Eine Straße, die über dem Indischen Ozean schwebt – auf La Réunion entsteht mit der Nouvelle Route du Littoral eines der spektakulärsten und teuersten Straßenbauprojekte weltweit. Mit Kosten von rund 200 Millionen Euro pro Kilometer sprengt dieses Bauwerk jede Vorstellungskraft.
Die neue Küstenstraße verbindet die Hauptstadt Saint-Denis mit dem Hafenort La Possession über eine Strecke von zwölf Kilometern – und verläuft dabei größtenteils auf Pfeilern direkt im Meer. Das Herzstück ist ein beeindruckender 5,4 Kilometer langer Viadukt über dem Ozean, ausgelegt auf sechs Fahrspuren, einen ÖPNV-Korridor sowie einen kombinierten Geh- und Radweg.
Warum der enorme Aufwand? Die alte Route du Littoral am Fuß einer steilen Felswand galt als extrem sicherheitskritisch. Steinschläge, Starkregen und hoher Wellengang führten regelmäßig zu Sperrungen – teilweise über Wochen. Für die täglich rund 70.000 Fahrzeuge auf dieser Verbindung war das eine unhaltbare Situation.
Der neue Viadukt ruht auf 48 im Meeresboden verankerten Pfeilern. Über 1.300 vorgefertigte Segmente wurden per Schiff zur Baustelle transportiert und vor Ort montiert. Die Konstruktion ist auf tropische Zyklone, extremen Wellengang und sogar Schiffskollisionen ausgelegt – mit einer geplanten Nutzungsdauer von rund 100 Jahren.
Seit 2022 ist der zentrale Abschnitt zwischen Saint-Denis und Grande Chaloupe schrittweise freigegeben worden. Der westliche Teil Richtung La Possession befindet sich weiterhin im Bau. Ein ursprünglich geplanter Dammabschnitt wurde aus Umweltgründen verworfen und durch einen zusätzlichen Viadukt ersetzt – ein Hauptgrund für die gestiegenen Kosten.
Die vollständige Fertigstellung ist für 2030 vorgesehen. Erst dann soll die Strecke durchgehend witterungsunabhängig befahrbar sein.






