Motorsport ist ein hartes Geschäft. Oft entscheiden nur Nuancen zwischen Überraschung und Enttäuschung. Genau diesen Gegensatz erlebte Mick Schumacher während der ersten Qualifikation seines US-Abenteuers (28.2.). Nach den eröffnenden Runden in seiner Quali-Gruppe lag er auf Kurs für das zweite Segment. Wie die Formel 1 unterteilt auch die IndyCar das Zeitfahren in drei Sektionen: zwei Gruppen, die Top 12 und die Top 6. Bei den zweiten Push-Runden, als dann alle Piloten auf die weichen Reifen setzten, fiel Mick daraufhin schlagartig zurück.
Dass er sich im Vergleich zur Konkurrenz nicht mehr verbessern konnte, lag allen voran am Verkehr. Sein Team RLL trauerte anschließend einer vergebenen Chance hinterher. Die Zwischenzeiten mit den frischen Reifen deuteten auf den Einzug in die Top 12 hin. Dann verließ den Deutschen jedoch das Glück. Er erklärte im Anschluss: "Das Auto war wirklich gut. Die größeren Änderungen, die wir ausprobiert hatten, zeigten alle in die richtige Richtung."
Die Situationen im Verkehr irritierten den Newcomer hingegen. "Es wurde nicht eingegriffen. Deswegen muss ich mir noch einmal anschauen, was ich vielleicht selbst besser machen könnte. Ein wichtiges Fazit des heutigen Tages ist, dass die weiche Mischung gut auf meinem Auto funktioniert hat. Ich bin echt happy mit dem Wochenende bislang, jetzt müssen wir uns dafür belohnen. Wir als Organisation haben das Potenzial!"

Kein Grund für miese Laune: Das erste IndyCar-Qualifying von Mick Schumacher endete zwar nicht wie erhofft, die Vorzeichen stehen aber trotzdem gut.
Hoffnung im eigenen Team
Der Blick auf die anderen Zeiten der Schumacher-Gruppe bringt parallel Zuversicht und Bedauern. Mick umrundete den 2,89 Kilometer langen Hafenkurs in 1.01,398 Minuten. Kyle Kirkwood, der größte Stadtstrecken-Spezialist der Serie, musste sich beispielsweise mit 1.01,231 Minuten zufriedengeben, nachdem er ebenfalls wegen Kleinigkeiten verfrüht ausgeschieden war. Für den Sprung in die Top 12 hätte es grundsätzlich eine 1.01,124 Minuten gebraucht.
Die RLL-Teamkollegen Graham Rahal und Louis Foster erlebten eine sehr unterschiedliche Qualifikation. Während Rahal (1.01,226) durch P18 nur knapp vor dem Neuling landete, holte Foster (1.00,947) einen respektablen neunten Rang. Seine Setupdaten waren beim Debrief entsprechend sehr begehrt. Er erzählte: "Grundsätzlich hätte es sogar noch besser laufen können. P9 ist trotzdem ein guter Start."
"Morgen wird auf jeden Fall ein interessantes Rennen. Ich denke, es wird Stints geben, in denen wir bewusst langsamer fahren müssen, um die Reifen so lange am Leben zu halten, wie wir sie brauchen – um einen zusätzlichen Boxenstopp zu vermeiden. Wir müssen einfach abwarten, wie es sich entwickelt." Rahal resümierte: "Wahrscheinlich fehlt uns zu viel, um Top-Ergebnisse an diesem Wochenende zu holen. Trotzdem können wir morgen um viele Punkte kämpfen."

Lichtblick für Micks Mannschaft: Jungkollege Louis Foster schaffte es auf den neunten Rang.
So gelingt der Sprung nach vorne
Gegensätzlich zur Formel 1 sind die hinteren Startplätze keine Sackgasse, in der man zwangsläufig steckenbleibt. Die IndyCar bietet eine große Bandbreite an strategischen Werkzeugen: Neben den zwei Reifenmischungen, die durch eine neue Philosophie des Lieferanten Firestone noch schwer einzuschätzen sind, darf getankt werden. Ein mutiges Spritsparen oder genau das Gegenteil kann bei einer günstig getimten Gelbphase Wunder bewirken.
Mit dem früheren Champion Josef Newgarden (Penske) auf dem 23. Platz und dem Spar-König Scott Dixon (Ganassi) auf der 16. Position hat Schumacher zwei starke Referenzen im Umfeld. "Hoffentlich kann ich mich an das Getriebe von Dixon klammern, und wir eilen dann zusammen nach vorn. Er ist sehr gut aussortiert und weiß es, ein Rennen zu verstehen. Da kann man reichlich lernen," gab Schumacher als Ziel aus. Außerdem könnte das typische Chaos im Mittelfeld ihn zügig klettern lassen.

Party mit dem Nachwuchs: Der Neuseeländer Scott McLaughlin wiederholte die Pole-Position des Vorjahres, diesmal soll der Sieg folgen.
Anderer Rookie mit Sensation
Die erste Pole-Position der Saison ging derweil an Scott McLaughlin. Der Pilot des Top-Teams Penske legte eine starke Zeit von 1.00,543 Minuten hin. Lächerliche zwei Hundertstel dahinter reihte sich der Ex-F1-Racer Marcus Ericsson (Andretti) ein. Für die Penske-Truppe steht dieses Jahr vieles auf dem Spiel. Nach der schwierigen Saison 2025 will Team- und Serien-Eigentümer in Personalunion, Roger Penske, echte Ergebnisse sehen.
Dennis Hauger (Coyne) war die große Sensation der Qualifikation: Der Rookie holte einen erstaunlichen dritten Rang. Im Vergleich zu Mick hatte er allerdings bessere Vorzeichen. Sein Teamkollege Romain Grosjean bewies dank P6, dass die eigentliche Hinterbänkler-Mannschaft einen riesigen Sprung gemacht hat. Außerdem kennt der Norweger die Strecke aus seiner Zeit in der Nachwuchsserie Indy NXT.
Mick Schumachers Debütrennen startet am Sonntag um 18:29 Uhr deutscher Zeit. Die Pay-TV-Sender Sky und Motorvision+ sowie der hauseigene Streaming-Dienst der IndyCar steigen um 18:00 Uhr in die Übertragung ein.





