Auf Ferrari wartet 2026 das Jahr der Wahrheit. Nach einer enttäuschenden Groundeffect-Ära ohne Titelgewinn muss mit dem neuen Reglement der Knoten endlich platzen. Der SF-26 soll ein Meisterauto werden. Nach dem ersten Appetithäppchen beim 15-Kilometer-Shakedown in Fiorano absolvierten Charles Leclerc und Lewis Hamilton am Dienstag (27.1.) endlich den ersten vollen Testtag in Barcelona.
Laut den Ferrari-Verantwortlichen war es schon länger geplant, den Testauftakt am Montag auszulassen. Die Verzögerung von 24 Stunden bedeutete allerdings, dass man dem wechselhaften Wetter in Katalonien ausgesetzt war. In der Früh konnten noch ein paar Runden auf trockener Piste gedreht werden. Doch 90 Minuten nach dem Anpfiff kam der vorhergesagte Regen. Den Rest des Tages mussten je nach Wasserstand auf der Piste mal Intermediates, mal Heavy-Wets aufgezogen werden.
Trotzdem konnten die Beteiligten am Ende ein positives Fazit ziehen. Leclerc kam vor der Mittagspause auf 64 Runden, Hamilton fügte am Nachmittag 56 Umläufe hinzu. Im Gegensatz zu Isack Hadjar schafften es beide Piloten, ihr Auto immer wieder heil an die Box zurückzubringen. In der nur wenig aussagekräftigen Zeitentabelle blieb Leclerc im Slicks-Vergleich 1,2 Sekunden hinter der Tagesbestzeit von Max Verstappen zurück.
Programm trotz Regen durchgezogen
Leclerc äußerte sich anschließend zufrieden: "Es war schön, wieder im Auto zu sitzen – und dann gleich in einem komplett neuen Auto, das sich sehr, sehr stark von dem unterscheidet, was wir bisher gefahren sind. Im Moment geht es vor allem darum zu verstehen, ob alles richtig funktioniert, und das hat es im Großen und Ganzen auch. Die Bedingungen waren nicht ideal, aber wir haben unser Programm trotzdem durchgezogen."
Die Zeitenliste hatte für den Monegassen keine Relevanz: "Im Moment schauen wir überhaupt nicht auf die Performance. Es geht vielmehr darum, all die neuen Systeme dieses Autos zu überprüfen und zu sehen, ob alles so funktioniert, wie es soll. Und das hat es getan, das ist positiv. Jetzt werden wir unser Programm Schritt für Schritt weiter abarbeiten. Zunächst wollen wir verstehen, wie sich alles verhält, und dann sehen, wie es weitergeht."
Leclerc freut sich schon auf die Zeit nach dem ersten Abtasten: "Ich bin schon ganz gespannt zu sehen, was die anderen zu bieten haben. Und zu sehen, wo wir im Vergleich zu ihnen stehen, wenn wir anfangen, etwas mehr zu pushen. Dieses Jahr hat jedes Team die Chance, etwas anders zu machen und sich einen größeren Vorteil zu erarbeiten als in den letzten Jahren. Ich hoffe, dass wir das Team sind, dem es gelingt, den Unterschied zu machen."

Feuchtes Vergnügen: In der Nachmittagssession musste Lewis Hamilton auf einer nassen Piste Runden drehen.
Jeder hat gleiche Chance
Teamkollege Hamilton musste wie schon erwähnt am Nachmittag mit feuchten Bedingungen kämpfen: "Es war dennoch produktiv, herauszufinden, wie man die Reifen zum Arbeiten bringt. Angesichts der nassen Bedingungen und einer roten Flagge zwischendurch waren die gefahrenen Runden ziemlich solide. Ich bin wirklich stolz auf alle im Werk, dass sie das Auto an diesen Punkt gebracht haben. Wir haben heute viele Informationen gesammelt. Es war ein guter erster Tag. Es gab keine gravierenden Schwierigkeiten, sondern nur kleine Dinge, die wir Schritt für Schritt verbessern wollen. So müssen wir weitermachen."
Nicht nur für die Ingenieure gilt es, in Barcelona Daten zu sammeln. Auch die Fahrer müssen sich akklimatisieren: "Ich bin im Trockenen noch nicht gefahren, daher habe ich dafür noch kein richtiges Gefühl. Es geht darum, das Energiemanagement zu verstehen, also wie man die Batterie über eine Runde hinweg nutzt und wieder auflädt. Jeder hat sehr viel im Simulator gearbeitet, daher ist es für uns nicht zu 100 Prozent Neuland. Trotzdem müssen wir unsere Runs absolvieren und die Daten durchgehen, um alles zu optimieren."
Ob ihm die neue Generation besser liegen wird, als die alten Groundeffect-Autos, konnte der Rekordsieger noch nicht sagen: "Es ist schwer einzuschätzen, weil ich das Auto nur im Regen gefahren bin. Es hat deutlich weniger Abtrieb als im letzten Jahr. Es gibt definitiv positive Aspekte, aber es ist für jedes Team eine extreme Herausforderung. Es wirft im Grunde alle erst einmal zurück. Die Teams, die am schnellsten weiterentwickeln und am cleversten darin sind, alles zu optimieren, werden ganz oben stehen. Jeder hat die Chance, an die Spitze zu kommen."












