Endlich geht es wieder richtig los mit der Formel 1. Nach der Shakedown-Woche in Barcelona Ende Januar hinter geschlossenen Türen startete am Mittwoch (11.2.) in Bahrain das offizielle Testprogramm für die neue Saison. Dieses Mal waren auch Reporter und Fotografen an der Strecke vor Ort. Damit war es mit dem Versteckspiel der Teams endgültig vorbei.
Am Ende stand der Fahrer mit der Startnummer 1 mal wieder auf dem vordersten Platz im Klassement. Lando Norris machte in Bahrain da weiter, wo er letztes Jahr aufgehört hatte und drehte eine gute Stunde vor Ende der Session die schnellste Runde des Tages. Der McLaren-Pilot absolvierte in seinem MCL40 den 5,412 Kilometer langen Wüstenkurs auf dem C2-Reifen in 1:34.669 Minuten.
Zum Vergleich: Vor zwölf Monaten war Norris ebenfalls zum Auftakt der Bahrain-Woche der schnellste Mann auf der Piste. Die Bestzeit lag damals rund vier Sekunden unter der Marke, die jetzt mit der neuen Auto-Generation erzielt wurde. Richtig vergleichbar sind die Werte aber nicht. Letztes Jahr gab es insgesamt nur drei Testtage. Die Groundeffect-Autos waren deutlich ausgereifter.

Der Williams präsentierte sich an seinem ersten kompletten Testtag standfest.
Williams gewinnt Kilometerwertung
Letztes Jahr war George Russell Zweiter, dieses Mal hieß der erste Norris-Verfolger Max Verstappen. Dem Red-Bull-Piloten fehlten nur 0,129 Sekunden auf seinen Kumpel. Allerdings hatte der Niederländer bei seinem persönlich schnellsten Run kurz vor dem Ende der Session die etwas weicheren C3-Reifen aufgeschnallt. Dritter wurde Charles Leclerc im Ferrari mit einer guten halben Sekunde Rückstand – ebenfalls auf dem C3.
Zu viel sollte man in die Reihenfolge aber nicht interpretieren. Zu unterschiedlich sind die Programme zu solch einem frühen Zeitpunkt der Wintertests. Die wichtigere Währung sind die abgespulten Runden. Und da lag Verstappen mit 134 Umläufen ganz vorne. Der Vierfach-Champion saß genau wie Esteban Ocon (114), Arvid Lindblad (75) und Lance Stroll (36) den ganzen Tag im Auto. Die anderen Teams wechselten in der Mittagspause das Personal im Cockpit.
Das Auto, das die meisten Kilometer des Tages abspulen konnte, war der Williams. Alex Albon (68) und Carlos Sainz (77) brachten es zusammen auf 145 Runden. Dafür, dass der FW48 erst mit Verspätung fertig wurde und seine erste volle Session abspulte, war das eine beeindruckende Leistung. Der erste Testtag wurde von den Ingenieuren dazu genutzt, alle Systeme zu checken und möglichst viele Daten zu sammeln. Die Rundenzeiten spielten dabei noch keine Rolle.
Audi zeigt B-Version
Das galt auch für Audi. Zur Überraschung aller Beobachter rollte Gabriel Bortoleto in der Früh mit einem komplett renovierten R26 aus der Garage. Von dem Auto, das beim Barcelona-Shakedown unterwegs war, blieb nicht mehr viel übrig. "Alles ist neu", grinste Mattia Binotto. Das Paket musste natürlich erst einmal getestet werden.
Nach der Mittagspause sorgte Nico Hülkenberg für eine kurze Rote Flagge. Es handelte sich offenbar nur um einen kleinen Technik-Schluckauf. Der Rheinländer konnte die Fahrt schnell wieder fortsetzen. Am Abend waren leichte Verfärbungen in der roten Verkleidung zu erkennen. In der Garage soll es etwas verkokelt gerochen haben. Aber auch das konnte das Programm nicht nachhaltig stoppen.
Längere Standzeiten waren nicht zu erkennen. Mit 119 Runden landete die B-Version des Audi R26 immerhin auf Rang vier in der Distanzwertung – hinter Williams, Red Bull und Ferrari. Am anderen Ende der Runden-Tabelle fand sich Aston Martin wieder. Lance Stroll kam wie erwähnt nur auf 36 Runden – davon magere drei Umläufe am Nachmittag. Auch hier soll Überhitzung ein Thema gewesen sein. Dazu legte eine "Anomalie" im Bereich der Honda-Power-Unit das grüne Auto nachhaltig lahm.

Zum ersten Mal gab es eine längere Standzeit bei Mercedes.
Erste Probleme bei Mercedes
Auch bei den Racing Bulls und bei Alpine lief es nicht nach Plan. Beide Teams absolvierten nur auf 75 Runden. Franco Colapinto hatte am Vormittag für die erste von zwei roten Flaggen gesorgt. Warum das Auto auf der Strecke ausrollte, wollten die Verantwortlichen aber noch nicht verraten. Für die Kilometerdiät von Rookie Arvid Lindblad soll ein Problem mit dem neuen Red-Bull-Antrieb verantwortlich gewesen sein.
Bei Mercedes bekam man das Programm ebenfalls nicht ganz durch. In Barcelona lief der Silberpfeil noch wie ein Uhrwerk. In Bahrain hakte es erstmals. Nach einem guten Morgen von George Russell musste Kimi Antonelli den Mechanikern am Nachmittag länger beim Reparieren zuschauen. Eine genaue Erklärung gab es nicht. Wie wir hören, waren im Aufhängungsbereich Anpassungen notwendig. Augenzeugen berichten, dass in der Mercedes-Garage ordentlich der Hammer geschwungen wurde.












