Noch vor dem ersten Grand Prix in Melbourne (8.3.) hat die Formel 1 den ersten großen Ärger. Seitdem kurz vor Weihnachten 2025 die Info durchsickerte, dass Mercedes ein cleverer Trick bei der Verdichtung des Verbrenners eingefallen sein soll, gibt es politische Machtspiele. Die Fraktion um Ferrari, Honda und Audi fordert von der FIA eine Klärung des Falls. Mercedes-Teamchef Toto Wolff hingegen pocht darauf, dass der Mercedes-Motor legal sei.
Mittlerweile ist ein weiterer Konkurrent ins Lager der Mercedes-Gegner gewechselt. Red Bull selbst soll nach verschiedenen Quellen dem Trick auf der Spur gewesen sein, habe es aber nicht hinbekommen, das Verdichtungsverhältnis auf 18:1 im Betrieb zu steigern, wie das Mercedes schafft. Laut des neuen Reglements ist nur ein Wert von 16:1 erlaubt, der aber statisch gemessen wird.
Der Automobil-Weltverband will die Causa nun bis zum ersten Rennen in Australien klären. Das hatte FIA-Sportchef Nikola Tombazis noch vor dem Auftakt der Testfahrten in Bahrain (11. bis 13. Februar) verkündet. Ein Verbot des Kniffs hätte allerdings massive Auswirkungen auf den Saisonstart.
Droht ein Skandal?
In Bahrain stürzen sich natürlich alle Medienvertreter auf das Thema. Williams-Teamchef James Vowles bezog als Mercedes-Kunde selbst Stellung: "Meine Haltung dazu ist, dass die Power Unit, die wir im Auto haben, vollständig den Vorschriften entspricht." Der Engländer kennt dank seiner Vergangenheit die Kollegen des Top-Teams. "Sie sind unglaublich gut darin, Regeländerungen zu lesen, die Regeln genau so zu verstehen, wie sie sind, und sicherzustellen, dass sie die Grenzen der Entwicklungsmöglichkeiten ausnutzen."
Für die Gegner hat Mercedes das Limit allerdings etwas zu weit verschoben. "Ich bin sicher, dass andere Teams aufgebracht sind, weil sie nicht in der Lage waren, das zu erreichen, was Mercedes geschafft hat", führte Vowles weiter aus. Sollte die FIA allerdings entscheiden, dass der Trick illegal ist, wären die Konsequenzen verheerend für Mercedes – und für die Formel 1.
Aus dem Lager der Silberpfeile wird der Ton ebenfalls verschärft. Sollte kurzfristig eine neue Messmethode eingeführt werden, drohe angeblich die Gefahr, dass acht Autos in Melbourne nicht an den Start gehen könnten. Neben dem Werksteam und Williams greifen auch die Weltmeister-Truppe von McLaren und Neukunde Alpine auf den Mercedes-Antrieb zurück.
Die Formel 1 hätte damit einen Skandal, der auf der ganzen Welt für Häme sorgen könnte. Das wäre ein desolater Start in die neue Ära und erinnert an Indianapolis 2005, als Reifenlieferant Michelin seine 14 Autos zurückziehen musste, weil der Pneu ein Sicherheitsrisiko war. Am Ende fuhren gerade einmal sechs Rennwagen.

Die FIA will noch bis Melbourne entscheiden, ob der Mercedes-Trick legal ist.
Hoffnung auf den Menschenverstand
So weit soll es im besten Fall aber nicht kommen. "Meine Hoffnung ist, dass der gesunde Menschenverstand überwiegt und dass wir als Sport erkennen, dass es sich bei der Formel 1 um eine Leistungsgesellschaft handelt. Die beste Ingenieurlösung gewinnt", appellierte James Vowles an die Entscheider. "
"Die FIA hat einen schwierigen Job. Du hast Teams, die mit 1.000 Personen gefüllt sind und über die Regeln nachdenken, die FIA hat 20 Leute", nahm Vowles die Regelhüter in Schutz.
Das letzte Wort in dem Motorenstreit um Mercedes ist definitiv noch nicht gesprochen. Kurzfristige technische Änderungen am Mercedes-Motor sind unter Umständen nicht umsetzbar. Viel Zeit bleibt der Königsklasse nicht mehr, um eine ausgewogene Lösung zu finden. Sollte sich an den Regeln nichts ändern, droht in Melbourne ein Protest. Bei Mercedes sieht man dem gelassen entgegen. Die Motoren seien schließlich in ihrer aktuellen Form homologiert.












