Patent gegen Kinetose: So kreativ bekämpft Mercedes Reiseübelkeit

Mercedes mit Patent gegen Kinetose
So kreativ will Mercedes Reiseübelkeit bekämpfen

ArtikeldatumVeröffentlicht am 04.03.2026
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Reiseübelkeit Kinetose Kinder Rücksitz Auto
Foto: Imgorthand via Getty Images

Das Problem hat viele Namen. Manche nennen es – etwas unspezifisch – Reisekrankheit, andere sprechen von Reiseübelkeit. Der Fachbegriff dafür lautet Kinetose. Das Phänomen wird durch Bewegungsreize ausgelöst, die auf den Gleichgewichtssinn wirken. Indem das Gleichgewichtsorgan andere Bewegungen wahrnimmt als jene, welche die Augen sehen, werden von den Betroffenen verschiedene Symptome empfunden: Schwindel, Schweißausbrüche oder Kopfschmerzen, oft auch Müdigkeit oder Benommenheit. Vielen wird im Zuge einer Kinetose übel, manche müssen sich sogar erbrechen.

Luftströme bekämpfen Reiseübelkeit

Vor allem Kinder zwischen dem zweiten und zwölften Lebensjahr leiden an der Reiseübelkeit. Und diese kommt nicht nur auf dem Schiff – dort als Seekrankheit bekannt – oder im Flugzeug vor. Manche Menschen ereilt die Kinetose während der Autofahrt, insbesondere auf kurvenreichen Strecken. Und nicht alle Tipps dagegen, zum Beispiel während der Fahrt schlafen, möglichst vorn sitzen und aus der Frontscheibe schauen, frische Luft oder leichte, fettarme Mahlzeiten, sind in der Praxis umsetzbar.

Doch nun gibt es für von Kinetose geplagte Menschen neue Hoffnung aus der Autoindustrie. Die Mercedes-Benz AG hat bereits im März 2025 ein Patent (DE 10 2025 109 243 A1) angemeldet, das "ein Verfahren zur Unterdrückung von Kinetose eines Insassen eines Kraftfahrzeugs" beschreibt. Ende Februar 2026 wurde es vom Deutschen Patent- und Markenamt veröffentlicht.

Das Patent begegnet dem Phänomen Kinetose nicht etwa über eine ausgeklügelte Fahrwerkstechnik oder sich mitbewegende Sitze, sondern über "hör-, sicht- und/oder fühlbare Signale". Speziell Luftströmungen sollen verhindern, dass den Insassen eines Autos während der Fahrt übel wird. Das Auto erfasst aktuelle oder direkt folgende Fahrsituationen, gleicht sie mit der Geschwindigkeit ab und generiert in Abhängigkeit dieser Parameter einen Luftstrom. Diese kommen aus diversen, über den gesamten Innenraum verteilten Belüftungseinheiten. Sie befinden sich beispielsweise in den Sitzen und Kopfstützen, im Armaturenbrett und Lenkrad sowie in den Seitenwänden und im Dachhimmel.

Luftströme in alle Richtungen, je nach Fahrsituation

Laut Mercedes-Patent könnte die Anti-Kinetose-Technik über verschiedene Modi verfügen. Bei einer Geradeausfahrt könnte eine konstante Luftmenge gerade in Richtung der Köpfe ausströmen, während bei dynamischer Fahrt die Luftströmungen mit den Bewegungseindrücken synchronisiert werden. Bei einer Längsbeschleunigung und Bremsen könnten vertikale Luftströme herrschen, während sie beim Verzögern zusätzlich von hinten nach vorn erzeugt werden. Bei Querbeschleunigung kommt es dagegen zu horizontalen Luftströmungen. Ergänzend könnten geschwindigkeitsabhängige visuelle Informationen per LED-Licht als sichtbares Signal beim Unterdrücken der Kinetose unterstützen.

Mit dem Phänomen der Reiseübelkeit sehen sich meist die Beifahrerinnen und Beifahrer konfrontiert. Logisch, denn die Person hinter dem Steuer beobachtet automatisch das Verkehrsgeschehen und bringt damit die optischen Eindrücke und den Gleichgewichtssinn besser in Einklang. Doch spätestens, wenn das Zeitalter des autonomen Fahrens anbricht, könnten auch die Fahrerinnen und Fahrer von dem Mercedes-System profitieren. "Mit steigender Fahrzeugautomation und der damit verbundenen Möglichkeit, während der Fahrt (visuell-beanspruchenden) Nebentätigkeiten nachzugehen, ist mit einer signifikant höheren Präsenz von Kinetose zu rechnen", heißt es durchaus plausibel in der Patentschrift.

Fazit