Fehlstart für Formel-1-Benzin: Deshalb dürfen Teams mit fossilem Sprit testen

FIA erlaubt Benzin-Ausnahme für Testfahrten
Fehlstart für den neuen Biosprit

ArtikeldatumVeröffentlicht am 15.01.2026
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Immer wenn über das neue Reglement für die Saison 2026 gesprochen wird, verweisen die Formel-1-Verantwortlichen und die Regelhüter der FIA stolz auf das neue Benzin. CO₂-neutral soll der Hightech-Kraftstoff sein, und zwar nicht nur, was seine Inhaltsstoffe angeht, sondern auch beim kompletten Herstellungsprozess – von den Anfängen der Lieferkette bis zur fertigen Produktion.

Die Regeln für 2026 sehen vor, dass der Sprit komplett ohne fossile Bestandteile auskommen muss. Die Lieferanten können sich entscheiden, ob der Kraftstoff synthetisch – also aus einer Kombination von Wasserstoff und CO₂ aus der Luft – oder auf einer Basis aus Biomasse hergestellt wird.

Um die maximale Energiedichte und ein optimales Zündverhalten zu erreichen, werden spezielle Moleküle im Chemielabor zusammengemischt. Leider stehen diese Hightech-Bio-Elemente noch nicht in unbegrenztem Maße zur Verfügung. Die Chemiker müssen viele Bestandteile selbst herstellen. Die aufwändige Produktion lassen sich die Benzin-Partner gut bezahlen. Bis zu 250 Euro pro Liter soll der Formel-1-Sprit kosten.

Aufschub für die Benzin-Lieferanten

Experten erwarten, dass die Qualität des Benzins zu einem echten Performance-Faktor wird. Hier kommt es auf eine enge Zusammenarbeit zwischen Motoreningenieuren und Chemikern an, um die Mischungen speziell auf die Bedürfnisse der neuen Antriebseinheiten abzustimmen. Je dichter die Energie, desto weniger Sprit muss am Start eines Rennens an Bord genommen werden. Weniger Gewicht bedeutet bekanntlich mehr Speed.

Benzin auf Basis von Biomasse lässt sich auch nicht so gut zerstäuben wie fossile Kraftstoffe. Die Klopffestigkeit ist ebenfalls ein wichtiger Faktor. Die Molekülketten dürfen bei hoher Kompression im Zylinder nicht zu langsam oder zu schnell verbrennen oder irgendwelche Unreinheiten enthalten. Ein guter Sprit kann also zu einem echten Wettbewerbsvorteil werden.

Die Komplexität der Aufgabe hat offenbar einige Spritlieferanten auf dem falschen Fuß erwischt. Sie haben bei den Regelhütern der FIA um eine Ausnahme gebeten, um bei den Testfahrten noch nicht gezwungen zu werden, fertig homologierte Benzinmischungen einsetzen zu müssen. Wie der Weltverband gegenüber auto motor und sport bestätigt hat, ist man dieser Bitte nachgekommen und hat den Aufschub genehmigt.

Formel 1 - Benzin - Petronas - 2025
Mercedes

Mehr Zeit für FIA-Homologation

Demnach dürfen nun außerhalb der Rennwochenenden auch Spritmischungen zum Einsatz kommen, die noch nicht offiziell zertifiziert sind. Theoretisch könnten die Motoren bei den Testfahrten also auch mit fossilen Kraftstoffen betrieben werden. Der Weltverband will den Spritlieferanten damit genug Zeit geben, bis zum Saisonstart einen ausgereiften Sprit zu entwickeln und ihn noch rechtzeitig homologieren zu lassen.

Gerüchte, dass die Benzinhersteller einfach nicht in der Lage waren, den neuen Biosprit pünktlich zu den Testfahrten in ausreichender Menge zur Verfügung zu stellen, wollte uns niemand bestätigen. Eine weitere Theorie für die Einführung der Ausnahmeregelung besagt, dass der Homologationsprozess so langwierig und kompliziert ist, dass die FIA-Experten einfach nicht damit fertig wurden, alle Spritmischungen rechtzeitig abzunehmen.

Formel 1 - Benzin
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Ausnahme-Regel gilt 2027 nicht mehr

Theoretisch muss bei jedem beigefügten Molekül des Sprits und seiner Additive genau überprüft werden, ob es den Nachhaltigkeitsregeln entspricht. Weil der Prozess für alle Beteiligten neu ist und es auch keine homologierten, CO₂-neutralen Spritmischungen aus der Vergangenheit gibt, auf die man zurückgreifen könnte, drückt die FIA bei den Testfahrten noch einmal ein Auge zu.

Auch wenn theoretisch auch "schmutziger" Sprit zum Einsatz kommen könnte, ist zu erwarten, dass die Teams ihre Motoren schon mit Benzinmischungen betreiben, die dem fertigen, nachhaltigen Produkt entsprechen oder dem sehr nahekommen. Beim Testen kommt es bekanntlich darauf an, mögliche Probleme im Praxisbetrieb rechtzeitig zu erkennen. Nach Informationen von auto motor und sport soll die Ausnahme für die Testfahrten in der Saison 2027 dann nicht mehr gelten.

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