Wunderbatterie von Donut Lab: Mega-Durchbruch fürs E-Auto oder dreister Batterie-Bluff?

Donut-Feststoffbatterie aus Finnland
Europas große Chance oder dreister Batterie-Bluff?

ArtikeldatumZuletzt aktualisiert am 24.01.2026
Als Favorit speichern
Europas große Chance oder dreister Batterie-Bluff?
Foto: Donut / Schönfeld

Das finnische Startup Donut Lab verspricht das Ende aller Reichweiten- und Ladeprobleme: Vollladen in fünf Minuten! Allein mit dieser Fähigkeit wäre das europäische Batteriewunder meilenweit vor spezialisierten Unternehmen wie CATL, Samsung, Panasonic, Solid Power, ProLogium, QuantumScape oder BYD. Zur Einordnung: Deren Forschung und Entwicklungskosten betragen immerhin viele Milliarden Euro. Und damit nicht genug. Donut Lab verspricht beim Wunderakku dazu eine Energiedichte von 400 Wh/kg und obendrein eine gigantische Zyklenfestigkeit von 100.000 Ladezyklen. Ach so – und das Ganze soll auch noch ohne Lithium funktionieren.

In nahezu allen Bereichen übertreffen die Ankündigungen den aktuellen Entwicklungsstand der Konkurrenz. Während die Fachwelt nun also zwischen Euphorie und Fassungslosigkeit schwankt, rückt die Stunde der Wahrheit näher. Denn Donut Lab hat versprochen, bereits im März 2026 die ersten Serienbatterien auszuliefern. Spätestens dann dürfte sich die versammelte Batteriebranche über die neue Batteriezelle hermachen, sie analysieren, durchmessen und bis ins Kleinste zerlegen. Doch schon jetzt können wir einige der technischen Details klar einordnen.

Das Mysterium der "Nicht-Lithium"-Chemie

Das vielleicht größte Rätsel ist die zugrunde liegende Technologie. Donut Lab behauptet, dass ihr Speicher ohne Lithium-Ionen-Technologie auskommt. In der Fachwelt wird spekuliert, ob es sich überhaupt um eine klassische Batterie handelt. Die Beobachtung der Ladekurven zeigt ein untypisches Verhalten: Eine fast konstante Spannung von 4,0 bis 4,2 Volt über den gesamten Ladevorgang hinweg. Normalerweise fällt die Spannung bei leeren Batteriezellen sehr deutlich auf teils unter 3.0 Volt ab. Beim Wiederaufladen steigt sie dann je nach Zelltyp auf über vier Volt.

Dr. Joachim Sann von der Universität Gießen vermutet im Batterie-Podcast "geladen", dass es sich eher um einen Hochleistungs-Kondensator (Supercap) oder eine Hybridform handeln könnte. Kondensatoren können extrem schnell laden und fast unendlich viele Zyklen vertragen, scheiterten bisher aber kläglich an der Energiedichte. Donut Lab scheint hier – möglicherweise durch die Übernahme des Startups Nordic Nano – einen "Heiligen Gral" der Materialforschung gefunden zu haben: Einen Festelektrolyt-Kondensator, der Energie so dicht speichern kann wie ein Premium-Akku.

Kondensatoren und Superkondensatoren haben allerdings den Nachteil der schnellen Selbstentladung – sie können den Strom also nicht so lange speichern wie Batterien (oft nur im Sekundenbereich). Daten zur Selbstentladung der neuen Festkörperbatterie lieferten die Finnen bisher nicht.

Gigantisches Temperaturfenster

Ein oft unterschätzter, aber für die Alltagstauglichkeit entscheidender Punkt ist die Temperaturresistenz. Herkömmliche Lithium-Ionen-Akkus leiden massiv unter Kälte oder zu großer Hitze; die Ladegeschwindigkeit sinkt drastisch, und die Reichweite bricht ein. Donut Lab will auch hier neue Maßstäbe setzen und behauptet, dass ihre Zellen in einem Bereich von -30 °C bis +100 °C einwandfrei funktionieren. Besonders der untere Grenzwert lässt aufhorchen: Bei -30 °C geben die meisten aktuellen Zellchemien auf, da der Elektrolyt zu zähflüssig wird oder die Ionenbewegung zum Erliegen kommt.

Dr. Sann weist im Podcast darauf hin, dass diese enorme Temperaturspanne ein weiteres starkes Indiz gegen eine klassische Batterie und für einen Festkörper-Kondensator ist. Solche Systeme basieren auf elektrostatischer Speicherung, die weitaus weniger temperaturempfindlich ist als chemische Reaktionen. Sollte diese Beständigkeit in Serie gehen, könnten E-Fahrzeuge künftig auf komplexe und teure Thermomanagement-Systeme (Heizen des Akkus im Winter, Kühlen im Sommer) verzichten. Das würde nicht nur Gewicht sparen, sondern auch die Effizienz des Gesamtfahrzeugs weiter steigern.

Zahlen, die die Physik herausfordern

Die Energiedichte von über 400 Wh/kg greift der Akku die Spitze der aktuellen Forschung an. Doch es sind vor allem die weiteren Parameter, die Experten wie Dr. Sann den Kopf schütteln lassen: 100.000 Zyklen Lebensdauer. Zum Vergleich: Ein moderner E-Auto-Akku hält meist zwischen 1.500 und 3.000 Zyklen, bevor die Kapazität merklich nachlässt. Dazu kommt ein Versprechen, das die Ladesäulen-Infrastruktur revolutionieren würde: Eine Vollladung von 0 auf 100 Prozent in nur fünf Minuten. Sollten diese Zahlen stimmen, wäre das Thema "Reichweitenangst" in der Elektromobilität über Nacht Geschichte.

Allerdings zielt Donut Lab gar nicht explizit auf Elektroautos. Den "Proof of Concept" – also den Nachweis der grundlegenden Machbarkeit – lieferten die Finnen in einem elektrischen Motorrad. Dazu deuten sie auf der eigenen Website mit Bildern den Einsatz in Drohnen, Bussen, Lkw und elektrischen Sportwagen an.

Das finnische Geflecht – Wer steckt hinter Donut Lab?

Hinter Donut Lab steht ein eng verzweigtes Firmenkonstrukt. Die Technologie ist untrennbar mit Verge Motorcycles verbunden, einem Hersteller von Elektro-Motorrädern, die durch ihr futuristisches Design mit nabenlosem Hinterradmotor bekannt wurden. Der CEO von Donut Lab Marko Lehtimäki ist gleichzeitig maßgeblich bei Verge involviert.

Kritiker wittern ein "Circle-Jerk"-Marketing: Eine Firma investiert in die andere, verspricht bahnbrechende Daten und nutzt diese, um Investorengelder einzusammeln. Doch ein Detail lässt aufhorchen: In den Führungsetagen sitzen keine Unbekannten, sondern ehemalige Experten von Tesla, Rivian, Lucid und McLaren. Dass gestandene Branchengrößen ihren Ruf für einen plumpen Betrug aufs Spiel setzen, ist eher unwahrscheinlich.

Die Stunde der Wahrheit schlägt im März

Anders als viele "Labor-Wunder", die erst in zehn Jahren Marktreife erlangen sollen, geht Donut Lab in die Offensive. Die Batterie soll bereits produziert werden und ab März 2026 in den ersten Verge-Motorrädern ausgeliefert werden.

Die Strategie des Unternehmens ist dabei fast schon provokant: Man gibt keinerlei Details zur Chemie preis und verweist darauf, dass die Welt es ja bald sehen wird, wenn die ersten Fahrzeuge "seziert" werden. Sollte die Technik halten, was sie verspricht, könnte dies nicht nur die globale Abhängigkeit von asiatischen Batteriegiganten beenden, sondern ein europäisches Unternehmen an die Spitze der Mobilitätswende katapultieren – wenn die Produktionskapazitäten zunächst auch nur relativ klein wären. Wir können also nur hoffen, dass es sich bei der Donut-Geschichte nicht nur um ein modernes finnisches Märchen handelt.

Fazit