Die Spannung war groß, als die Formel-1-Renner am Mittwoch (18.2.) in Bahrain in die zweite Testwoche gegangen sind. Viele Teams hatten für die letzten Proberunden vor dem Saisonstart in Melbourne noch einmal weitere Upgrades angekündigt. Natürlich wollte keiner verraten, wann die interessantesten Tricks genau ausgepackt werden.
Bei der Suche nach technischen Veränderungen auf den ersten Boxengassen-Bildern wurden wir bei Ferrari fündig. Ein Upgrade im Heck dürfte auch bei der Konkurrenz für besondere Aufmerksamkeit sorgen. Oben auf dem Diffusordach ließen die Ingenieure ein neues Flügel-Element anbringen. Das Winglet wurde direkt hinter dem Auspuff-Endrohr platziert.
Eigentlich sind wir davon ausgegangen, dass der freie Weg der Abgase nicht durch Aerodynamik-Elemente versperrt werden darf. Das letzte Reglement, das im Zuge der Groundeffect-Autos 2022 eingeführt wurde, war in diesem Punkt sehr restriktiv. Doch beim genaueren Blick in die neuen Technik-Regeln scheint in diesem Bereich nun offenbar eine Lücke zu bestehen. Bis zu einer bestimmten Höhe dürfen sich die Aerodynamiker hier austoben.

Die Idee, Auspuffgase als aerodynamisches Hilfsmittel zu verwenden, ist nicht neu. 2014 schob die FIA dem Treiben einen Riegel vor.
Mehr Abtrieb im Heck
Der Sinn des kleinen Flügelchens wird auf den ersten Blick klar. Direkt angeströmt von den heißen Abgasen produziert das Element zusätzlichen Abtrieb, wenn die Motordrehzahlen nach oben gehen. Viele Ingenieure dürften noch gut die frühen 2010er-Jahre in Erinnerung haben, als dieser Trick bis ins Extreme ausgenutzt wurde. Red Bull erkannte das Potenzial damals als erstes. Sebastian Vettel half die Technik bei seiner Titeljagd.
Die FIA beendete das bunte Treiben ab der Saison 2014. Doch nun scheint das Konzept ein Comeback zu feiern. Mit den neuen Antriebseinheiten könnte der Trick wieder zu einem wichtigen Faktor werden. Um die Batterie mit dem Verbrennungsmotor zu laden, müssen die Fahrer die Drehzahlen in vielen Passagen künstlich hochhalten.

Beim genauen Blick ist gut zu erkennen, dass der obere Teil des Flügelchens hinter dem Auspuff nicht aus Carbon hergestellt ist.
Wie viel bringt der Ferrari-Trick?
Die zusätzlichen Abgase durch niedrigere Gänge in den Kurven könnten mit den angeblasenen Flügelchen dabei helfen, das Heck auf den Asphalt zu pressen. Kopieren lässt sich der Trick jedoch relativ einfach. Die ersten Bilder vom Ferrari in Bahrain zeigen, dass der obere Teil des Winglets aus einem hitzebeständigen Material hergestellt wurde. Das ließe sich schnell nachbauen.
Die Frage lautet, ob Ferrari auch spezielle Motorprogramme entwickelt hat, um den Strom an Auspuffgasen noch zu verstärken – vor allem in solchen Situationen, in denen man den zusätzlichen Abtrieb besonders gebrauchen kann. Das war in der Blütezeit des Auspuff-Anblasens bei vielen Motorherstellern der Fall.
Wie groß der Einfluss auf die Performance am Ende wirklich ist, muss man abwarten. Das zeigt sich spätestens dann, wenn die Konkurrenz beginnt, den Trick nachzubauen.












