheitsprüfung aus dem Verkehr gezogen hat.
Die beiden Kameras vom Typ NERO R-ONE wurden für ein geplantes System zur automatisierten Verkehrsüberwachung getestet. Zweifel kamen auf, weil die Geräte offiziell von einem Anbieter aus Zypern kamen, ihre Technik aber Verbindungen nach Russland aufwies. Das slowakische Nationale Sicherheitsamt NBÚ untersuchte daraufhin eines der Geräte genauer.
Russische Telefonnummern im System hinterlegt
Dabei fanden die Experten russische Komponenten und mehrere problematische Zugriffsmöglichkeiten. In der Kamera steckte unter anderem ein zusätzliches Mobilfunkmodul. In dessen Software waren zwölf russische Telefonnummern hinterlegt. Nachrichten von diesen Nummern konnten bestimmte Funktionen der Kamera auslösen.
Hinzu kamen Möglichkeiten für einen Fernzugriff auf das Betriebssystem. Auch der Videostream des untersuchten Geräts war nicht ausreichend geschützt und konnte ohne Passwort aufgerufen werden. Das NBÚ bewertet entsprechende Radarkameras deshalb als erhebliche Cyberbedrohung. Einen Nachweis dafür, dass russische Stellen tatsächlich auf die Kameras zugegriffen haben, gibt es jedoch nicht.
Technisch führen die Spuren zum russischen Hersteller Simicon. Die Untersuchung ergab Übereinstimmungen mit dessen Verkehrskameras der Cordon-Baureihe. Auch bei der Software fanden die Prüfer Auffälligkeiten. Damit geht es nicht nur darum, dass einzelne elektronische Bauteile aus Russland stammen, sondern um zentrale Funktionen der Kamera.
Das Innenministerium beendete die Zusammenarbeit mit dem beteiligten IT-Unternehmen Soitron. Auch die Staatsanwaltschaft beschäftigt sich inzwischen mit dem Vorgang. Das NBÚ warnt zudem vor weiteren Kameras der Cordon-Baureihe und empfiehlt Betreibern entsprechender Systeme, ihre Technik zu überprüfen.
Was hat es mit den 279 Blitzern auf sich
In einigen Berichten heißt es, die Slowakei habe wegen dieses Vorfalls 279 Blitzer deaktiviert. Das trifft nicht zu. Das slowakische Innenministerium hatte lediglich die besagten zwei NERO-R-ONE-Geräte im Testbetrieb. Diese wurden am 10.8.2026 entfernt.
Insgesamt sollten 279 Kameras das neue System bilden und an verschiedenen Standorten in der Slowakei Verkehrsverstöße automatisch erfassen. Diese waren bis auf die beiden Testgeräte jedoch nicht installiert.





