Audi RS Q3 2.5 TFSI Quattro im Test

Wie schlägt sich der Audi-SUV?

Audi RS Q3, Frontansicht Foto: Beate Jeske 13 Bilder

Da der 2,5-Liter-Fünfzylinder der Quattro GmbH zu den Lieblingen der Redaktion zählt, der Audi RS 3 aber gerade nicht existiert und der TT RS irgendwie durch ist, musste eben mal ein SUV her – was der Turbo-Hammer rasch zur Nebensache degradiert. Wir haben den Audi RS Q3 2.5 TFSI Quattro getestet.

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Ein wenig seltsam wirkt die Perspektive hinter dem abgeflachten Sportlenkrad des Audi RS Q3 schon. Nicht allein aufgrund des sinnlos seiner Rundheit beraubten Lenkrads, sondern vielmehr wegen der doch eher nutzfahrzeugmäßigen Sitzposition. Was hat die Quattro GmbH nur gemacht?

Audi RS Q3 leistet 310 PS

Aus rein ökonomischer Sicht ein verständlicher Schritt, schließlich lagen alle Komponenten im Regal herum, und der Markt saugt derzeit alles auf, was auch nur ansatzweise nach großer Offroad-Freiheit oder zumindest nach erhöhter Sitzposition riecht.

Doch der ganze Spuk rückt in den Hintergrund, wenn der Startknopf (noch so ein Unfug des modernen Automobilbaus) gedrückt und mit den ersten Arbeitstakten des 2,5-Liters die Freude am Motorenbau lebendig wird. Bereits im Stand bollert der Fünfzylinder tief, hintergründig, kraftvoll, aber sozialverträglich – keine auf Sturm geschalteten Auspuffklappen, keine mutwillig erhöhte Leerlaufdrehzahl. Okay, wenn er wirklich ganz kalt ist, dann tönt er ein bisschen aufgekratzter, wenn auch nur kurz.

Spätestens wenn der Wählhebel des Doppelkupplungsgetriebes auf D rückt, senkt der TFSI seine Stimme wieder. Im Audi RS Q3 leistet er 310 statt 340 PS, wofür die Auspuffanlage an den Pranger gestellt werden darf – oder besser der enge Motorraum. Denn dort fand die Batterie keinen Platz, musste in den Kofferraum ausquartiert werden, weshalb darunter keine zweiflutige Auspuffanlage mehr passte.

Gewicht zu 58,1 Prozent auf der Vorderachse

Und wer jetzt positive Auswirkungen auf die Gewichtsverteilung erwartet, darf leise beginnen zu weinen, denn 58,1 Prozent der gesamten Masse von 1.716 Kilogramm lasten auf der Vorderachse. Hurra! Beim Geradeausfahren stört das nicht, der Audi RS Q3 legt im Einzeltest derart wuchtig los, als wolle er mit einem Ruck Audi von seinem Streber-Image befreien. Tatsächlich kommt dem SUV neben dem in allen Bereichen ausufernden RS6 schon ein bisschen die Revoluzzer-Rolle zu, was an der einzigartigen Kombination aus Kompakt-SUV mit Fünfzylinder-Hammer liegt. Demnächst hält aber Mercedes-AMG mit dem GLA 45 dagegen.

Doch gerade verblüfft der Audi RS Q3 noch die versammelte Hot-hatch-Fraktion, indem er in 5,2 Sekunden von 0 auf 100 km/h beschleunigt. Er unterbietet damit die Werksangabe von 5,5 Sekunden und bleibt einem anderen Redaktionsliebling, dem BMW M135i xDrive (4,8 s), dicht auf den Fersen. Allein die nüchterne Zahl beeindruckt, der Soundtrack allerdings noch weit mehr.

Der Direkteinspritzer basst warm, dreht trommelnd aus, schnaubt bei jedem Gangwechsel kurz, aber respekteinflößend, grollt dann erneut los. Er, der TFSI, und die Siebengang-S-Tronic, arbeiten zusammen wie John Travolta und Samuel L. Jackson in „Pulp Fiction“, also auf eine gnadenlose Weise harmonisch.

Audi RS Q3 muss nicht auf die Rennstrecke

Auch wenn die Fuhre abrupt zusammengebremst werden muss, passt alles, denn die aus dem RS5 stibitzte Bremsanlage ermöglicht eine konstante Verzögerung auf hohem, aber nicht Top-Niveau um 10,5 m/s². Somit scheint der Audi RS Q3 tatsächlich für die Rennstrecke gerüstet. Wirklich? Wir haben es ihm im Einzeltest erspart, denn allein die Gewichtsverteilung vermittelt eine Ahnung von seinem Charakter. Klar, für ein SUV biegt der Audi RS Q3 flink um die Ecken, das modifizierte konventionelle Fahrwerk (25 Millimeter Tieferlegung) macht einen guten Job, reduziert die Seitenneigung.

Auf Landstraßen dürfte die Agilität des Audi RS Q3 und das unter Last nur noch minimal untersteuernde Fahrverhalten für viel Gaudi und verdutzte Gesichter anderer Verkehrsteilnehmer sorgen. Bei Nässe oder gar auf Schnee (wir haben tatsächlich welchen gefunden!) halten Allradantrieb und penibel programmierte Regelelektronik das Geschwindigkeitsniveau hoch, launige Lastwechsel gelingen jedoch selbst dann nur mit der Brechstange. Dabei würde die Lenkung ausreichend Rückmeldung bieten, um ein lebendiges Heck akkurat einzufangen.

Die Quattro-Mannschaft hätte sich also gerne etwas weiter aus dem Fenster lehnen dürfen, vielleicht würden sich dann sogar eiserne SUV-Gegner für den Audi RS Q3 begeistern. So bleibt dem RS Q3 vor allem das kräftige, emotionale Triebwerk, das mit seinem rot lackierten Zylinderkopf auch noch unverschämt gut aussieht. Wem das nicht reicht, der muss auf den nächsten RS 3 (2015) warten oder doch zum TT RS greifen. Dann stimmt auch wieder die Perspektive.

Technische Daten
Audi RS Q3 2.5 TFSI Quattro
Grundpreis 54.600 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4410 x 1841 x 1580 mm
KofferraumvolumenVDA 356 bis 1261 l
Hubraum / Motor 2480 cm³ / 5-Zylinder
Leistung 228 kW / 310 PS bei 5200 U/min
Höchstgeschwindigkeit 250 km/h
0-100 km/h 5,2 s
Verbrauch 8,8 l/100 km
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Neuester Kommentar

Gewicht zu 58,1 Prozent auf der Vorderachse Audi RS Q3 muss nicht auf die Rennstrecke...
Lieb von Euch...keiner will ja sein Abo...

Susi Sentai 29. April 2018, 04:02 Uhr
Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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