Antonio Felix da Costa - DS Techeetah - Formel E - Marrakesch 2020 FIA Formula E

Formel E in Marrakesch 2020

Sieg für Félix da Costa, Pleite für Mercedes

António Félix Da Costa gewann in Marrakesch sein erstes Saisonrennen und übernahm gleichzeitig die Meisterschaftsführung. BMW-Pilot Maximilian Günther wurde Zweiter. Während Audi und Porsche wenigstens punkteten, ging Mercedes leer aus.

So richtig Druck hatte Antonio Félix da Costa nur einmal. Nämlich, als er zur Dopingkontrolle antreten musste. „Die Blase drückt!“ Und so flüchtete der fidele Portugiese schnell aus der Mixed-Zone vor der Journalistenschar. Noch bevor er detaillierte Fragen zur Taktik seines siegreichen DS-Techeetah-Teams erörtern konnte. Das portugiesische Orakel ließ es bewenden mit einem rätselhaften Zitat: „Das Rennen war komplizierter als es aussah. Wir mussten in die Taktik-Trickkiste greifen.“

Also war es an Maximilian Günther, dem Zweitplatzierten, über die rätselhaften Taktikspielchen aufzuklären. Seltsam war vor allem, dass der BMW-Fahrer aus dem Allgäu kurz vor Halbzeit des Rennens plötzlich in Führung gehen konnte. Es hatte den Anschein, als hätte sich Félix da Costa im Techeetah nicht allzu heftig gewehrt. Ein trickreiches Manöver des Portugiesen, um Strom zu sparen? „António und ich, wir wussten wohl beide, dass wir Energie haushalten müssen“, meinte Günther. „Auch als ich in Führung lag, dachte ich immer ans Energiemanagen.“

Im Windschatten Strom sparen

Félix da Costa klemmte sich in den Windschatten des BMW. Der Portugiese nahm den Deutschen in eine Art Manndeckung. Es sah fast so aus, als wären die Autos zusammengekettet. „Mit Windschattenfahren kann man schon ein bisschen Strom sparen“, erklärte Günther später. „Wir haben das sehr sensibel gemanagt.“

Ein paar Runden später nutzte Félix da Costa den Attack-Mode, der 35 Kilowatt an Extraleistung bringt, setzte einen Konter und entschwand fortan am Horizont. Es war ein schlussendlich sicherer Sieg – sein erster in dieser Saison und sein dritter in der Elektroserie insgesamt.

Günther hatte in der späten Phase des Rennens alle Hände voll damit zu tun, sich Jean-Éric Vergne vom Hals zu halten. Zwar gelang es dem Titelverteidiger, sich an Günther vorbei zu quetschen, doch der BMW-Pilot hatte noch einen Pfeil im Köcher. Auf dem letzten Kilometer überrumpelte er Vergne, heimste 18 Punkte ein und meldete damit seine Titelambitionen an.

Der Oberstdorfer liegt nun auf Tabellenplatz vier, 23 Zähler hinter Spitzenreiter Félix da Costa, und insgeheim trauert er den 18 verschenkten Punkten von Riad hinterher. Beim Saisonauftakt verlor er seinen zweiten Platz und somit 18 Zähler nach einem Schiedsspruch der Kommissare wegen eines unkorrekten Überholmanövers.

Maximilian Günther - BMW - Formel E - Marrakesch 2020
BMW
Maximilian Günther lenkte seinen BMW in Marrakesch auf den zweiten Platz.

Vergne trotzt den Umständen

Diesmal war alles im grünen Bereich, und auch Vergne, der im Formel E-Fahrerlager auch für seine heftigen Beschwerden über den gegnerischen Fahrstil bekannt ist, fügte sich ohne Widerworte. Der Franzose bot eine wirklich bemerkenswerte Leistung. Erstens, weil er seinen elften Startplatz in ein stolzes Podiumsresultat überführte. Zweitens, weil er ernstlich krank war.

Während des Freien Trainings am Freitag lag er im Krankenhaus. Der Verdacht auf Corona bestätigte sich zum Glück nicht, doch Vergne klagte über Grippe mit heftigem Fieber. „Beim Rennen habe ich mich aber topfit gefühlt. Ich habe alle Gegner einfach weggehustet“, witzelte der Franzose.

Eine bemerkenswerte Aufholjagd gelang auch Mitch Evans. Der Jaguar-Mann verzockte sich im Qualifying. Er startete zu spät, exakt 0,3 Sekunden nach dem Fallen der karierten Flagge, in die gezeitete Runde. Das Resultat: Startplatz 21. Jaguar Racing-Chef Gerd Mäuser ärgerte sich: „Ein blöder Fehler, der uns vielleicht noch teuer zu stehen kommt, auch im Hinblick auf die Meisterschaft.“

Ganz so schlimm wurde es nicht. Evans rettete noch Rang sechs hinter Sébastien Buemi und Edoardo Mortara. Erneut der Beweis dafür, dass Jaguar zusammen mit BMW und DS-Techeetah endgültig die Rolle des Platzhirschen übernommen hat.

Für das Triumvirat der deutschen Premiumhersteller Audi, Mercedes und Porsche lief es rumpelig. Ingolstadt verbuchte Platz sieben für Lucas di Grassi. „Wir haben viel Arbeit vor uns“, grantelte Teamchef Alan McNish. Porsche-Mann André Lotterer ließ im Qualifying aufhorchen: Platz drei. Doch in der Schlussphase des Rennens war er nur noch passiv an Überholmanövern beteiligt. Nach seinem achten Platz rätselte Lotterer über den schwachen Speed im Endspurt: „Handling? Energiemanagement? Es kann beides sein.“

Mercedes verschwand komplett in der Anonymität der zweiten Tabellenhälfte: Nyck de Vries lief als Elfter ein. Es wäre mehr drin gewesen für den GP2-Champion. Doch eine Durchfahrtstrafe kostete den Holländer einen sicheren Punkterang.

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In der letzten Runde holte sich Maximilian Günther den Sieg.

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