FNSS hat den unbemannten U-MAV für unterschiedliche Aufgaben entwickelt. Auf dem eigens entwickelten Fahrgestell lassen sich verschiedene Missionsmodule montieren. So kann das Fahrzeug einen Strand aufklären, Minen suchen und räumen, Hindernisse beseitigen oder sichere Wege für nachfolgende Fahrzeuge markieren. Weitere Varianten dienen der Feuerunterstützung, der elektronischen Kampfführung oder der Drohnenabwehr. Insgesamt nennt FNSS zehn Einsatzbereiche.
In 40 Minuten vom Aufklärer zum Minienräumer
Auch die Bewaffnung richtet sich nach der jeweiligen Aufgabe. Für die Feuerunterstützung gibt es eine fernbediente Waffenstation, die unter anderem mit einem 7,62- oder 12,7-mm-Maschinengewehr, einem 40-mm-Granatmaschinenwerfer oder einer 30-mm-Waffe bestückt werden kann. Eine weitere Version trägt Panzerabwehrlenkflugkörper. Auch Loitering Munition ist vorgesehen. Aufklärungsfahrzeuge können zusätzlich zwei kleine Multicopter mitführen.
Was ist Loitering MunitionLoitering Munition ist eine Mischung aus Drohne und Lenkwaffe, die längere Zeit über einem Einsatzgebiet kreisen kann. Dabei sucht sie mit Kameras und Sensoren nach einem geeigneten Ziel oder wartet auf eine Zielzuweisung. Wird ein Ziel ausgewählt, stürzt sich die Drohne darauf und zerstört sich dabei zusammen mit ihrem Sprengkopf. Deshalb wird diese Waffenart auch als "Kamikazedrohne" bezeichnet.
Für Pionierarbeiten gibt es Varianten, die Minen aufspüren oder Wege durch verminte Bereiche öffnen. Andere U-MAV übernehmen elektronische Kampfführung, Täuschungsaufgaben oder die Abwehr von Drohnen. Für die Drohnenabwehr kommen zusätzliche Kameras, Infrarotsensoren und Störsender zum Einsatz. Weitere Versionen können geräumte Wege markieren, Material transportieren oder Verwundete aufnehmen.
Die Missionsmodule lassen sich austauschen. Dafür benötigt FNSS nach eigenen Angaben etwa 40 Minuten. Eine Einheit kann dadurch mehrere U-MAV unterschiedlich ausrüsten und die Fahrzeuge später für andere Aufgaben umrüsten.
Eigenes 4x4-Fahrgestell mit 300 PS
Das U-MAV basiert nicht auf dem bekannten PARS 4x4-Radpanzer von FNSS. Unter den verschiedenen Aufbauten steckt eine eigenständige amphibische 4x4-Plattform.
Der U-MAV kann selbstständig fahren
Der U-MAV lässt sich aus der Ferne steuern, kann aber auch autonom fahren. Eine Kombination aus beiden Betriebsarten ist ebenfalls möglich. Die direkte Funkverbindung reicht bis zu drei Kilometer. Für größere Entfernungen kann eine Drohne als Relais dienen. Mehrere U-MAV können zudem untereinander Daten austauschen.
Für die Navigation nutzt das Fahrzeug Satelliten- und Trägheitsnavigation. Reißt die Funkverbindung ab, hält der U-MAV zunächst an. Je nach vorher festgelegter Einstellung kann er anschließend über eine gespeicherte Route zurückfahren oder seinen programmierten Weg fortsetzen.
Mit sieben Knoten durchs Wasser
Auf der Straße erreicht der U-MAV bis zu 70 km/h, im Wasser sieben Knoten. Damit ist er auf die Geschwindigkeit der größeren bemannten Amphibienfahrzeuge abgestimmt, die ihm bei einer Landung folgen. Das Fahrzeug bewältigt Steigungen von 70 Prozent, Seitenneigungen von 40 Prozent, 0,4 Meter hohe Hindernisse und einen Meter breite Gräben.
Das Konzept eines unbemannten Amphibienfahrzeugs ist nicht neu. Vergleichbare Fahrzeuge und Entwicklungsprogramme gibt es bereits in anderen Ländern. FNSS kombiniert beim U-MAV jedoch eine schwimmfähige Plattform mit verschiedenen Modulen, die unterschiedliche Aufgaben einer Landungsoperation übernehmen können.
Das ZAHA bringt die Soldaten an Land
Nach den unbemannten Fahrzeugen sollen die bemannten ZAHA folgen. Die Abkürzung steht für "Zırhlı Amfibi Hücum Aracı", auf Deutsch etwa gepanzertes amphibisches Angriffsfahrzeug. FNSS vermarktet das Kettenfahrzeug international als Marine Assault Vehicle. Das ZAHA ist 8,3 Meter lang und kann insgesamt 21 Personen aufnehmen. Die Türkei hat bereits 27 Fahrzeuge erhalten und im Mai 2026 weitere 27 bestellt. Damit könnte die Flotte auf 54 ZAHA wachsen.
Für den U-MAV selbst gibt es bisher keinen bekannt gegebenen Serienauftrag. FNSS nennt weder Stückzahlen und Preise noch einen Termin für den Beginn einer Serienproduktion.





