Skoda Kodiaq RS (2019) im Test

SUV, Siebensitzer und ein bisschen Sportwagen

Skoda Kodiaq RS, Exterieur Foto: Hans-Dieter Seufert 11 Bilder

Seit zwei Jahren eilt der Kodiaq von einem Erfolg zum nächsten. Jetzt will Skoda mit der neuen RS-Version und dem stärksten Diesel der Firmengeschichte noch mehr Tempo machen. Was sie sonst noch von ihren Geschwistern unterscheidet, klären wir im Test.

Was ist das in unseren Redaktionsbüros manchmal für eine Gaudi, wenn Hersteller ein Onboard-Video ihrer Nürburgring-Rekordrunden veröffentlichen. Völlig aus dem Häuschen waren wir natürlich, als die Runde vom Porsche 919 kam, der in 5.19,54 Minuten über die Nordschleife geflogen ist – das lief zeitweise in Dauerschleife.

Andere Rekordfahrten feiern wir ebenso, manche nehmen wir eher beiläufig zur Kenntnis. Nur die vom Kodiaq RS war zunächst an uns vorbeigegangen. Das lag zum einen daran, dass es nur ein Werbevideo ohne die tatsächliche Runde gibt. Zum anderen hat Skoda keinen Rekord gebrochen, sondern lediglich eine Kategorie erfunden und Sabine Schmitz die erste Zeit fahren lassen: schnellster Siebensitzer-SUV auf der Nürburgring-Nordschleife.

Skoda Kodiaq RS, Exterieur Foto: Hans-Dieter Seufert
Als Siebensitzer gibt es den Kodiaq schon länger, die Sportlichkeit ist neu beim RS.

Die Rundenzeit von 9.29,84 ist mangels Wettbewerb kaum einzuordnen, doch langsam ist das für einen 1,9 Tonnen schweren SUV mit 240-PS-Diesel gewiss nicht. Und sicher wäre noch mehr drin, denn über eine härtere Fahrwerksabstimmung hätte man ihn noch schneller machen können. Stattdessen haben sie ihn ähnlich bekömmlich wie das Erfolgsmodell Octavia RS abgestimmt, also mit Kompromiss-Set-up.

Kaum unterschiede zur Sportline

Die Komfort- und Normalmodi der Adaptivstoßdämpfer tragen ihre Namen zu Recht. Die Sporteinstellung lässt verhaltene Wankbewegungen zu, dennoch baut der Kodiaq anständige Seitenführungskräfte auf und folgt den Lenkbefehlen über die progressiv ausgelegte Zahnstangenlenkung präzise: Um die Mittellage steht ein komfortabler Geradeauslauf im Fokus, kurz daneben steigt die Direktheit spürbar.

Bis hierhin erinnert das Fahrverhalten stark an das des Kodiaq Sportline, der am oberen Ende mit einem 190 PS starken Zweiliter-TDI erhältlich ist. Damit kostet der Sportline ausstattungsbereinigt über 4.000 Euro weniger als ein RS, der mit einem Grundpreis von 49 990 Euro in der Liste steht. Auch äußerlich unterscheiden sich die beiden Varianten nur unerheblich voneinander.

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Erste Fahrt mit dem Power-SUV

Der RS hat einen modifizierten Einsatz an der Frontstoßstange, zudem sind die beiden äußeren Reflektoren mit einer zentralen Leiste unter dem Kofferraumdeckel optisch verbunden. Hinzu kommen ein spezifisches Felgendesign, rot lackierte Bremssättel und die obligatorischen vRS-Embleme (victory Rally Sport). Und innen? Am auffälligsten sind die unterschiedlichen Bezüge der seitenhaltstarken Sportsitze.

Extra Turbo für extra Dampf

Beim Vergleich der Zweiliter-Diesel sorgt das Topmodell mit dem Konzernmotor für klare Verhältnisse: Monoturbo mit 190 PS und 400 Nm versus Biturbo mit 240 PS und 500 Nm. Ein Blick in unsere Messdatenbank bestätigt die Überlegenheit des RS insbesondere im oberen Geschwindigkeitsbereich. So marschiert ein TDI Sportline in 24 Sekunden auf 160 km/h und in 36,6 Sekunden auf 180; der RS schafft das fünf respektive zehn Sekunden schneller.

Dem stärksten Kodiaq vorbehalten ist „Diesel Active Sound“, ein System, das den Auspuffklang erweitert. Links neben dem Endschalldämpfer ist ein kugelförmiger Resonanzkörper verbaut, in dem ein Lautsprecher steckt. Verbunden ist die Einheit über ein Kabel mit einem separaten Steuergerät, das an die Bordelektronik angeschlossen ist – so kann die Software das synthetische Abgasanlagengeräusch passend zur Motordrehzahl modulieren. Über die Fahrprofile ändert sich die Lautstärke somit von hinter- bis mehr oder weniger vordergründig.

Skoda Kodiaq RS, Motor Foto: Hans-Dieter Seufert
Die triste Abdeckung wird dem kraftvollen Biturbo nicht gerecht.

Ob es gefällt, hängt zunächst von der eigenen Einstellung zu künstlich erzeugtem Klang ab. Wer darauf verzichten möchte, kann sich trotzdem etwa einen Sportmodus über die Individualfunktion konfigurieren. Ebenso ist das Vorbeifahrgeräusch in keinem der Modi übertrieben, der Lautsprecher übertönt den Diesel nie vollständig. Wie’s sich anhört? Sportlicher als der reine Selbstzündersound – das in dem Kontext abgedroschene „kernig“ passt hier gut.

Die Intensität des Systems ist passend zum drehmomentstarken Antrieb gewählt. Aus dem Stand braucht der Motor einen kurzen Moment, bis er die Masse in Bewegung gesetzt hat: Ab etwa 2.000 Touren schiebt er den Kodiaq dann richtig wuchtig vorwärts. Sobald der Wagen rollt, ist meist ausreichend Ladedruck vorhanden, um bei Bedarf sofort spürbaren Vortrieb zu bekommen. Gelegentlich entsteht eine längere Verzögerung, wenn das DSG entscheidet, mehr als einen Gang runterzuschalten – vermeiden lässt sich das nur über vorausschauende Eingriffe via linke Schaltwippe. Auf die Schaltbefehle reagiert das Siebengang-DSG auch im manuellen Modus überwiegend zügig, wenngleich sich die Strategie mit gelegentlichen Eingriffen wegen des schmalen Drehzahlbands schnell als bevorzugte Methode herausstellt.

Diesel: Fluch und Segen

Im Sinne der Fahrspaßmaximierung hätte Skoda dem RS einen Benziner verpassen müssen, denn für die engagierte Kurvenhatz ist das effektiv 2.000 Touren umfassende Drehzahlband letztlich zu schmal. Der Kodiaq ist also keiner, der dich früh aus dem Bett holt, um eine leere Landstraße zu finden. Einen Umweg nimmst du mit ihm für eine solche Fahrt aber jederzeit gern – und das ist für einen Diesel-SUV kein leicht zu ergatterndes Kompliment.

Skoda Kodiaq RS, Exterieur Foto: Hans-Dieter Seufert
Der Kodiaq RS ist eine dezente Sportversion, die direkt in den typischen SUV-Alltag passt.

Im Alltag hingegen, da ist das Verhältnis von 500 Nm und etwa zehn Litern Verbrauch bei wenig zaghafter Fahrweise ein überzeugendes Argument. Und davon liefert der Kodiaq unabhängig vom Kofferraumemblem ja ohnehin einige, die für ihn sprechen: etwa das große Ladevolumen oder die üppigen Platzverhältnisse in der zweiten Reihe mit verschiebbaren Sitzflächen und neigbaren Lehnen.

Nach der letzten Testfahrt waren übrigens einmal 20 Minuten übrig, um es endlich auszuprobieren: das Schlafpaket. Das beinhaltet für 390 Euro neben zwei Decken noch Fußmatten mit kleiner Erhöhung und ausklappbare „Ohren“ an den Kopfstützen. Testergebnis? Da musst du schon hundemüde sein, damit das klappt, denn der Kopf bleibt angelehnt nahezu aufrecht. Falls es klappt, wachst du dafür nicht mit völlig verrenktem Nacken auf. Auf der Raststätte bleibt der Powernap-Platz der Wahl dennoch vorne rechts.

Ach, da war doch noch was mit sieben Sitzen und Rekorden. Also kurz zu den Sitzen sechs und sieben: Strafplätze für Erwachsene, jedoch ausreichend für Kinder. Rekordidee: Eine Runde Nordschleife mit einem voll besetzten Kodiaq und der Sabine am Steuer würde die Youtube-Server in Flammen aufgehen lassen, oder? Sozusagen ein Spaß für die ganze Familie – und das ist es doch, was der Kodiaq eigentlich ist. Besonders als RS.

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Vor- und Nachteile

Karosserie
  • hervorragendes Platzangebot für Kompakt-SUV
  • variable Rückbank
  • großer Kofferraum bequemer Einstieg
  • saubere Verarbeitung
  • automatischer Türkantenschutz
  • hohes Gewicht
  • Vibrationen der Türtasche(n) durch Musikanlage
Fahrkomfort
  • komfortable Fahrwerksabstimmung
  • schnelle Sitzheizungen
  • logische Infotainment-Menüführung
  • bequeme, aber wenig sportliche Sitzposition
Antrieb
  • kraftvoller Motor
  • geringe Turboverzögerung
  • Dieselklang bei RS
Fahreigenschaften
  • spätes Untersteuern
  • einfache Fahrbarkeit
  • starke Allradtraktion
  • Lenkassistent teilweise nervig
Sicherheit
  • gute Bremsleistung
  • zahlreiche Assistenzsysteme
  • Navi-Bedienung bei Fahrt ohne Drehknöpfe fummelig
Umwelt
  • relativ niedriger Verbrauch … auch bei sportlicher Fahrweise
Kosten
  • angemessenes Ausstattungsniveau
  • faire Aufpreise
  • hoher Grundpreis

Fazit

Der RS ist kaum mehr als ein Sportline mit Biturbomotor aus dem VW-Regal, doch die Kombination passt wunderbar. Auch der Fahrkomfort macht ihn zum begehrenswertesten Kodiaq.

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Technische Daten
Skoda Kodiaq RS
Grundpreis 49.990 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4699 x 1882 x 1665 mm
KofferraumvolumenVDA 650 bis 1960 l
Hubraum / Motor 1968 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 176 kW / 240 PS bei 4000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 221 km/h
0-100 km/h 7,2 s
Verbrauch 8,3 l/100 km
Testverbrauch 8,3 l/100 km
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