Wenige Tage vor dem Tokyo Auto Salon reichte ein einziger Satz, um die Gerüchteküche zum Überkochen zu bringen. Gazoo Racing kündigte auf Social Media die Enthüllung eines "two-seat, mid-ship"-Fahrzeugs für den Tokyo Auto Salon an – und für viele Fans war damit klar: Der MR2 ist zurück. Oder zumindest auf dem besten Weg dorthin.
Ein kleiner Sportler fehlt der Marke
Die Reaktion ließ nicht lange auf sich warten. In Foren, Kommentarspalten und sozialen Netzwerken begann ein kollektives Wunschdenken, gespeist aus Erinnerungen an einen der eigenständigsten Sportwagen der Toyota-Historie. Ein kompakter Zweisitzer, Mittelmotor, fahrerorientiert – genau das, was im aktuellen Portfolio der Marke fehlt. Dass Toyota zuletzt wieder mehr Mut zu emotionalen Autos zeigte, schien die Spekulationen zusätzlich zu befeuern.
Der Teaser selbst war bewusst kryptisch gehalten. In einem kurzen Video des Gazoo-Racing-Accounts auf X ist ein Dialog zwischen Akio Toyoda, unter seinem Rennfahrer-Pseudonym Morizo, und einem Mitarbeiter zu sehen. Auf die Frage nach einem neuen Auto antwortet Toyoda knapp: "Ein Mittelmotor-Zweisitzer!" Mehr braucht es nicht, um die Fantasie der Fans in Gang zu setzen. Der Zeitpunkt passte ebenfalls: Erst kürzlich tauchten Markenanmeldungen für den Namen "GR MR2" auf. Zudem hatte Toyota auf dem Tokyo Auto Salon im vergangenen Jahr bereits das GR Yaris M Concept mit Mittelmotor präsentiert.
Japanischer Humor auf der Bühne
Doch Toyota wäre nicht Toyota, wenn die Inszenierung nicht noch eine Überraschung bereithielte. Nach einer eigenwilligen, an eine Boxveranstaltung erinnernde Pressekonferenz lüftete Gazoo Racing schließlich das Geheimnis – und sorgte für kollektives Stirnrunzeln. Statt eines neuen Sportwagenkonzepts stand ein umgebauter Daihatsu Kei Truck auf der Bühne. Zweisitzig? Ja. Mittelmotor? Ebenfalls ja. MR2-Nachfolger? Eher nicht.
Der kleine Nutzfahrzeug-Zwerg war Teil eines bewusst spielerischen "Build-offs" innerhalb des Toyota-Konzerns. Zwei Interpretationen traten gegeneinander an: Auf der einen Seite Gazoo Racing mit einer eher rallyeartig interpretierten, viersitzigen Variante. Auf der anderen Daihatsu mit einem kompromisslosen Offroad-Konzept, das die Grenzen des Kei-Truck-Regelwerks auslotete. Beides originell, beides sympathisch – aber eben kein neuer Sportwagen.
Fans dürfen auf Sportwagen hoffen
Doch hinter der humorvollen Inszenierung schimmert die Zukunft bereits durch. Toyota selbst hat mehrfach klargemacht, dass ein echter MR2-Nachfolger fest auf der Agenda steht. Die Marke testet weiter Mittelmotor-Layouts, sammelt Ideen und sondiert die Wünsche der Fans. Das Kei-Truck-Duell mag auf den ersten Blick wie ein Seitenhieb wirken. In Wahrheit hält Toyota so die Spannung hoch, während das Team hinter den Kulissen an dem echten, kompakten Mittelmotor-Sportwagen arbeitet.
Akio Toyoda sprach von einem "Drei-Runden-Kampf" auf dem Tokyo Auto Salon. Runde eins und zwei bestanden aus dem Kei-Truck-Duell und der Neuordnung der Toyota-Rennteam-Namen. Eine dritte Enthüllung sollte in einem weiteren Livestream folgen – die letzte Chance, die Fantasie weiter anzufachen. Und auch wenn die Silhouette, die dabei gezeigt wurde, eher nach einem NASCAR-inspirierten Camry als nach einem Roadster aussah, bleibt die Botschaft klar: Toyota bleibt am Thema Mittelmotor dran. Der MR2 wird zurückkehren – nur eben noch nicht heute.












