Stoffel Vandoorne - Mercedes - Formel E - ePrix - Rom 2021 Mercedes
Porsche Taycan - Formel E Safety-Car 2022
Porsche Taycan - Formel E Safety-Car 2022
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Porsche Taycan - Formel E Safety-Car 2022 10 Bilder

Vorschau Formel E 2022: Zurück zur Normalität

Formel E Saisonvorschau 2022 Zurück zur Normalität

Nach zwei turbulenten Corona-Jahren hoffen die Formel-E-Verantwortlichen auf eine Saison, die ausschließlich sportliche Ausrufezeichen setzt – und so für Vorfreude auf die dritte Fahrzeuggeneration in der neunten Saison sorgt.

Man will anders sein. Daraus machte die Formel E seit ihrem ersten Rennen im September 2014 wahrlich keinen Hehl. Moralische Öko-Botschaften, herausfordernde Stadtkurse in den hipsten Metropolen der Welt und actionreicher Sport mit einem Hang zum Übertriebenen: All das ließ die E-Serie schnell zu einem festen Bestandteil der Motorsportwelt aufsteigen.

Der bisherige Höhepunkt war die Verleihung des Weltmeisterschafts-Status durch die FIA. Selbst die größten Kritiker – und davon gibt es immer noch zahlreiche – erkennen mittlerweile die Rolle der Formel E als einzig relevante Elektro-Meisterschaft an. Der Spanier Alejandro Agag, ehemaliger Politiker und Gründer der Formel E, habe zum richtigen Zeitpunkt die richtige Idee gehabt.

Doch was passiert, wenn genau das, was die Serie anders gemacht hat, plötzlich zu ihrer größten Gefahr wird? Genau dieses Dilemma stellte die noch junge Serie in den letzten zwei Jahren vor ihre bislang größte Herausforderung. Die Pandemie ließ ihre typischen Stadtrennen mit Festivalcharakter zu potenziellen Superspreader-Events mutieren.

Nachdem die sechste Saison dank des Super-Finales in Berlin mit gleich sechs Rennen im August 2020 gerade so über die Bühne gebracht wurde, kehrte 2021 wenigstens etwas Normalität zurück. Auch wenn man auf zwei modifizierte permanente Rennstrecken nahe Valencia und Mexiko-Stadt ausweichen musste, um den Kalender aufzufüllen.

Safety-Car - Formel E - Valencia - 2021
FE
Die Formel E kommt 2022 ohne permanente Rennstrecken aus.

Kalender 2022 nur mit Stadtrennen

Natürlich war man mit diesem Problem nicht allein. Auch die Formel 1 musste ihre beliebten Städtereisen nach Monaco, Montreal oder auch Singapur im Jahr 2020 absagen. Für die Formel E sind Stadtrennen jedoch die unantastbare DNA. Jamie Reigle, seit zwei Jahren CEO der Formel E, erklärt: "Unsere Serie hat zwei Alleinstellungsmerkmale: E-Antriebe und Stadtkurse. Daran dürfen wir nichts ändern."

Dementsprechend hoffnungsvoll blicken die Kalenderplaner nun auf die neue Saison, die an diesem Wochenende (29.1.) in Saudi-Arabien startet. Die Verantwortlichen konnten dabei auf umgebaute permanente Kurse verzichten und haben sogar Newcomer wie Jakarta, Vancouver und Seoul aufgenommen.

Während die eine Krise somit unter Kontrolle scheint, tat sich parallel allerdings schon die nächste auf. Im letzten Winter und nach dem Saisonfinale im Sommer ereilten die Formel E gleich drei herbe Hiobsbotschaften: Die deutschen Premium-Hersteller Audi, BMW und Mercedes wollen nicht die neue Fahrzeuggeneration ab der neunten Saison (2022/2023) unterstützen und steigen vorher aus.

Während Mercedes als amtierender Weltmeister wenigstens noch die Titelverteidigung in Angriff nimmt, werden die bayerischen Hersteller heuer nur noch mit Kundenmotoren vertreten sein – die sind ja schließlich bereits entwickelt und vorhanden.

Alle drei Hersteller erklärten ihre Ausstiege damit, sich dank der Formel E nun endgültig als aufstrebende Elektromarken präsentiert zu haben und stattdessen neue Herausforderungen bei Straßenstromern oder in anderen Motorsportdisziplinen suchen zu wollen.

Formula E, Puebla E-Prix 2021
Audi
Gründungsmitglied Audi hat sich genau wie BMW aus der Serie verabschiedet.

Keine Formel Germany

Warum sollte man sich dann überhaupt auf die neue Saison freuen? Eine passende Antwort darauf findet man in den Ergebnissen des vergangenen Jahres. Mit gleich elf Rennsiegern und einem bis zum Ende spannenden Titelkampf gehörte das Feld zu den engsten der Motorsporthistorie. Obwohl Audi, BMW und Mercedes ohne Zweifel ihre Topmannschaften entsandt haben, waren Erfolge alles andere als garantiert.

So belegte zum Beispiel Jaguar Racing mit seinen Werksfahrern Sam Bird und Mitch Evans den zweiten Platz in der Teamwertung und kündigte bereits an, als Nächstes die Weltmeisterschaft nach England holen zu wollen.

Auch der Dritte der Teamwertung, DS Techeetah, trug bis zum Ende den Titelkampf an die Konkurrenz aus Stuttgart heran. Die Kooperation zwischen der elektrifizierten Nobelmarke von Stellantis und einem chinesischen Kapitalunternehmen gewann in den Saisons 2018/2019 und 2019/2020 jeweils den Teamtitel und schlug laut vielen Beobachtern dabei weit oberhalb der eigenen Gewichtsklasse. Das soll auch 2022 dank der gleichen Autos das Ziel sein.

Mit Nissan und Mahindra bleiben zudem zwei weitere namhafte Marken mit Verbindungen in den aufstrebenden E-Markt Asien langfristig erhalten. Der Elektro-Pionier Nissan, der das Team von Allianzpartner Renault vor einigen Jahren übernahm, will nach der zähen Saison 2020/2021 zurückschlagen.

Dafür hat man sich die Dienste des deutschen Rennsiegers Maximilian Günther gesichert, der an der Seite des früheren Champions Sébastien Buemi an den Start gehen wird. Mahindra, ein durchaus traditionsreicher indischer Autobauer, verlor ebenfalls etwas den Anschluss, zeigte aber das Potenzial für eine Attacke im kommenden Jahr.

Porsche - Formel E - 2019
Porsche
Porsche blieb ein Sieg in den ersten zwei Saisons seit dem Einstieg bislang verwehrt.

Porsche will ersten Sieg

Abgerundet wird das Feld der Werksteams vom besagten Titelverteidiger Mercedes und – nicht zu vergessen – von Porsche. Die erfolgsverwöhnte Truppe aus Zuffenhausen erlebte auch wegen der Pandemie einen harzigen Einstieg in die Serie und will das auf die harte Tour Gelernte nun endlich in Siege und Titel ummünzen.

Die Privatteams der E-Meisterschaft sind alles andere als Feldauffüller. BMW-Kunde Andretti Autosport sorgte letzten Herbst mit der versuchten Übernahme des Formel-1-Teams von Alfa Romeo/Sauber für ordentlich Wirbel. Das Audi-Gegenstück Envision Racing (ehemals Virgin) schlägt regelmäßig die Werksteams in der Endabrechnung. Dasselbe gilt für das in Monaco beheimatete Team Venturi Racing unter der Führung von Susie Wolff. Am unteren Ende der Tabelle waren in der vergangenen Saison Dragon/Penske Autosport und Nio zu finden.

Wenn man aus dieser Aufzählung Mercedes wegnimmt, bleibt also eine gute Basis für die Zukunft der Serie. Allein darauf hoffen will CEO Reigle aber nicht: "Wie beim Sport gilt auch bei der wirtschaftlichen Seite, dass wir gleiche Voraussetzungen für alle Teams schaffen müssen. Deswegen planen wir, mit dem Start der neuen Fahrzeuggeneration einen Kostendeckel einzuführen. Durch die Begrenzung der Ausgaben haben die Hersteller mehr wirtschaftliche Sicherheit und werden unabhängiger von den Krisen. Letztendlich braucht es eine gute Mischung aus Werks- und Privatteams." Ähnlich wie in der Formel 1 soll man dank des Konzepts auf Dauer Geld mit dem Antreten verdienen können.

Thomas Chevaucher, Direktor von DS Performance, fasst zusammen: "Die aktuelle Lage der Formel E kann als eine Art Erwachsenwerden verstanden werden. Nach den Anfangsjahren mit dem Ruf als Neuling und nach den schwierigen Corona-Jahren hat die Serie nun ein solides, stabiles Level erreicht."

Hinsichtlich des zuletzt recht unberechenbaren Sports mahnt Chevaucher aber an, einen Mittelweg zu finden: "Es braucht eine Balance zwischen Show und Fairness. An dieser Balance müssen wir alle zusammen arbeiten." Tommaso Volpe, Motorsportchef von Nissan, ergänzt: "Der Sport soll aufregend und actionreich bleiben. Das macht die Serie auch zukünftig anders und einzigartig."

Formel-E-Kalender 2022

Rennen Datum Land Stadt
1 28. Januar Saudi-Arabien Riyadh
2 29. Januar Saudi-Arabien Riyadh
3 12. Februar Mexiko Mexico City
4 9. April Italien Rom
5 10. April Italien Rom
6 30. April Monaco Monte Carlo
7 14. Mai Deutschland Berlin
8 15. Mai Deutschland Berlin
9 4. Juni Indonesien Jakarta
10 2. Juli Kanada Vancouver
11 16. Juli USA New York
12 17. Juli USA New York
13 30 Juli England London
14 31. Juli England London
15 13. August Südkorea Seoul
16 14. August Südkorea Seoul
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