Maximaler Abtrieb nicht wichtig: Deshalb setzt Alpine auf ein neues Konzept

Maximaler Abtrieb nicht wichtig
Ist das Alpines Erfolgsrezept?

ArtikeldatumVeröffentlicht am 27.01.2026
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Vier Jahre lang versuchten die F1-Ingenieure die komplexen Groundeffect-Autos zu entschlüsseln. Unvergessen bleibt das extreme Bouncing, das 2022 fast alle Teams ereilte. Lediglich Red Bull hatte schon zu Beginn der neuen Ära den Dreh raus. Als der RB18 abgespeckt hatte, holte sich Max Verstappen überlegen den Titel. Im Jahr darauf war der Niederländer noch dominanter. Doch dann begann der Vorsprung zu schmelzen.

Woran das lag? Darüber rätselten Experten, Fans und Ingenieure lange. Trotz permanenter Upgrades wurde der Red Bull immer schwieriger zu fahren. Lediglich Superstar Verstappen konnte das vermeintliche Potenzial des Autos noch abrufen. Seine Teamkollegen verloren das Vertrauen, aber die Ingenieure blieben stur.

Früh bekamen diese von Ex-Piloten und Technik-Experten unbeliebte Fragen gestellt: Wieso geht man auf den maximalen Abtrieb, wenn dieser aber nur sporadisch abrufbar ist, statt den Piloten ein fahrbareres Auto hinzustellen? Red Bull gab gegen Ende der Groundeffect-Ära zu, bereits im Sommer 2023 falsch abgebogen zu sein. Erst im letzten Saisondrittel des Vorjahres gelang die Wende.

Die Suche nach maximalem Abtrieb verwirrte die Teams bis zum Schluss. Auch Alpine litt unter den speziellen Anforderungen der letzten Rennwagen-Generation, die nun eingemottet wurde. Traurig ist nach dem letzten Platz 2025 in Enstone keiner über den Abschied.

Erster Wurf unter Sanchez

Der A526 ist das erste Auto unter Technik-Chef David Sanchez. "Wir haben mit einem weißen Blatt Papier angefangen, das war wirklich aufregend", erinnerte sich der Franzose an den Anfang der Entwicklung, die im Sommer 2024 begann. Schon damals hatte Alpine die Regelreform für 2026 im Blick. Nach Jahren im Mittelfeld krempelte man in Enstone alles um und verabschiedete sich sogar vom eigenen Motor. In dieser Saison treibt ein Mercedes-Motor den Wagen an.

"Wir haben viel Arbeit in die Integration der Power Unit gesteckt", erklärte Sanchez beim Launch in Barcelona (23.1.). "Mercedes hatte uns um Feedback gebeten und anhand dessen seinen Motor entwickelt", beschrieb der Ingenieur den Prozess. "Aber es ist natürlich so, dass Mercedes eine Power Unit bauen muss, die in insgesamt vier Autos passt." Damit spielte Sanchez auf die weiteren Kunden Williams und McLaren sowie das Werksteam an.

Neben dem Einbau des neuen Motors gab der 45-Jährige in Barcelona aber auch seine Design-Philosophie preis. "Wir haben bei der Entwicklung viel Wert auf die Fahrbarkeit gelegt. Wir wollen den Fahrern ein ausbalanciertes Auto geben." Der ehemalige Ferrari-Mitarbeiter präzisierte: "Auf dem Papier mag ein hoher Abtriebswert eine gute Rundenzeit versprechen, aber das bringt dir nichts. Du kannst es vielleicht auf eine Runde im Qualifying abrufen, aber nicht über eine Renndistanz. Dazu verheizt du dir dann die Reifen und der Fahrer verliert Vertrauen."

Alpine A526 - Launch-Modell - Lackierung - Formel 1 - 2026
Sam Bagnall via Getty Images

Leichtbau Alpine

Der neue Ansatz dürfte auch Pierre Gasly freuen. Der Alpine-Pilot mag einen berechenbaren Rennwagen, vor allem beim Kurvenausgang legt er Wert auf ein stabiles Fahrverhalten. "Ich bin jetzt seit 2023 hier und die Zusammenarbeit mit dem Team ist sehr gut und von großem Vertrauen geprägt. Ich konnte meine Ideen einfließen lassen", sagte der Franzose beim Event in Spanien. Dennoch war der Routinier etwas wehmütig beim Abschied von den alten Autos: "Als Fahrer muss ich schon sagen, dass es großen Spaß gemacht hat, Autos mit so viel Abtrieb zu fahren. Aber jetzt geht es darum, sich an die neuen Umstände anzupassen."

Dazu zählt neben den veränderten Abmessungen, der neuen Motoren-Generation und der aktiven Aerodynamik auch das herabgesetzte Mindestgewicht. Die Autos dürfen 30 Kilo leichter sein als im letzten Jahr. Das Limit liegt nun bei 770 Kilogramm. Alpine soll diese Grenze erreicht haben. Auf Nachfrage schwieg Sanchez in Barcelona. Doch bereits beim Las-Vegas-GP in der vergangenen Saison hatte Berater Flavio Briatore gegenüber auto motor und sport bestätigt, dass man auf einem guten Weg sei, das Limit zu erreichen.

Sollten andere Teams mehr Schwierigkeiten beim Mindestgewicht haben, hat Alpine einen großen Vorteil. Zudem lässt sich ein leichteres Auto besser ausbalancieren, weil man mit Zusatzgewichten Spielmasse bekommt. Auch das würde auf die Fahrbarkeit einzahlen. Die Suche nach dem maximalen Abtrieb scheint in der Formel 1 ab 2026 also endgültig vorbei zu sein.

Fazit