Mercedes präsentiert neues F1-Auto: Deshalb ist dieser Silberpfeil Titelfavorit

Mercedes zeigt erste Bilder vom W17
Deshalb ist dieser Silberpfeil Titelfavorit

ArtikeldatumVeröffentlicht am 22.01.2026
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Die vierjährige Groundeffect-Ära würde Mercedes am liebsten so schnell wie möglich vergessen. Auf einen weiteren WM-Titel mussten die Fans vergeblich warten, doch am Ende landete das deutsch-britische Werksteam immerhin stets unter den ersten vier im Konstrukteurspokal. Für den Rennstall, der von 2014 bis 2021 acht Mal in Folge Weltmeister wurde, ist das natürlich zu wenig.

Mit dem neuen Reglement sehen die Mercedes-Verantwortlichen nun die große Chance, wieder ganz nach oben zu kommen. Die Ingenieure machten sich sowohl beim Antrieb als auch bei der Entwicklung des restlichen Autos sehr früh an die komplexe Aufgabe. Ein Fehlstart wie bei der letzten großen Regelreform sollte unbedingt vermieden werden.

Vor allem bei der Power Unit erhofft man sich im Silberpfeil-Lager einen Vorteil gegenüber der Konkurrenz. Schon 2014, als die letzte Generation der V6-Hybrid-Motoren eingeführt wurde, präsentierte sich Mercedes am besten sortiert, was den Grundstein für die erwähnte Titelflut in den acht folgenden Jahren legte. Gerne würden Toto Wolff und seine Truppe diese Geschichte wiederholen.

Mercedes W17 - Renderings - Formel 1 - Auto - 2026
Mercedes

Mercedes-Vorteil dank Motoren-Trick

Es gibt auch schon erste Anzeichen, dass Mercedes beim Antrieb wieder die Benchmark darstellt. Die Techniker in der Motorenschmiede in Brixworth haben offenbar einen Trick gefunden, wie sie die Verdichtung im Zylinder im Betrieb von 16:1 auf 18:1 erhöhen können. Vom Reglement vorgeschrieben ist eigentlich ein Maximalwert von 1:16. Doch gemessen wird unter statischen Bedingungen bei normalen Umgebungstemperaturen.

Die Konkurrenz befürchtet, dass die Erhöhung der Verdichtung zwischen einer und zwei Zehnteln pro Runde wert sein könnte. Durch den hohen Anteil an elektrischer Energie und die Reduzierung der Spritmenge zählt beim neuen Antrieb die Effizienz noch mehr als bisher. Ein Vorteil von 10 bis 15 PS könnte hier ein echter Gamechanger sein. Dabei muss man erwähnen, dass natürlich auch die Kundenteams von McLaren, Williams und Alpine davon profitieren.

Neben dem Motor sollte auch das Auto selbst wieder konkurrenzfähiger sein. Mit dem Groundeffect-Reglement, bei dem der Großteil des Abtriebs über den Unterboden generiert wurde, gab es in den letzten Jahren immer wieder Rückschläge. Durch die fehlende Konstanz hatte man nie das Gefühl, dass die Aerodynamiker das Spiel mit den Luftströmen so sicher im Griff hatten, wie es teilweise bei der Konkurrenz der Fall war.

Mercedes W17 - Renderings - Formel 1 - Auto - 2026
Mercedes

Ungewöhnliche Seitenkastenform

Die neuen Technikregeln erinnern eher an die Zeit bis 2021, als der Mercedes sowohl mechanisch als auch aerodynamisch voll auf der Höhe lag. Von dem damaligen Wissen könnten die Ingenieure jetzt wieder profitieren, auch wenn für 2026 einige Details geändert wurden. So sorgen unter anderem der verstellbare Frontflügel, die großen Unterbodenleitbleche oder die drastische Reduzierung des Mindestgewichts für ganz neue Herausforderungen.

Beim Blick auf die ersten Renderings fällt natürlich zunächst die neue Lackierung ins Auge. Das Design erinnert an das Farbschema aus dem Vorjahr, mit der silbernen Nase und viel schwarzer Farbe im Heck. Auf den Seitenkästen sind nun drei breite silberne Streifen lackiert. An der Airbox bekommt der neue Sponsor Microsoft einen prominenten Platz. Die roten Sterne in Erinnerung an Niki Lauda finden sich am Cockpitrand wieder.

Wichtiger als der Anstrich ist aber die Technik. Und hier ist vor allem die Form der Seitenkästen ein echter Hingucker. Die Ansicht von oben zeigt, dass sich die Motorhaube zum Heck stark zusammenzieht. In der seitlichen Perspektive fällt auf, dass die Seitenkästen nicht wie in den Vorjahren als Rampe abfallen, sondern nach hinten eher ansteigen.

Mercedes W17 - Renderings - Formel 1 - Auto - 2026
Mercedes

Viele Details bleiben noch verborgen

Die großen Kühleinlässe am vorderen Ende, die im oberen Bereich ähnlich wie ein P weit nach außen ragen, erinnern dagegen stark an das Vorgängermodell. Neu ist das relativ große Segel hinten an der Motorverkleidung. Die Finne bietet viel Platz, um die Startnummern der Piloten anzubringen.

Bei vielen Details wirken die Computerbilder aber noch sehr generisch. Die Nase, die Form der Flügel, das vorgezogene Leitblech an der Flanke und der Unterboden zeigen keine besonderen Merkmale. Hier will uns Mercedes sicher noch nicht das endgültige Design präsentieren. An den Vorderrädern sind auch keine Hutzen für die Bremskühlung zu sehen.

Aus den Vorjahren wissen wir, dass Mercedes bei seinen Renderings aber wenigstens bei den Aufhängungen schon eine relativ fortgeschrittene Version enthüllt. Vorne wird der Silberpfeil wie zuletzt von Pushrod-Dämpfern gefedert, wie wir es auch von Red Bull, Audi und Ferrari erwarten. Die Bilder zeigen außerdem weit vorne am Chassis angelenkte Spurstangen. Auf der Hinterachse sind die Bilder nicht ganz eindeutig. Auf den ersten Blick sieht es eher nach einem Wechsel auf ein Pullrod-System aus.

George Russell & Kimi Antonelli -Porträt - 2026
Mercedes

Ist Russell der WM-Favorit?

Fahrerisch muss man sich keine Sorgen um die Konkurrenzfähigkeit von Mercedes machen. Zwar hat Speerspitze George Russell noch nicht bewiesen, dass er um Meisterschaften kämpfen kann. Doch fast alle Experten sind sich sicher, dass er das Zeug zum Champion hat, wenn er das richtige Material bekommt. Teamkollege Kimi Antonelli hat in seiner Rookie-Saison im Vorjahr schon sein Talent angedeutet. Wenn er die Leistung noch etwas konstanter abliefert, kann er auch ganz vorne mitmischen.

Toto Wolff hofft, dass man die Hausaufgaben für die neue Formel-1-Ära gut erledigt hat: "Die Formel 1 wird 2026 eine bedeutende Veränderung erleben, und wir sind auf diesen Übergang vorbereitet. Das neue Reglement erfordert Innovation und absolute Konzentration in allen Performance-Bereichen. Unsere Arbeit am neuen Auto und die langfristige Entwicklung der Power Unit sowie fortschrittlicher, nachhaltiger Kraftstoffe mit Petronas spiegeln diesen Ansatz wider."

"Die Veröffentlichung der ersten Bilder des W17 ist lediglich der nächste Schritt in diesem Prozess. Sie steht für die kontinuierlichen gemeinsamen Anstrengungen unserer Teams in Brixworth und Brackley. Wir werden in den kommenden Monaten weiter hart daran arbeiten."

Fazit