Auf den ersten Blick war der Niederlande-GP (23.8.) für Mercedes eine Niederlage. Gegen McLaren-Weltmeister Lando Norris hatten letztendlich weder Kimi Antonelli noch George Russell etwas entgegenzusetzen. Im Ziel fehlten 11 beziehungsweise 15 Sekunden auf den Engländer.
Trotzdem fühlte sich das deutsch-britische Imperium als Gewinner. Bei Silber gab man zu, in Zandvoort nur das drittschnellste Auto besessen zu haben. McLaren und Ferrari hatten die Oberhand. Dennoch schaffte es das Team, die Punkteausbeute zu maximieren. Mehr als die Plätze zwei und drei war am Sonntag nicht drin.
Dennoch sorgte der Kommandostand wegen der verhängten Stallregie kurz vor Rennende für Aufregung. Russell musste den auf frischeren Reifen heraneilenden Antonelli vorbeilassen. "Wir konnten es vermeiden, mit gegenseitigen Zweikämpfen Zeit zu verlieren. Wir haben ähnliche Situationen wie diese das ganze Jahr über besprochen. Wäre es umgekehrt gewesen, hätten wir die gleiche Entscheidung getroffen", hielt Teamchef Toto Wolff fest.
Extra-Stopp bei Mercedes
Die Situation war nur entstanden, weil die Strategen Antonelli in Runde 55 an die Box holten, nachdem das VSC wegen des ausgerollten Esteban Ocon verhängt worden war. Antonelli hatte mit dem zweiten Satz der harten Reifen extrem zu kämpfen. Erklären konnten sich das die Mercedes-Leute nur bedingt. Eine Theorie lautete, dass dieser eine Satz in der Qualität nicht auf dem Level war, wie er es in der Regel ist.
Die VSC-Phase brachte die Möglichkeit, den Piloten auf einen anderen Satz umzurüsten. Das zahlte sich aus und Antonelli fand auf dem gebrauchten Soft-Reifen wieder Grip. "Es war ein intensives Rennen. Ab dem zweiten Stint war die Pace weg", sagte Antonelli. Bis zu diesem Zeitpunkt sah der Mann aus Bologna wie der Sieger aus. Beim ersten Start hatte er Russell kassiert und beim zweiten ging er an Norris vorbei, der aber in Schlagdistanz bleiben konnte.

Kimi Antonelli und George Russell hielten sich in Zandvoort an die Teamorder.
Hamilton bremst Antonelli ein
Mercedes ging einem möglichen Undercut aus dem Weg und fertigte Antonelli in Runde 40 zum zweiten Mal ab. Norris blieb noch sieben weitere Umläufe auf der Strecke. Zwar hatte Antonelli seine Position behalten, doch nun schloss Norris auf dem frischeren und besseren C2-Reifen sukzessive die Lücke.
Kurz darauf lief das Duo auf Lewis Hamilton auf. Ferrari hatte seinen Piloten zu lange draußen gelassen. Der 41-Jährige kämpfte mit den abgekauten harten Pirelli. Antonelli steckte im Sandwich. In Runde 54 schnappte sich Norris den Italiener und wenige Kurven später auch Hamilton. Zwar kam Antonelli auch an seinem Mercedes-Vorgänger vorbei, doch der Sieg war verloren.
Antonelli baut Vorsprung aus
Nur wenige Momente später holte das Team seine Speerspitze herein, auch Hamilton, Charles Leclerc und Oscar Piastri stoppten in der VSC-Phase. Antonelli verlor nur einen Platz gegenüber seinem Teamkollegen Russell. Der Brite fragte am Funk mehrmals nach, wie man sich nun verhalten solle.
In der 66. Runde ließ er seinen Verfolger in Kurve 1 vorbei. Antonelli bedankte sich. "George ist ein super Teamplayer." Für den 28-Jährigen war der Sonntag ein Rückschlag im Titelkampf. Der blieb nach dem Rennen aber fair. "Ich bin froh, noch auf dem Podium gelandet zu sein. Kimi war eh vor mir. Er hat es verdient, vor mir zu landen. Natürlich willst du das anders im Rennen und um jede Position kämpfen. Er wäre eh an mir vorbeigefahren, weil er bessere Reifen hatte. Es war die richtige Entscheidung.
Russell musste sich noch ein paar Runden den schnelleren und auf Soft-Reifen fahrenden Ferrari erwehren, rettete P3 aber letztlich ins Ziel. In der WM-Wertung hat Antonelli nun 59 Punkte Vorsprung auf die punktgleichen Russell und Hamilton.





