Auf einem Verwarnungsbescheid, die die Stadt Sassnitz via Facebook veröffentlichte, stellte die Wasserschutzpolizei 107 km/h statt der erlaubten 10 km/h fest. "Auch das französische Team kommt aus der Nummer nicht raus", schrieb die Stadt. "Unsere Wasserschutzpolizei versteht keinen Spaß, wenn es um Geschwindigkeitsüberschreitungen geht", so heißt es weiter. Schon 2025 hatten die Dänen nach ihrem damaligen Rekord einen ähnlichen Bescheid erhalten.
Die Rekordfahrt gelang Delapierre und dem DS Automobiles SailGP Team France am Samstag (22.8.2026) beim Germany Sail Grand Prix vor Rügen. In der letzten Wettfahrt des Tages beschleunigte der F50-Katamaran auf 107,63 km/h. Damit überboten die Franzosen den bisherigen Rekord von 103,93 km/h, den das dänische ROCKWOOL-Team 2025 an gleicher Stelle aufgestellt hatte. Auch die Dänen waren diesmal mit 106,79 km/h schneller als ihr alter Bestwert, Spanien kam auf 106,55 km/h.
Polizei macht aus dem Rekord einen Tempoverstoß
Delapierre wird für den Tempoverstoß nicht belangt, die Polizei hat sich hier einen Scherz erlaubt, um auf den Rekord aufmerksam zumachen. Die Beamten haben sich beim Ausfüllen der "Verwarnung" einige Details einfallen lassen. Als Fahrzeug ist ein "Katamaran" vermerkt, als Tatort der Stadthafen Sassnitz. Der erlaubte Wert wird mit 10 km/h angegeben, daneben stehen 107,63 km/h als gemessener und 107 km/h als vorwerfbarer Wert.
Unter "Konkretisierung" findet sich der F50-Katamaran des SailGP. Selbst die Adresse des vermeintlichen Temposünders haben die Beamten ergänzt. Quentin Delapierre wohnt demnach in der Straße "Auf dem Wasser" in Sassnitz.
Das Datum 22.8.2026 und die Uhrzeit 15:21 Uhr sind ebenfalls eingetragen. Nur das für einen echten Bescheid entscheidende Feld bleibt leer. Unter "Verw.-Geld/Euro" steht kein Betrag.
Mehr als 97 km/h über dem angegebenen Limit
Rechnerisch liegt zwischen den 10 km/h auf dem Verwarnungsbescheid und der Rekordgeschwindigkeit eine Differenz von 97,63 km/h. Wer nun den Straßenverkehrs-Bußgeldkatalog heranzieht, landet allerdings bei den falschen Strafen. Auf dem Wasser gelten eigene Vorschriften. Für Verstöße auf Binnen- und Seeschifffahrtsstraßen des Bundes gibt es den Buß- und Verwarnungsgeldkatalog Binnen- und Seeschifffahrtsstraßen. Für verschiedene Tempolimits ergeben sich beispielsweise folgende Regelsätze.
F50 hebt sich bei hohem Tempo aus dem Wasser
Dass ein Segelboot überhaupt Geschwindigkeiten von mehr als 100 km/h erreicht, liegt an der Konstruktion der F50. Die 15 Meter langen Katamarane fahren auf sogenannten Foils. Mit zunehmendem Tempo heben sich die beiden Rümpfe aus dem Wasser, während nur noch die Tragflächen unter der Wasseroberfläche bleiben. Dadurch sinkt der Wasserwiderstand deutlich.
Die SailGP bezeichnet den Kurs inzwischen selbst als schnellste Rennstrecke der Serie.





