Rossen Gargolov
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BMW X4 vs. Mercedes GLC Coupé im Test

Wer baut das bessere SUV-Coupé?

Bei den SUV-Coupés BMW X4 und Mercedes GLC mag Eleganz ein Mittel zum Heck sein. Aber wie gut sind sie? Im Vergleichstest der Vierzylinder-Diesel mit Automatik und Allrad rücken wir mal die Rangordnung zurecht.

Das Leben ist ein Ponyhof? Dann ist das GLC Coupé Ihr Auto. Und das kommt so: Vor einiger Zeit gab es auf der Mercedes-Homepage einen Berater, der mit Angaben zu künstlerischen und modischen Vorlieben, sportlicher Betätigung und Hobbys das passende Modell suchte. Wir machten uns den Spaß, das andersrum zu spielen, um herauszufinden, welche Vorlieben für den Kauf eines Mercedes GLC Coupés nötig wären.

Erinnern wir uns richtig, ging das so: ein Hang zu modischer Eleganz und moderner Kunst (Coupé), eine aktive Ambition gerade im Bereich des Wintersports (Allrad) sowie Naturverbundenheit (der SUV-Joker, dachten wir). Bis da ging die Tendenz zu GLA oder CLA Shooting Brake mit Allrad. Erst als wir Reiten in die Liste der Hobbys aufnahmen – mehr Platzbedarf im Laderaum für Sattel und Stiefel, hohe Anhängelast für den Trailer –, kam das GLC Coupé in die Hufe und rückte zum Favoriten vor.

Der Mercedes GLC ist nicht das erste SUV-Coupé, das war 2006 der keineswegs zu Unrecht vergessene Ssangyong Actyon. 2008 startete mit dem BMW X6 das erste SUV-Coupé der Premiums, 2014 der X4. Der fordert in der neuen, zweiten Generation das GLC Coupé heraus. Beide treten mit Vierzylinder-Diesel, Automatik und Allradantrieb an. Aufsatteln und los!

BMW X4 M40d

BMW X4: voll auf der Höhe

So, jetzt lassen wir es mit den Pferde-Anspielungen. Sonst landen wir noch bei der Formulierung, im X4 säße der Fahrer auf einem hohen Ross, um zu verdeutlichen, dass der BMW ihn sechs Zentimeter höher positioniert als der Mercedes. Nun zählt hoch sitzen zu den wichtigsten Kaufgründen für ein SUV. Doch im BMW X4 reisen Pilot und Co auf den schmalen Sportsitzen entrückt statt erhaben – und doch integriert wie auf den Sesseln des Mercedes GLC. Überhaupt wirkt der X4 dem X3 näher als das GLC Coupé dem GLC.

Daran ändern ein paar Zentimeter mehr Länge und Breite des X4 gegenüber dem X3 wenig. Zwar bringt das Coupé serienmäßig die variable Sportlenkung mit, simuliert mit radselektiven Bremseingriffen an der Hinterachse Torque Vectoring. Doch beides gibt es auch für den BMW X3. So bleibt als größter Vorzug des X4 die Extravaganz der Linienführung.

Rossen Gargolov
Wenn dabei keine runde Fahrweise gelingt, greift das ESP bei schnellen Richtungswechseln herb ein – wie beim Slalom in den Fahrsicherheitstests.

Die schränkt wie im Mercedes GLC die Rundumsicht stark ein, dazu den Raum im Fond. Allzu bequem reisen X4-Passagiere dort nicht, wegen der flachen Dachlinie rückt selbst Durchschnittseuropäern die Decke an den Kopf. Der Mercedes schafft mit 3,5 Zentimeter mehr Höhe im Fond ein entscheidendes bisschen Extraplatz. Auch wegen 8,0 Zentimeter mehr Normsitzraum und der flacheren Lehne kommen Passagiere in seinem Fond angenehmer unter.

Noch was einzuladen, bevor es losgeht? Reicht bei beiden für größeres Gepäck, das jeweils über eine 70 Zentimeter hohe Ladekante gewuchtet werden muss. Bei der Variabilität verschafft sich der Mercedes GLC einen Vorteil, weil sich seine dreiteilige Lehne fernentriegelt umklappen und das Laderollo leichter heraus- und einbauen lässt als die zwei Abdeckbretter im BMW X4, die man aus den Halterungen rupfen muss.

Wieder alles zusammenwerkeln, einsteigen und einrichten. Die Funktionsfülle der Bedienung organisiert der BMW cleverer, eingängiger und übersichtlicher – alles Wichtige lässt sich über den iDrive-Drehdrücker regeln, vieles mit der kompetenten Sprachbedienung beplaudern, und für die Assistenzsysteme gibt es einen Zentralschalter als Direktzugriff. Beim GLC streift man durch verworrene Pfade von Infotainment oder Bordcomputer, bis alles zurechtkonfiguriert und das Ambiente in stimmungsvollem Licht illuminiert ist.

Mercedes GLC Coupé
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Komfortabel? Agil? Beides!

So, Startknopf drücken, der 2,1-Liter-Diesel im GLC nagelt los. Die stärkste Version dieses Vierzylinders, den 250 d, setzt Mercedes nur noch in V-Klasse und GLC ein. Es ist der alte, nur Euro-6c-abgasreine OM 651, zu dessen Stärken Laufkultur und Drehfreude nie zählten. Doch hat der Antrieb an Harmonie gewonnen, seit Mercedes den Motor mit der Neunstufenautomatik verkuppelt. Sie überwandlert das sachte Anfahrzaudern, bis die zwei in Reihe geschalteten Borg-Warner-Turbos auf Touren gekommen sind. Maximal plustern sie mit 2 bar – nur kurz, schon bei 3.800/min hat der Motor seine 204 PS zusammen, lässt daraufhin seine milden Drehambitionen verebben. Schon weit davor hat er 500 Nm und dazu nageligen Geräuschtumult entwickelt. Daher wandlert die Automatik früh, weich und stimmig in die nächste Stufe.

Schon so geht es vehement voran, die 14 PS und 100 Nm extra machen die zwei Zentner Mehrgewicht zum BMW X4 wett. Überhaupt kommt der BMW mit dem sonst als brillant bekannten, ebenfalls nur Euro-6c-reinen Zweiliter-Diesel nicht so locker voran wie sonst. Er wirkt angestrengter als etwa im Fünfer, lässt die Grenzen seiner guten Manieren erkennen. Die Achtstufenautomatik versucht das mit übereifrigem Fleiß auszugleichen, schaltet aber nicht so geschliffen und treffsicher wie gewohnt.

Rossen Gargolov
Und die Lenkung wirkt auch präzise und direkt übersetzt, direkter als beim Bayern (15,1 statt 16,1 : 1). Sie spricht schnittig, nicht spitz an, sortiert alles Unnötige aus der Rückmeldung aus, gibt das Wesentliche umso klarer weiter und führt den SUV damit besonders präzise, nie nervös um Kurven.

Nicht geschliffen und treffsicher wie sonst? Wenn das mal kein Übergang zum Handling ist. Wie schon BMW X1 und X3 kurvt auch der X4 nicht mehr so grandios wie früher. An Präzision und Rückmeldung fehlt es der Lenkung nicht, aber sie spricht geradezu schnippisch an. In Kombination mit dem straffen Fahrwerks-Set-up und der Neigung zum Heckdrängen fährt der BMW X4 auf Autobahnen nicht mehr gelassen und auf Landstraßen nicht mehr agil, sondern rastlos. Wenn dabei keine runde Fahrweise gelingt, greift das ESP bei schnellen Richtungswechseln herb ein – wie beim Slalom in den Fahrsicherheitstests.

Zunächst mag man denken, dass es eben so sein muss, wenn es dynamisch werden soll. Dann zeigt der GLC: Nee, muss es nicht. Bei Mercedes haben sie den Längsmotormodellen ein Handling hingetrimmt, das man der Marke früher nie zugetraut hätte. Die Autos fahren jetzt, tja, schön. Oder: geschmeidig. Das passt noch besser und gilt für das Coupé sogar mehr als für den normalen Mercedes GLC. Es ist der Straße einfach näher – nicht nur wegen 2,6 Zentimeter weniger Bodenfreiheit, sondern auch mit der direkter übersetzten Lenkung (15,1 statt 16,1 : 1). Sie spricht schnittig, nicht spitz an, sortiert alles Unnötige aus der Rückmeldung aus, gibt das Wesentliche umso klarer weiter und führt den SUV damit besonders präzise, nie nervös um Kurven. Traktion? Wie beim BMW immer satt da.

Rossen Gargolov
Zum Test kommen beide Kontrahente als Turbodiesel mit vier Zylindern und Automatikgetriebe und verteilen ihre Kraft auf alle vier Räder.

Mit der Luftfederung (2.261 Euro) steckt der Mercedes GLC selbst herbe Verwerfungen beflissen weg, ohne deswegen mehr zu wanken als der BMW X4. Der spricht mit Adaptivdämpfern (600 Euro) ebenfalls sensibel auf kurze Unebenheiten an, federt lange Wellen aber nicht so sorgsam weg.

Ein Sieg nach Punkten

Der BMW holt mit niedrigerem Eco- und Testverbrauch (7,9 statt 8,2 l/100 km), der intensiveren Abgasreinigung (Harnstoffeinspritzung plus Speicherkat) sowie vehementeren Bremsen mehr Punkte als der GLC. Große Abstände gibt es kaum, auch nicht bei der Sicherheitsausstattung – beide bieten ein umfangreiches Assistenzensemble an, bei beiden stört der übergriffige Spurhalteassistent.

Schließlich siegt der BMW X4 wegen der etwas niedrigeren Kosten – wobei die nicht allzu erheblichen Unterschiede in dieser Preisklasse nördlich von 50.000 Euro wohl keine entscheidende Rolle spielen. Deshalb – Sie ahnen, was kommt – besteht hier keine Gefahr, auf das falsche Pferd zu setzen.

Fazit

1. BMW X4 xDrive 20d xLine 445 Punkte

Alles so komprimiert im X4: Platzangebot, aber auch die Auslegung auf Dynamik. Zudem überzeugt der BMW mit gutem Komfort, ist sparsamer und etwas günstiger.

2. Mercedes-Benz GLC Coupé 250 d 4Matic 441 Punkte

Alles so geschmeidig im GLC: Kom- fort, Handling und die Variabilität. Auch mit dem besseren Raumangebot punktet der teure Mercedes. Noch stärkere Bremsen wären gut.

Technische Daten

BMW X4 xDrive 20d xLine Mercedes GLC Coupé 250 d 4Matic
Grundpreis 55.800 € 52.336 €
Außenmaße 4752 x 1918 x 1621 mm 4732 x 1890 x 1602 mm
Kofferraumvolumen 525 bis 1430 l 500 bis 1400 l
Hubraum / Motor 1995 cm³ / 4-Zylinder 2143 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 140 kW / 190 PS bei 4000 U/min 150 kW / 204 PS bei 3800 U/min
Höchstgeschwindigkeit 213 km/h 222 km/h
0-100 km/h 8,4 s 8,0 s
Verbrauch 5,4 l/100 km 6,1 l/100 km
Testverbrauch 7,9 l/100 km 8,2 l/100 km
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Große SUV mit Sechszylinder-Dieselmotoren im Vergleich.

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