BMW M550d xDrive Touring, Exterieur sport auto Redaktion
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BMW M550d xDrive Touring im Dauertest

BMW M550d xDrive Touring im Dauertest Der perfekte Alltags-Begleiter?

Perfekt für lange Touren quer durch Europa: Mit seinem kraftvollen, aber effizienten Quadturbo-Reihensechser spielt der BMW M550d xDrive Touring in der Champions League. Wir verraten, ob er sich neben Stärken auch Schwächen im 80.000-Kilometer-Dauertest erlaubt hat.

Stuttgart–Hamburg, 656 Kilo­meter Autobahn – nur ein klassisches Streckenprofil aus dem Dauertestalltag des BMW M550d xDrive Touring, das den aktuellen Hype um vollelektrische Antriebskonzepte schnell verpuffen lässt. Auf der Langstrecke ist ein Diesel nach wie vor ungeschlagener Effizienzmeister. Und wie steht’s um die Stärken und Schwächen des 400 PS starken Selbstzünders? Nach 80.000 Kilometern ist es Zeit für ein Fazit.

Moment mal, den gibt’s doch gar nicht mehr. Richtig, das Finale unseres Langzeittests läutete auch das Ende des von BMW berechtigterweise "Performance-Diesel" genannten Modells ein. Mit dem Facelift der 5er-Baureihen G30 und G31 im Juli 2020 wurde der M550d ersatzlos gestrichen.

Bei aller Performance und Effizienz wird in der aktuellen Großwetterlage mit Blick auf die CO2-Flottenemissionen und die drohenden Strafzahlungen knallhart ausgesiebt. Nicht nur die Euro-Norm 6d-Temp war für sein Überleben zu wenig, auch die schwächelnden Stückzahlen des Power-Diesels konnten BMW-intern nicht mehr überzeugen.

Wir bei sport auto haben ja ein Herz für technikverrückte Außenseiter, daher schmerzt der Abschied von einem weiteren Meisterstück der Ingenieurskunst heute mal wieder ganz besonders. Servus, B57D30S0-Reihensechszylinder mit deinen vier Turboladern!

Kaiser auf der linken Spur

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Begeisterungsstürme brandeten vor allem angesichts der Drehmoment-Monsterwellen auf. Schon bei 1.000/min steht ein Drehmoment von mehr als 450 Nm zur Verfügung.

Treue Leser erinnern sich zurück: Mit dem Quadturbo hat uns nicht der erste M550d im Langzeittest besucht. In der Saison 2013/2014 spielte der M550d xDrive Touring seine erste Saison im sport auto-Dauertest. Schon damals kämpften die Kilometerfresser der Redaktion regelmäßig um die Schlüssel des potenten 5ers.

Der Diesel-Touring der Baureihe F11 zeichnete sich 2013/2014 zwar bereits mit einem Punch von bis zu 740 Newtonmetern als Drehmomentheld aus, leistete sich aber einen Aussetzer beim Thema Zuverlässigkeit. Sein auf 381 PS hochgezüchteter Reihensechser (damals noch mit drei Turboladern) schwächelte auf seinen 85.000 Dauertest-Kilometern mit einem Turboladerschaden.

Und wie schlägt sich jetzt der Quadturbo? Nicht nur die individualisierbare Begrüßung auf dem 10,25 Zoll großen iDrive-Bildschirm, die von "Willkommen. Nur der HSV" zuweilen in "Willkommen. Zweitligist" wechselte, sorgte für Freude im Kollegenkreis. Begeisterungsstürme brandeten vor allem angesichts der Drehmoment-Monsterwellen auf, mit denen der M550d in der Champions League spielt. Schon bei 1.000/min steht ein Drehmoment von mehr als 450 Nm zur Verfügung. Das maximale Drehmoment von nun 760 Nm erreicht der Quadturbo-Diesel bereits ab 2.000 Touren.

"Gebaut für die Autobahn, Kaiser auf der linken Spur" lautet dementsprechend auch der erste Eintrag im Fahrtenbuch des aktuellen Langzeittests. Nicht nur aus Performance-Sicht lohnt sich der Umstieg vom 381 PS starken M550d der F11-Baureihe auf das G31-Modell mit 400 PS, sondern vor allem auch beim Besuch an der Tankstelle.

Fangen wir mit dem Performance-Check an: Mit 4,6 und 17,9 Sekunden stellt der aktuelle M550d-Dauertest seinen Vorgänger (5,4/21,9 s) beim Sprint auf die neuralgischen Tempomarken von 100 und 200 km/h in den Schatten. Auch das Thema Verzögerung beherrscht der G31 mit einem Warmbremswert von 35,2 Metern aus 100 km/h auf 0 souveräner als der F11 (37,7 Meter). Die serienmäßige ­M-Sportbremse punktet zudem mit guter Dosierbarkeit im Alltag.

Gute Fahrwerksabstimmung

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Neben dem adaptiven M-Fahrwerk Professional (optional) tragen auch die serienmäßige Hinterachslenkung und die optionale 20-Zoll-Mischbereifung zu einem gelungenen Mix aus Agilität und Fahrstabilität bei.

Der jüngere M550d präsentiert nicht nur sein gesteigertes Längsdynamiktalent, sondern beweist eindrucksvoll, dass er auch querdynamisch mehr draufhat als sein Vorläufer. Besonders auf topografisch anspruchsvollen Autobahnabschnitten liegt der 5er fahrstabiler und trägt das M-Logo auf der Heckklappe sowie auf den Kotflügeln nicht zu Unrecht.

Neben dem adaptiven M-Fahrwerk Professional (optional) trägt auch die serienmäßige Hinterachslenkung (Integral-Aktivlenkung) sowie nicht zuletzt die optionale 20-Zoll-Mischbereifung zu einem gelungenen Mix aus Agilität und Fahrstabilität bei.

Und auch die Wahl der Bereifung wurde mit Michelin Pilot Super Sport nun deutlich sportiver ausgelegt als zuvor mit Goodyear Excellence. Der M550d krallt sich nicht nur bei Trockenheit in den Asphalt, sondern glänzt auch mit erstaunlich hohem Nassgripverhalten. Egal ob bei Trockenheit, Nässe oder Schnee – der ­variable Allradantrieb mit heck­betonter Auslegung rundet das sportliche, aber gleichzeitig fahrsichere Gesamtkonzept mit massig Traktion ab.

Selten war man auf der Autobahn selbst bei monsunartigem Regen so tiefenentspannt unterwegs wie mit dem M550d. Weniger der mechanische Grip dank der gelungenen Fahrwerksauslegung und Reifenwahl als die Scheibenwischer bremsten einen dann irgendwann bei Regen ein. Diese hätten in ihrer schnellsten Stufe gern noch fixer arbeiten und noch mehr Wasser verdrängen dürfen.

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Mit einer Tankfüllung sind Reichweiten von rund 1.000 Kilometern möglich. Günstigster Dieselpreis während der Dauertestphase? 94 Cent pro Liter.

Zur Entspannung tragen der gelungene Federungskomfort und die unaufgeregte, aber nicht unpräzise Lenkung im Fahrmodus Comfort bei. Wer es etwas kerniger mag, der findet sich in den Fahrprogrammen Sport und Sport+ wieder. Neben Fahrwerk und Lenkung variieren die Fahrmodi auch die Kennlinien von Motor und Getriebe.

Und dann steht man nach einer Dienstreise über die tempolimitierten Autobahnen der Schweiz und Italiens plötzlich an der Tankstelle und glaubt beinahe, man habe vergessen, die vorherige Tankung im Fahrtenbuch zu notieren. Doch es hatte alles seine Richtigkeit – 981 Kilometer gefahren, 66,11 Liter nachgetankt.

Bei entspanntem Gasfuß sind Verbräuche von 6,7 Litern keine Seltenheit, und der M550d glänzt dann als Reichweiten-Genie. Trotz eines hauptsächlich mit schnellem Autobahntempo durchlebten Dauertests genehmigte sich der Diesel-5er auf den 80.000 Kilometern nur 9,8 Liter im Durchschnitt pro 100 Kilo­meter.

Angesichts eines Maximalverbrauchs von 15,6 Litern geht man auch nach nächtlichen Autobahnreisen mit hohem Durchschnittstempo nicht mit schlechtem Gewissen ins Bett, sondern schläft zufrieden mit dem Gedanken ein, was wohl der V8-Biturbo eines M5 bei einer Highspeed-Nachtschicht gesoffen hätte.

Sparsam und standfest

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Der niedrige Volllastverbrauch und das passende Tankvolumen machen den 5er zum schnellen Langstreckenbegleiter. Fehlermeldungen bezüglich des Antriebs? Keine einzige auf den 80.000 Kilometern.

Der niedrige Volllastverbrauch und das passende Tankvolumen machen den 5er zum schnellen Langstreckenbegleiter. Während hochmotorisierte Helden mit Ottomotor bei forscher Gangart schon nach rund 200 Kilometern einen Tankstopp fordern, fährt der M550d lächelnd mit noch halb vollem Tank an ihnen vorbei.

Im Vergleich bewegt sich der Quadturbo übrigens viel sparsamer als der Triturbo. Zitat aus der Dauertestbilanz in sport auto 8/2014: "Auch mit zärtlichem Gasfuß ließ sich der M550d nur schwer unter einen Verbrauch von 10 Litern pro 100 Kilo­meter drücken." Rückblick auf die Verbräuche des 381 PS starken F11-M550d: minimal 9,7 Liter, maximal 18,7 Liter, Durchschnitt 12,3 Liter.

Lob gibt’s aktuell nicht nur für die zurückhaltenden Trinkgewohnheiten, sondern auch für die Standfestigkeit des Dreiliter-Triebwerks. Sowohl die zwei Niederdruck-Turbolader als auch die zwei Hochdruck-Turbolader bestanden die Härteprüfung des sport auto-Dauertests mit Bravour. Fehlermeldungen bezüglich des Antriebs? Keine einzige auf den 80.000 Kilometern. Daumen hoch!

Einen ebenso exzellenten Eindruck macht das Interieur mit seiner hohen Verarbeitungsqualität, die sich Alltagsstrapazen kaum anmerken lässt. Die in puncto Ergonomie perfekt für Flensburg-München-Nonstop-Ausflüge geeigneten Komfortsitze sehen auch nach 80.000 Kilo­metern noch wie neu aus. Einen fast neuwertigen Eindruck machen auch sämtliche Leder- und Verkleidungsteile, obwohl der Touring nicht nur bei Langstreckenfahrern hoch im Kurs stand. Auch unsere sport auto-Fotografen turnten gerne über die Rücksitze und in den Kofferraum, um aus dem M550d andere Helden abzulichten.

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Die hinteren Türen im Winter: Schon ab minus 3 Grad Celsius sind die hinteren Türen zugefroren. Nach mehreren Kundenproblemen hat BMW reagiert.

Und was gab es zu meckern? Meckern wäre bei so einem Alltagstraumwagen zu hoch gegriffen, nennen wir es Verwunderung. Bei leichten Minusgraden froren beispielsweise die hinteren Türen so fest, dass sie sich nicht mehr öffnen ließen. Wir reden jetzt nicht über arktische Tiefsttemperaturen, sondern von lediglich minus 3 Grad Celsius.

Ein wiederkehrendes Phänomen bei Laternenparkern. Einer dieser Laternenparker versuchte, die Tür hinten links mit roher Gewalt zu motivieren – ein Versuch, der mit defekter Tür endete und zum einzigen außerplanmäßigen Boxenstopp in der Werkstatt bei Kilometer 55.480 führte. Türschloss, Bowdenzüge und SoftClose-Automatik mussten erneuert werden.

Außerdem ersetzten die BMW-Mechaniker zudem beide Pendelstützen und Zugstreben vorn, nachdem beim vorherigen Service bei 53.730 Kilo­metern Poltergeräusche an der Vorderachse rechts festgestellt worden waren. Gleichzeitig tauschte das Werkstattteam das Kraftstoffeinfüllrohr und die Tankklappenverriegelung, nachdem sich die Tankklappe nur noch unter großem Widerstand hatte schließen lassen.

Die beiden letztgenannten Themen waren keine Dramen, nur bei der Geschichte mit den hinteren Türen besteht Klärungsbedarf. Nachfrage bei BMW in München, woher das Problem rühre. "Durch Feuchtigkeitseintritt in den Seilzug. Daraufhin wurde eine Manschette konstruktiv verändert, die seit Ende 2019 zum Einsatz kommt" lautet die offizielle BMW-Rückmeldung auf unsere Anfrage. Nach Kundenrückmeldungen ist das Problem bei BMW aufgefallen, und besagte Änderung floss anschließend in die Serienproduktion ein. Bei vor diesem Zeitpunkt gebauten Fahrzeugen greift die "Puma"-Maßnahme (Puma: Produkt- und Maßnahmenmanagement Aftersales) Nummer 64808744 zur Behebung.

Ein treuer Alltagskumpel

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In erster Linie war der M550d eine treue Seele. Nicht erst nach 80.346 Kilometern steht unser Fazit fest: Jetzt noch schnell einen jungen Gebrauchten sichern! Es lohnt sich!

War das alles? Noch nicht ganz. Ein Reifensatz der Michelin-Pilot-Super-Sport-Bereifung punktete zwar mit einer erstaunlich hohen Laufleistung von 37.733 Kilometern innerhalb von nur sechs Monaten, offenbarte aber anschließend ein merkwürdiges Ablaufbild an der Vorderachse. Während die Lauffläche noch eine ausreichende Profiltiefe mit gleichmäßiger Abnutzung zeigte, guckte jeweils an den inneren Reifenschultern der Vorderräder deutlich die Karkasse raus.

Da sich die ganze Geschichte auf der Innenseite, also tief verborgen in den vorderen Radhäusern, abspielte, fiel sie im Alltagsbetrieb nicht auf, da man ja nicht jedes Mal vor Fahrantritt die Reifen voll einschlägt, um die innere Reifenschulter zu begutachten. Erst ein Passant wies uns bei einem Wendemanöver auf das Corpus Delicti hin. Was aber war der Auslöser für den merkwürdigen Reifenverschleiß? Übertriebene Negativsturzwerte an der Vorderachse scheiden aus, da die Achsgeometrie unauffällige Werte verzeichnete.

Offizielle BMW-Antwort: "Die Abnutzung entspricht einem Fahrprofil mit hohen Autobahnanteilen in Kombination mit vielen Beschleunigungs- und Abbremsvorgängen, kombiniert mit einer überdurchschnittlichen hohen Laufleistung der Reifen."

Viel Autobahn? Ja! Viele Beschleunigungs- und Abbremsvorgänge? Jein! Da der Dauertestwagen ausschließlich im Alltag bewegt wurde, waren extreme Beschleunigungs- und Abbremsvorgänge wie beispielsweise auf der Rennstrecke selten. Quintessenz für Vielfahrer mit ähnlichem Fahrprofil: Spätestens ab einer Laufleistung von 30.000 Kilometern sollten immer mal wieder die Vorderreifen untersucht werden.

In erster Linie war der M550d jedoch eine treue Seele, auf die man sich jederzeit verlassen konnte. Bei sport auto sind es nicht immer nur die Supersportwagen, die positiv in Erinnerung bleiben, sondern auch faszinierende Alltagshelden wie der Power-Diesel mit seinen vier Turbo­ladern.

Fazit

Nicht erst nach 80.346 Kilometern steht unser Fazit fest: Jetzt noch schnell einen jungen Gebrauchten sichern! Es lohnt sich!

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