Das Wichtigste zuerst: Mick Schumacher kam mit einem heilen Renner in die Pitlane zurück. Während mehrere Piloten größere Probleme hatten – darunter die verunfallten Ex-Meister Josef Newgarden (Penske) und Scott Dixon (Ganassi) – konnte der Deutsche sein Programm am Freitag (27.2.) durchspielen. Schnell wurde klar, dass das Team RLL für Schumacher viel Fahrzeit eingeplant hatte. Er sammelte final 37 Runden auf dem knapp drei Kilometer langen Stadtkurs von St. Petersburg (Florida). Der nächstbeste Verfolger konnte nur 30 Umläufe aufweisen.
Dass das Auftakttraining ganze fünf Mal wegen Zwischenfällen unterbrochen werden musste, macht diese Leistung noch bemerkenswerter. Bei den Zeiten gab es hingegen Aufholbedarf. Der Trainingsschnellste Scott McLaughlin (Penske) setzte im Endspurt auf der weicheren Mischung eine 1.01,102 Minuten, Mick benötigte 1.02,171 Minuten. Der daraus folgende 23. Platz sollte jedoch keine allzu großen Kopfschmerzen bereiten. Stattdessen wunderte er sich.
"Es war etwas ungewohnt, an einem Tag nur eine Session zu haben, aber ich freue mich schon auf morgen. Über alle Sitzungen hinweg – erst mit allen Autos und dann in den geteilten Gruppen – haben wir viel gelernt. Es war besonders hilfreich, konstant fahren zu können. Dass wir die zusätzliche Rookie-Session nutzen konnten, war auf jeden Fall ein Vorteil für uns und für das Team insgesamt."

Mit Abstand Erster bei den Runden, aber nur Rang 23 bei den Zeiten. Micks erste Ausfahrt durch die Küstenstadt St. Petersburg schwankte zwischen Zuversicht und Hausaufgaben.
Runder Start ins Abenteuer
Schumacher will nun stetig weiterarbeiten. Am Samstag (15:35 Uhr deutscher Zeit) steht das zweite und letzte Training an. Es ist ebenfalls in 40 Minuten für das gesamte Feld sowie zweimal zwölf Minuten für die Gruppen unterteilt. "Wir werden weiter an den Details werkeln und hier und da noch die kleinen Dinge verbessern, die nötig sind. Aber für den Anfang war es insgesamt ganz ordentlich," fällt das positive Fazit aus.
Auch die Teamkollegen Louis Foster und Graham Rahal gaben sich zuversichtlich. Zwar hatten beide Probleme, Foster flog gar ab. Aber die ersten Zeiten würden auf einem guten Basis-Niveau sein und die Autos Reserven besitzen. Eine kleine, wenn auch nebensächliche Enttäuschung hatte Mick trotzdem: "Die Strecke ist weniger holprig, als ich erwartet hatte. Es wurde im Vorfeld ziemlich stark darüber gesprochen, ehrlich gesagt war es überhaupt nicht so schlimm."
Während man in Europa extrem gespannt auf die ersten Zeiten blickt, gibt sich Micks Teamboss Bobby Rahal derweil entspannt. "Ich bin froh, dass er sich für uns entschieden hat. Er wird das Racing hier genießen! Amerika geht anders an den Sport heran. Natürlich wollen wir auch Erfolg haben, wir sind allerdings nicht so verbissen."

Die Carbon-Fahrradmanufaktur Enve aus Utah ziert Micks Dallara-Honda beim Debüt. Über die Saison folgen weitere Designs.
Familie statt Starbehandlung
Obwohl er Mick noch besser kennenlernen möchte, ist Rahal Senior bisher sehr von seiner Mentalität angetan. "Man könnte meinen, dass er durch sein Umfeld vielleicht arrogant wäre. Doch seine Familie hat ihn mit einem guten Charakter ausgestattet. Ich höre immer wieder, dass er dem Vorbild seines Vaters folgt." Besonders gefalle ihm, dass Mick explizit den Kontakt zu seiner Crew sucht.
Naturgemäß kann Rahal gewisse Kritik aus Europa nur schwer nachvollziehen. Der Indy-500-Sieger des Jahres 1986 und frühere Formel-1-Pilot machte klar: "All der Druck ist schädlich. Bei uns steht der Teamcharakter im Vordergrund. Jeder hilft jedem. Mick soll Spaß haben, und dann kommt der Erfolg quasi von allein. Diese Autos muss man erlernen."
Nach seinem gescheiterten Engagement als Manager beim Jaguar-F1-Team 2000 tut sich Bobby Rahal mit der Königsklasse schwer. "Die Atmosphäre hat sich stark verändert. Das Paddock bekam einen sterilen Charakter. Es fühlt sich wie ein Hochsicherheitsgefängnis an, in das ironischerweise jeder rein will", erzählte er samt seines charakteristischen breiten Grinsens. Rahal hofft, dass dieses sich bis nach der Qualifikation (Samstag, 22:35 Uhr) hält.





