Der Countdown nähert sich der Null. Kommende Woche wagt Mick Schumacher seine allerersten Runden auf einem Ovalkurs, Ende Februar beginnt dann sein Debütwochenende in St. Petersburg. Vor dem stressigen Testendspurt lädt die US-Serie ihre Piloten traditionell zu den Medientagen. Neben der Produktion der bunten Trailer von TV-Partner FOX müssen sie sich auch den Fragen der Journalisten stellen. Medienprofi Mick Schumacher wird davon natürlich nicht mehr nervös. Gleiches gilt für sein IndyCar-Abenteuer.
"Der Übergang lief bisher rund, vor allem beim Fachvokabular muss ich jedoch noch etwas pauken. Auch die Metriken sind anders – keine Meter, sondern Feet oder Yards! Das Team gibt mir alles, was ich dafür brauche. Ich glaube, dass wir schon gut aufgestellt sind", fasst er den überschaubaren Kulturschock zusammen. Mit der Sprache spielt Schumacher auf teils gravierende Unterschiede der Fachbegriffe an. Statt "Oversteer", also Übersteuern, sprechen nordamerikanische Racer häufig von "lose". Aus "Understeer" wird hingegen "tight". Kleinigkeiten, die im Notfall entscheidend sein können.
Mittlerweile ist auch bekannt, wer den 26-Jährigen am Kommandostand betreuen wird. Mike Pawlowski wechselt zum Team Rahal Letterman Lanigan und bringt massiv Erfahrung mit. Der Renningenieur führte etwa den NASCAR-Star Kyle Larson durch dessen Indy-500-Gaststart. Und weiß dementsprechend, wie er Talente aus anderen Szenen schnell auf Einsatztemperatur bringt. Parallel bekommt Schumacher das Feedback des neu verpflichteten Fahrercoaches Ryan Briscoe. Dieser war 2025 Teil eines Wunders: Er verhalf dem Prema-Rookie Robert Shwartzman ansatzlos zur Indy-500-Pole-Position.
Keine Sonderrolle für Indy 500
Obwohl Mick Schumacher ebenfalls vorfreudig das unangefochtene Saisonhighlight erwartet, bremst er clevererweise den Hype. Denn ähnlich wie schon bei Le Mans bricht er eine Lanze für den Rest der Saison: "Ich will jedes Rennen als Aufgabe für sich sehen und mich dementsprechend konzentrieren." Sein Fokus gilt allerdings zunächst dem zweiten Rennen durch das kompakte Phoenix-Oval (7. März).
Kommende Woche fährt der Deutsche einen Privattest auf dem weiten Rund von Homestead-Miami (4. Februar), um das echte Linkskurven-Gefühl mit zwei bisherigen Sim-Tagen abzugleichen. "Dort gilt es zu lernen, wie die Linien oben und unten funktionieren. Dazu kommen die wirklich speziellen Luftverwirbelungen. Mein sehr erfahrener Teamkollege Graham Rahal wird mir helfen. Beim folgenden öffentlichen Test in Phoenix werde ich das Fahren im Verkehr lernen."
Neben den reinen Aspekten der Strecke erlebt Schumacher eine weitere entscheidende Neuheit: die Spotter. Teammitglieder stehen während Oval-Wochenenden auf der Tribüne und geben ihren fahrenden Schützlingen in Echtzeit Informationen zum Verkehr und möglichen Linienwechseln für Überholmanöver. Ein kleines Missverständnis kann massive Unfälle provozieren. Viele Europäer nervt das Info-Dauerfeuer, Mick sieht es pragmatisch.

Nach einem ersten Privattest auf dem Oval von Homestead-Miami (4. Februar) bestreitet Mick Schumacher am 17. und 18. Februar die öffentliche Probefahrt auf dem Ein-Meiler von Phoenix (Foto).
Ein souveränerer Mick Schumacher
"Die Spotter werden eine Herausforderung. Da ich als Fahrer immer hohen Wert auf Informationen am Funk gelegt habe, kommt mir das aber sehr gelegen. Natürlich muss man sich reinfuchsen und durch das Funksystem kann es bei der Kommunikation kompliziert werden. Wer belegt die Frequenz wann?" Spätestens nach den zwei Tests sollte die Leitung dann wortwörtlich stehen.
Bezüglich der Frage, wie sich die Gemütslage vor dem Debüt insgesamt zeigt, strahlt der Formel-2-Champion Coolness aus. "Seit den Formel-1-Tagen habe ich mich menschlich weiterentwickelt. Aus der puren Begeisterung wurde ein strukturierter Ansatz, denn ich weiß, was ich will und was ich der Mannschaft geben kann. Das war beim F1-Debüt naturgemäß anders." Generell sei der Austausch mit Teampräsident Jay Frye und den zwei Fahrerkollegen gut.
Abschließend blickt Schumacher etwas voraus. Trotz seiner Linie hinsichtlich gleichwertiger Strecken durften sich drei Kurse über ein Lob freuen. "Besonders auf den neuen Stadtkurs von Arlington in Texas freue ich mich. Da bin ich auf demselben Level wie die Rivalen. Und er ist nicht weit weg von einer Ranch unserer Familie – quasi ein Heimrennen!" Seine Mutter Corinna und seine Schwester Gina betreiben im texanischen Gordonville einen Premium-Pferdehof mit Zucht- und Trainingsbetrieb. Außerdem freue er sich auf den rustikalen Stadtkurs-Saisonauftakt von St. Petersburg (1. März) und die Kultstrecke Laguna Seca zum Abschluss (6. September).







