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Porsche feiert ersten Formel-E-Sieg in Mexiko

Formel E Mexiko 2022 Porsche feiert ersten Elektro-Erfolg

Dank eines dominanten Qualifyings und einer guten Strategie konnte Porsche in Mexiko-City seinen ersten (Doppel-)Sieg in der Formel E einfahren. Fehlende Unterbrechungen und eine "ungünstige Zusatzrunde" provozierten am Ende Reichweiten-Chaos.     

Kurz nach der Zieldurchfahrt wurde fleißig in den Geschichtsbüchern geblättert. Wann war er denn nun, der letzte Sieg eines Formel-Projekts aus dem Hause Porsche? Für die einen erschien der Formel-1-Triumph des unvergessenen Dan Gurney im Jahr 1962 als beste Antwort, für andere klang der CART-Erfolg des Mailänders Teodorico "Teo" Fabi in Mid-Ohio in der Saison 1989 plausibler.

Während Gurneys Typ 804 zweifelsohne als waschechter Porsche durchgeht, gab es einige Diskussionen um die Bezeichnung des US-Renners: Porsche-March 89P. War Porsche also nur ein Motorenlieferant? Keineswegs! Da der deutsche Sportwagenbauer Probleme mit dem selbstentwickelten Chassis hatte, bekam er vom englischen Spezialisten March erst ein Kundenchassis und für die Saison 1989 dann ein maßgeschneidertes Monocoque zugeliefert. Wenn man so will, ist die CART-Historie sogar näher am Prinzip der aktuellen Formel E dran. Spätestens seit dem 12. Februar 2022 sind aber nun beide Siege endgültig abgeschlossene Geschichte.

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Der letzte siegreiche Porsche-Formel-Renner: der Porsche-March 89P in Mid-Ohio.

Von Anfang an stark

Nach den Nackenschlägen der letzten Mexiko-Reise – unter anderem wurde Pascal Wehrlein ein Sieg aberkannt – und dem mittelmäßigen Auftakt in Saudi-Arabien war Porsche mit der nötigen Motivation nach Lateinamerika gereist. Diesmal war wieder das beliebte Autódromo Hermanos Rodríguez samt spektakulärer Stadionsektion Austragungsort. Davor hatte es als temporäres Krankenhaus für COVID-19-Erkrankte eine hehrere Rolle zu erfüllen und wurde von Puebla vertreten.

Obwohl Pascal Wehrlein über das gesamte Qualifikationsturnier hinweg das beste Auto hatte, war im Finale auch das Glück auf seiner Seite. Sein Konkurrent Edoardo Mortara (Venturi-Mercedes) hatte kurz vor der Ziellinie die Kontrolle über das Heck verloren. Infolgedessen rutschte er mit der Seite voran über den Strich und verlor so entscheidende Zehntel. Wehrleins Teamkollege André Lotterer war vorher von Mortara rausgekegelt worden, sicherte sich abschließend aber Startplatz 3. Die DS-Techeetah-Piloten Jean-Éric Vergne und António Félix da Costa rundeten das Spitzen-Quintett ab.

Direkt beim Start setzte Mortara Wehrlein unter Druck, musste sich für die folgenden Minuten aber zwischen den beiden Porsche einordnen. Hinter den verfolgenden DS ging es in der Anfangsphase mächtig zur Sache, jedoch gab es bis zu den ersten Aktivierungen des Attack-Mode nur wenige Veränderungen. Nach etwas mehr als fünf Minuten holten sich Lotterer, Mortara und Wehrlein als erste Piloten in der Top 10 die Zusatz-kW und läuteten so ein intensives Ende für das erste Renndrittel ein. Selbiges schloss Mortara in Führung liegend ab, dahinter starteten die DS-Techeetah eine Offensive gegen die Porsche.

Im Anschluss an die zweiten Aktivierungen sah es dann kurz so aus, als ob der Sieg den Porsche wiederholt durch die Finger gleiten sollte, doch der Eindruck täuschte gewaltig. Während man 20 Minuten vor Ende auf den Plätzen 3 und 4 lag, war rund 13 Minuten vor Ablauf der Zeit bereits die ersehnte Doppelführung erreicht. Florian Modlinger, neuer Gesamtprojektleiter Formel E, analysierte: "Als die Fahrer anfangs zurückfielen, sind alle im Team ruhig geblieben. In der Schlussphase konnten sie sich dann über den Energievorteil, den sie sich erarbeitet haben, nach vorne kämpfen."

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Aus Taktikgründen musste André Lotterer hinter Pascal Wehrlein bleiben.

Porsche rechnet am besten

Trotz der Übernahme der Doppelführung mussten die Porsche-Ingenieure allerdings noch einmal eingreifen. Sie funkten dem zweitplatzierten André Lotterer die Bitte ins Auto, die Konstellation bis zum Ende zu respektieren. Dem 40-Jährigen wird der Aufruf zwar sicher nicht gefallen haben, doch die Botschaft war klar: Ein möglicher teaminterner Kampf würde den Reichweitenvorteil massiv torpedieren.

Der dreimalige Le-Mans-Sieger gab sich nach dem Rennen deshalb als Teamplayer: "Aus der Sicht des Teams war es die richtige Entscheidung. Es ist hart, aber ich hätte mich einfach besser qualifizieren müssen." Der nun endlich von seinem Mexiko-Pech erlöste Wehrlein wusste es zu schätzen und lobte die Schützenhilfe seines älteren Kollegen. Dass beide nun punktgleich in der Weltmeisterschaft liegen, wird die Lage entspannt haben.

Nicht ganz so entspannt war die Lage bei einigen Konkurrenten, die mangels Neutralisierungen und durch eine unerwartete 40. Runde in Reichenweiten-Probleme kamen. Porsches "Gameplan" sah diese hingegen von Beginn an vor und zielte schlussendlich auch darauf ab – ein weiterer wichtiger Baustein auf dem Weg zum historischen Erfolg. Nur DS konnte mit dem final auf Rang 3 abgewinkten Top-Fahrer Vergne eine vergleichbare Strategie umsetzen. Die Porsche waren aber am Ende enteilt.

Für viele Verfolger wurden in den Schlussminuten derweil längst verdrängte Erinnerung an Valencia wach, wo im vergangenen Jahr ebenfalls Timing-Pech für großes Zittern gesorgt hatte. Ein gutes Beispiel für das finale Durcheinander ist der deutsche Nissan-Pilot Maximilian Günther, der eine Sekunde vor Ablauf der Zeit im Live-Timing auf Platz 16 zurückfiel. Im End-Klassement war er der drittbeste Deutsche auf Rang 9 – typisch Formel E.

In der Fahrerwertung behielt Edoardo Mortara die Spitze. Dank eines ebenfalls bemerkenswerten Schlussspurts auf Position 6 konnte sich Mercedes-Mann de Vries in der Verfolgerrolle halten. Mit den Gesamtplätzen 3 und 4 haben Wehrlein und Lotterer ihre Weltmeisterschaftsambitionen unterstrichen. Weiter geht es am 9. und 10. April in Rom.     

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Weltmeister Nyck de Vries gewinnt den zweiten Lauf der Formel E in Berlin.

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