Formel E Rom 2022 Mitch Evans Jaguar Robin Frijns Jean-Eric Vergne Motorsport Images

Mitch Evans und Jaguar mit Doppelsieg in Rom

Formel E Rom 2022 Mitch Evans schlägt doppelt zurück

Jaguar-Pilot Mitch Evans hat die Konkurrenz mit einem Zweifach-Erfolg in Rom geschockt. An beiden Renntagen war der Neuseeländer dank der besten Effizienz überlegen. Nach fünf von 16 Rennen geht es in beiden Weltmeisterschaftswertungen eng zu.

Mitch Evans und sein Jaguar-Team waren nach dem Mexiko-Lauf am Boden zerstört. Die britische Mannschaft, die sich im Vorfeld selbstbewusst als Titelkandidat ausgerufen hatte, erlebte auf dem Autódromo Hermanos Rodríguez ein Debakel und lag auf einer ihrer besten Strecken weit hinter der Konkurrenz. Der enttäuschte Team-Chef James Barclay erklärte damals: "Unsere Leistung im Rennen ist konkurrenzfähig, aber im Qualifying waren wir zu langsam. Wir müssen uns jetzt zusammenraufen und mit Kampfeswillen zurückkehren."

Für Jaguar, aber auch für einige andere Teams, kam die zweimonatige Pause – Pläne für ein Rennen in China waren Corona-bedingt durchgefallen – somit zu einem perfekten Zeitpunkt. Evans verbrachte wie die meisten seiner Rivalen viel Zeit im Simulator und berichtete von einer intensiven Aufarbeitung der Ereignisse. Der mexikanische Weckruf hätte das Team noch mehr zusammenrücken lassen. Dass er aber auch die Raubkatzenmarke zurück an die Spitze bringen kann, war zumindest in der ersten Qualifikation am Samstag nicht zu erkennen.

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In den Schatten gestellt: Mitch Evans' Jaguar kombinierte Effizienz und Speed am besten.

Jaguar im Rennen überlegen

Die Pole-Position und die damit verbundenen drei Punkte gingen wie beim Auftaktlauf in Saudi-Arabien an den Mercedes-Piloten Stoffel Vandoorne. Dieser setzte sich in der finalen K.-o.-Phase gegen Robin Frijns (Envision-Audi) durch. Die zweite Startreihe wurde vom amtierenden Weltmeister Nyck de Vries (Mercedes) und dem DS-Piloten António Félix da Costa gebildet.

Nach einem zunächst sauberen Start brachte ein kurzer Stau samt Auffahrunfällen in Kurve 7 erstes Chaos. In Folge dessen rutschte Nissan-Mann Maximilian Günther mit Aufhängungsschaden raus, die erste – und einzige – Neutralisierung des römischen Auftaktlaufs wurde nötig. Obwohl Vandoorne wie zu Beginn gut aus den Startlöchern kam, sah er sich schnell von Frijns unter Druck gesetzt. Bis zu den ersten Aktivierungen des Attack-Modes (zweimal vier Minuten am Samstag) nach rund 15 Minuten sollte es jedoch keine größeren Veränderungen geben.

Zu den ersten Nutzern der Zusatz-kW gehörte das Porsche-Duo Pascal Wehrlein und André Lotterer, das nach dem Erfolg in Mexiko am Samstag um einstellige Punkte kämpfte. Nur wenige Minuten später durchfuhren dann Vandoorne und sein Teamkollege de Vries die Schleifen am Fuße des Marconi-Obelisken. In den zwei anschließenden Runden folgten Frijns und der von Platz 9 gestartete Evans. Der Neuseeländer konnte dank der späteren Aktivierung seinen geduldig erkämpften sechsten Rang verteidigen und sich so für die zweite Phase der Aktivierungen in Position bringen.

Diese eröffnete an der Spitze diesmal Robin Frijns. Der Niederländer lieferte sich daraufhin ein sehenswertes Duell mit Vandoorne, der eine Runde später die Zusatz-Power holte. Wie zuvor wartete Evans hingegen wieder ab und nutzte clever seinen Effizienz-Vorteil, der ihn bis auf Platz 3 hob. Mithilfe des aufgesparten Boosts stürmte er an den sich bekämpfenden Vandoorne und Frijns vorbei.

Während Evans vorne entkam, mischte auch Jean-Éric Vergne (DS-Techeetah) plötzlich an der Spitze mit. Schlussendlich bildeten trotzdem Evans, Frijns und Vandoorne das Trio auf dem Podest. Der Jaguar-Pilot jubelte: "Wir wussten ja, dass wir stark sein werden, aber doch nicht so stark!" Vandoorne lobte: "Mitch war heute auf einem anderen Planeten unterwegs."

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Ex-DTM-Pilot Robin Frijns ist mit dem Audi-Kundenmotor weiterhin konkurrenzfähig.

Strategie funktioniert zweimal

Nach einem trüben Samstag bot der zweite Renntag reichlich Sonne und wärmere Bedingungen. Dementsprechend rückte das Hitze-Management der Michelin-Reifen wieder stärker in den Fokus. In der Qualifikation gelang dies diesmal Jean-Éric Vergne am besten, der sich im Finale gegen Jake Dennis (Andretti-BMW) durchsetzte. André Lotterer und Mitch Evans belegten die zweite Reihe. Mit Sam Bird auf Platz 5 bewies Jaguar, dass man auch bei der Zeitenfahrt einen deutlichen Sprung machen konnte.

Für den zweiten Lauf entschied sich die Rennleitung wie bereits bekannt für taktische Abwechslung und gab einmal acht Minuten Attack-Mode frei. Somit wog das Risiko einer drohenden Safety-Car-Unterbrechung noch schwerer für die Teams. Die Startphase sah einen ambitionierten André Lotterer, der sich mehrmals an Dennis probierte und ihn abschließend auch überholen konnte. Evans zog wenig später nach und schnappte sich zudem Lotterer. Angesichts des ausstehenden Effizienz-Vorteils wurden die Sorgenfalten der Konkurrenz schnell formatfüllend.

Kurz nach dem Ende des ersten Renndrittels löste der ausgerollte Lokalmatador Antonio Giovinazzi (Dragon) dann die erste SC-Phase aus. Pascal Wehrlein hatte zu diesem Zeitpunkt ärgerlicherweise seinen Attack-Mode scharf gestellt. Der Rest des Feldes zog erst in den Minuten nach der Rennhalbzeit nach – allerdings wieder mit einer großen Ausnahme: Mitch Evans. Elf Minuten vor Ablauf der regulären Rennzeit dürfte dann aber eine SC-Phase für Kopfzerbrechen bei Jaguar gesorgt haben: Mahindra-Fahrer Alexander Sims war in einer Auslaufzone gestrandet.

Evans lag zum Zeitpunkt des Vorfalls hinter Lotterer und Frijns. Obwohl Evans beim Restart erst auf Rang 4 zurückfiel, kämpfte er sich noch vor dem Beginn der Extra Time dank Boost nahezu mühelos in die Führung. Eine dritte SC-Phase nach dem Mauereinschlag von Nick Cassidy (Envision-Audi) sorgte für eine abschließende letzte Runde unter Grün. Auch am zweiten Tag sollte Evans nicht zu schlagen sein. Er lief vor dem neuen Meisterschaftsführenden Jean-Éric Vergne und Robin Frijns ins Ziel ein. Lotterer brachte einen guten vierten Platz ins Ziel.

"Vielleicht bin ich ja zur Hälfte Italiener", grübelte Rom-Spezialist Evans angesichts seiner Rom-Vorliebe. "Ursprünglich kam ich mit der Hoffnung nach Rom, solide Punkte zu holen, aber ein Doppelsieg ist unglaublich. Wir können feiern!"

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Sprung an die Spitze: Mit zwei Top-4-Resultaten holte sich Jean-Éric Vergne die Tabellenführung.

Vorfreude auf Saisonhighlight

Am 30. April steht nun der Saisonhöhepunkt auf dem vollen Grand-Prix-Kurs von Monaco an. Im Rahmen dessen will die Serie zudem ihre dritte Fahrzeug-Generation vorstellen, die mit Maserati einen neuen Hersteller anlocken konnte. Die Italiener kündigten kürzlich an, mit dem monegassischen Team Venturi Racing zu kooperieren.

In beiden Wertungen ergibt sich nach Rom nun ein spannend-enges Bild. Bei den Fahrern trennen die Top 3 gerade einmal vier Punkte. Bei den Teams sind es angeführt von Mercedes 14 Punkte. Gute Vorzeichen für ein unterhaltsames Rest-Jahr!

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