Genesis arbeitet an einer neuen, eigenständigen Fahrzeugplattform, die ab 2027 erstmals in einem Serienmodell zum Einsatz kommen soll. Das berichtet das britische Medium Autocar unter Berufung auf Europa-Chef Peter Kronschnabl. Mit der neuen Architektur will die Marke ihre Positionierung als eigenständiger Premiumhersteller innerhalb des Hyundai-Konzerns schärfen und sich technisch stärker von Hyundai und Kia differenzieren.
Multi-Energie-Plattform
Bislang nutzt Genesis überwiegend Konzernarchitekturen. Reine Elektrofahrzeuge, wie der GV60, basieren auf der E-GMP-Plattform, weitere Modelle auf der flexiblen M3-Architektur. Die neue Struktur soll sich davon grundlegend unterscheiden. Details zur technischen Auslegung nennt das Unternehmen nicht. Bestätigt ist lediglich, dass sie sowohl für batterieelektrische Antriebe als auch für Hybridantriebe ausgelegt sein wird.
Kronschnabl betont gegenüber Autocar, Genesis habe innerhalb der Hyundai Motor Group "bestimmte markenspezifische Merkmale", etwa beim Antriebsstrang, bei der Fahrwerksabstimmung oder bei der Innenraumgestaltung. Um die Anforderungen an die Fahrdynamik zu erfüllen, benötige die Marke daher eine eigene Plattform für die zukünftigen Modelle. Die neue Architektur sei entwickelt worden, damit Genesis-Modelle ein Fahrerlebnis bieten, das "einerseits mit der Premium-Positionierung der Marke übereinstimmt und andererseits deutlich von den Modellen der Marken Hyundai und Kia" abweiche.
Als Zielgrößen für das Fahrverhalten nennt Kronschnabl Eigenschaften, "die Fahrer im Premiumsegment suchen", darunter eine relativ direkte Lenkung und eine Abstimmung des Fahrwerks, die nicht zu weich ausfällt. Erfolgreiche Wettbewerber im Premiumsegment wiesen ähnliche Charakteristika auf. Konkrete technische Lösungen oder Eckdaten zur Plattform nennt Genesis bislang nicht.
"Electric only" gibt es nicht
Die Entscheidung für eine eigenständige Architektur fällt in eine Phase strategischer Anpassung. Genesis hatte zwischenzeitlich angekündigt, mittelfristig ausschließlich auf Elektroantriebe zu setzen, diesen Kurs jedoch angesichts einer nachlassenden Nachfrage nach Premium-Elektrofahrzeugen in wichtigen Märkten eingestellt. Ab dem kommenden Jahr sollen wieder verstärkt Hybridvarianten angeboten werden. Eine Plattform, die unterschiedliche Antriebskonzepte aufnehmen kann, gilt daher als Voraussetzung für größere Flexibilität in der Produktplanung.
Offen bleibt, in welchem Umfang Genesis eigene Antriebssysteme entwickeln oder auf Konzerntechnik zurückgreifen wird. Kronschnabl kündigte an, man werde die Position innerhalb der Hyundai Motor Group nutzen. Das deutet auf eine zumindest teilweise technische Verwandtschaft mit Hyundai- und Kia-Modellen hin, auch wenn die Plattform formal eigenständig ausgelegt ist.
Der Schritt ist angesichts der vergleichsweise geringen Stückzahlen in Europa bemerkenswert. Im vergangenen Jahr setzte Genesis in Deutschland 948 Fahrzeuge ab, weltweit waren es rund 220.000 Einheiten. Hyundai-Europa-Chef Xavier Martinet verweist gegenüber Autocar auf Skaleneffekte innerhalb des Konzerns. Hyundai, Kia und Genesis zusammen hätten 2025 rund sieben Millionen Fahrzeuge verkauft. Investitionen in eine modulare Architektur ließen sich daher nicht allein an europäischen Volumina messen. Zudem spiele der höhere Preis pro Fahrzeug der Premiummarke eine Rolle für die Wirtschaftlichkeit.
Welches Modell die neue Plattform als Erstes nutzen wird, ist noch nicht bekannt. Genesis hatte zuletzt mehrere Konzeptfahrzeuge wie den X Skorpio Concept präsentiert, die Hinweise auf die künftige Designsprache geben könnten. Eine große Ausweitung des Modellprogramms plant die Marke laut Kronschnabl jedoch nicht. Man werde nicht versuchen, "jede letzte Nische" zu besetzen, da dies zu Verwirrung bei Kunden führen könne.





