Formel 1: Jean Todt: "Viele hatten ein falsches Bild von Michael Schumacher"

Jean Todt über Michael Schumacher
„Viele hatten ein falsches Bild von ihm“

ArtikeldatumVeröffentlicht am 10.04.2026
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Seit dem schweren Ski-Unfall ist es ruhig geworden um Michael Schumacher. In Vergessenheit geraten ist der Rekord-Weltmeister aber längst nicht. Freunde und Wegbegleiter sprechen gerne über die goldenen Zeiten des deutschen Nationalhelden. Vor allem die großen Erfolge mit Ferrari werden seine Fans wohl noch gut in Erinnerung haben.

Neben Schumacher war damals vor allem Teamchef Jean Todt der Vater des Erfolgs. Der Franzose hat sich nun im High-Performance-Podcast ausführlich über die damalige Zeit geäußert. Der mittlerweile 80 Jahre alte Ex-Rennfahrer und Erfolgsmanager kann sich noch gut an die turbulente Phase Mitte der 90er Jahre erinnern. Dabei verriet Todt auch, dass er zunächst einen ganz anderen Fahrer verpflichten wollte.

"Wir hatten zuerst Ayrton Senna auf dem Radar. Ich erinnere mich, wie er 1993 am Rande des Rennens in Monza in mein Zimmer kam, um über einen Wechsel zu Ferrari zu sprechen. Er wollte direkt für 1994 kommen. Aber wir hatten schon Berger und Alesi unter Vertrag. Ich wollte ihn eigentlich für 1995 verpflichten. Aber dann ist er zu Williams gegangen", erinnert sich Todt.

Jean Todt - Formel 1 - 2019
Wilhelm

So lockte Todt Schumacher zu Ferrari

Ferrari war damals noch längst nicht das Siegerteam, zu dem es Anfang der 2000er-Jahre wurde. Aber kaum hatte Todt 1993 das Zepter in Maranello übernommen, konnte man die ersten Fortschritte erkennen. "Jetzt brauchten wir nur noch den besten Fahrer", so Todt. "Im Frühjahr 1995 haben wir uns dann mit Michael und Willi Weber in Monte-Carlo getroffen. Nach nur einem Tag Verhandlung haben wir den Vertrag unterschrieben."

Dass Schumacher 1996 direkt nach seinem zweiten WM-Titel mit Benetton zu Ferrari wechselte, sorgte damals für einen Schock bei den Fans. Es war klar, dass er bei der Scuderia erst einmal Aufbauarbeit leisten muss. Um Schumacher nach Maranello zu locken, legte Todt auch Ross Brawn und Rory Byrne Angebote vor. Mit beiden hatte Schumi vorher schon zusammengearbeitet.

Trotz der Erfolgskombination dauerte es bis zum Jahr 2000, bis endlich Titel Nummer drei eingetütet werden konnte. Anschließend legte Schumacher direkt noch die Weltmeisterschaften vier bis sieben nach. 20 Jahre danach enthüllte Todt, dass Schumacher intern ganz anders auftrat als nach außen. Viele werden den Rennfahrer sicher noch als mental stark und selbstbewusst in Erinnerung haben.

Jean Todt & Michael Schumacher - Ferrari - Formel 1
xpb

Arroganz war nur Fassade

Ganz so war es aber nicht. Die Fans hatten laut Todt ein falsches Bild vom besten Rennfahrer seiner Generation: "Eigentlich war er sehr zurückhaltend und überhaupt kein Besserwisser. Michael war eher ein schüchterner, großherziger Mensch. Er hat diese Schüchternheit aber damit überspielt, dass er nach außen arrogant wirkte. Das war sein Charakter."

Todt hat auch ein Beispiel parat, das zeigen soll, dass Schumacher stets Selbstzweifel in sich trug: "Vor dem Start einer Saison, nachdem er Weltmeister geworden ist, hat er mich mal gefragt, ob er einen halben Tag in Fiorano testen darf, um zu sehen, ob er es noch draufhat. Für mich ist das eine Stärke, wenn man zweifelt, ob man es noch kann."

Laut Todt war Schumacher damit auch nicht der einzige in einem Ferrari-Team, das Anfang der 2000er Jahre als praktisch unschlagbar galt: "Keiner von uns hat geglaubt, dass wir gut sind. Wir hatten immer Angst, dass wir nicht gut genug sind. Deshalb konnten wir die Erfolge auch nie so richtig genießen."

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