Grosjean-Wunder in Bahrain: Teamchef verrät neue Details zum Horror-Crash

Grosjean-Wunder in Bahrain
Teamchef verrät neue Details zum Horror-Crash

ArtikeldatumVeröffentlicht am 04.02.2026
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Es war die erste Runde beim Grand Prix von Bahrain, als Romain Grosjean am Ausgang von Kurve 3 plötzlich nach innen abbog. Der Franzose hatte nach einem Spurwechsel mit dem rechten Hinterrad das linke Vorderrad des Alpha Tauri von Daniil Kvyat berührt, was den Haas abrupt entgleisen ließ. Ab da war Grosjean nur noch Passagier.

Erst die Leitplanke bremste das außer Kontrolle geratene Auto wieder ein. Beim Aufprall riss der US-Renner in zwei Teile, an der Tankblase lösten sich die Verbindungsstopfen. Das herausfließende Benzin entzündete sich an den heißen Motoren- und Auspuff-Elementen und sorgte für einen riesigen Feuerball.

Die Überlebenszelle blieb zwischen den Elementen der Leitplanke stecken. Zum Glück verlor der Pilot beim Einschlag mit knapp 200 km/h nicht das Bewusstsein. Doch so einfach konnte er sich danach nicht aus dem Cockpit befreien, wie der damalige Chefingenieur Ayao Komatsu nun im "High-Performance"-Podcast verriet.

Grosjean setzt sich nochmal hin

"Als das verbrannte Monocoque zu uns zurückkam, klemmte immer noch der linke Schuh von Romain hinter dem Bremspedal", erinnert sich der Japaner. "Als er beim Aufstehen bemerkte, dass er mit dem Fuß feststeckte, musste er sich noch einmal hinsetzen. Er hat sich mit den Armen außen abgestützt und hat seinen Fuß aus dem Schuh gezogen. Seine linke Hand war mitten in den Flammen, als er sich vom Halo abgedrückt hat."

Wie sich Grosjean aus dem fest zugeschnürten Rennstiefel befreit hat, ist bis heute ein Rätsel. "Er muss sich dabei irgendwie den Knöchel ausgerenkt haben, um da rauszukommen", vermutet Komatsu. Nachdem er dem Wrack entkommen war, fiel der Unfallpilot dem damaligen Rennarzt Ian Roberts in die Arme. Die Haas-Verantwortlichen sahen ihren Fahrer erst später im Medical Center. Mehr als ein ausgestreckter Daumen vor dem Helikopter-Transport ins Krankenhaus war zu diesem Zeitpunkt aber nicht drin.

Komatsu, der mittlerweile auf den Posten des Teamchefs bei Haas aufgestiegen ist, ließ sich dann die Onboard-Aufnahmen von der FIA zeigen. Trotz des Feuersturms hatten die Kameras jedes Detail des Unfalls und des anschließenden Überlebenskampfes aufgezeichnet. "Ich wollte natürlich herausfinden, ob es noch irgendwelche Möglichkeiten gibt, die Sicherheit der Fahrer zu verbessern", erklärt Komatsu.

Grosjean-Crash - GP Bahrain 2020
Wilhelm

Sekunden entscheiden über Leben und Tod

Doch beim ersten Blick auf die Aufnahmen wurde der Ingenieur von seinen Gefühlen überwältigt: "Man kann erkennen, dass er niemals aufgegeben hat. Er hat mit allen Mitteln gekämpft, um zu überleben. Und das nicht nur für sich selbst, sondern für seine Frau und seine Kinder. Er hat nie aufgegeben. Das war unglaublich."

Komatsu zeigte sich vor allem beeindruckt davon, wie geistesgegenwärtig und klar der Pilot zu handeln schien: "Jede Entscheidung, die er getroffen hat, um aus dem Cockpit herauszukommen, war korrekt. Hätte er irgendwie anders gehandelt und dabei fünf bis zehn Sekunden verloren, hätte er tot sein können. Das war genau am Limit dessen, was die feuerfeste Kleidung aushält. Nur an der linken Hand gab es Verbrennungen. Die hatte er ins Feuer gehalten, um sich abzustützen."

Laut Komatsu hätte es Grosjean das Leben kosten können, wenn er versucht hätte, den Fuß irgendwie in aufgerichteter Position freizubekommen. "Aber er hat trotz des Feuers um ihn herum die Entscheidung getroffen, sich noch einmal hinzusetzen. In dieser Position hat er die Kraft gefunden, sich zu befreien. Er hat alles richtig entschieden."

Grosjean blendet Feuer aus

Als Komatsu seinen Schützling später auf die dramatischen Momente ansprach, wich die Erinnerung von Grosjean allerdings von dem ab, was sein ehemaliger Renningenieur auf den Aufnahmen sah.

"Ich habe ihm gesagt, dass es sehr mutig war, noch einmal ins Cockpit zu rutschen, um den Fuß rauszuziehen – und das mitten im Feuer. Er hat dann interessanterweise gesagt, dass er zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht vom Feuer umgeben war. Ich musste ihm dann mitteilen, dass da überall Flammen waren. Offenbar haben die Instinkte im Überlebenskampf das Feuer komplett ausgeblendet. Er dachte, dass das Feuer erst später kam."

Komatsu wandte sich nach dem Unfall auch an Grosjeans Ehefrau Marion: "Ich habe ihr gesagt, dass es sehr inspirierend war, dass er niemals aufgegeben hat. Sie wollte die Aufnahmen dann auch unbedingt sehen. Ich war erst dagegen. Aber sie hat darauf bestanden. Sie hat mir dann später gesagt, dass es ihr extrem geholfen hat. Man muss sich nur mal vorstellen, dass man seinem Ehemann dabei zuschaut, wie er bis zum letzten Moment kämpft, um da für Sie und die Kinder herauszukommen. Für mich war das Emotionalste, was ich jemals gesehen habe."

Fazit