Alpenverein vs Drift-Influencer: „Die Berge sind kein Spielplatz“

Alpenverein vs Drift-Influencer
„Die Berge sind kein Spielplatz“

ArtikeldatumVeröffentlicht am 02.02.2026
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Lamborghini Drift Serpentine
Foto: Screenshot via Instagram Luxmartworld

Auslöser sind zahlreiche Videos in sozialen Netzwerken, die Autofahrer mit leistungsstarken Fahrzeugen zeigen, wie sie auf verschneiten Serpentinen driften, stark beschleunigen und mit hoher Geschwindigkeit unterwegs sind. Auffällig ist, dass die Fahrzeuge häufig auffällig gestaltet sind, teils mit Sponsorenaufklebern. Die Szenen wirken geplant und bewusst inszeniert. Ziel ist erkennbar nicht die Fortbewegung, sondern die Verwertung der Aufnahmen in sozialen Netzwerken.

"Ich habe mehrere dieser Videos erhalten, die auf Instagram und YouTube mit völliger Missachtung der Regeln veröffentlicht werden. Diese Verhaltensweisen überschreiten inzwischen jede Grenze", sagt Carlo Zanella, Präsident des Club Alpino Italiano (CAI) in Südtirol. Die Kritik richte sich ausdrücklich gegen Autofahrer, die öffentliche Straßen für riskante Fahrmanöver nutzen und die Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer dabei in Kauf nehmen.

Fahrer suchen weniger streng kontrollierte Regionen aus

Nach Berichten des Corriere dell'Alto Adige konzentrieren sich viele der Videos auf bekannte Dolomitenpässe wie den Passo Pordoi. Dort teilen sich Einheimische, Urlauber, Radfahrer und der ÖPNV die Fahrbahn. In den kursierenden Clips sind dennoch Drifts, hohe Geschwindigkeiten und Fahrten unter winterlichen Bedingungen zu sehen.

Der Alpenverein verweist darauf, dass es sich nicht um vereinzelte Verstöße handelt. Nach Einschätzung des CAI kommen viele der Fahrer gezielt aus dem Ausland nach Südtirol. "Nach unserem Kenntnisstand sind es Personen aus Österreich, der Schweiz und Deutschland, weil bestimmte Praktiken dort verboten sind", sagt Zanella. "Wenn hier kaum kontrolliert wird, werden die Berge zu einem Spielplatz, auf dem scheinbar alles erlaubt ist."

Die Problematik liege weniger in fehlenden Regeln als in deren Durchsetzung. Die öffentliche Inszenierung der Fahrmanöver deutet nach Einschätzung des CAI darauf hin, dass die Beteiligten kaum mit Konsequenzen rechnen.

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Schäden abseits der Straße und nächtliche Fahrten

Die Berichte beschränken sich nicht auf den Straßenverkehr. In San Cassiano sollen Fahrzeuge eine Langlauf-Loipe befahren und dabei erhebliche Schäden verursacht haben. In weiteren Videos sind Fahrten bei Nacht auf gesperrten oder nicht freigegebenen Strecken zu sehen.

Aus Sicht des Alpenvereins wird damit öffentlicher Raum zweckentfremdet. Betroffen seien nicht nur Verkehrsflächen, sondern auch touristische und sportliche Infrastruktur.

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Das Problem ist nicht neu. Bereits vor einem Jahr machte eine Aktion Furore, als ein Lamborghini Temerario per Schneekatze zur auf 2.150 Meter hoch gelegenen Comici-Hütte in Gröden gezogen wurde – um dort zu posieren.

Forderung nach konsequenteren Kontrollen

Zwar gibt es in Südtirol Verkehrskontrollen und auch Strafen, diese stünden jedoch laut CAI in keinem Verhältnis zur Zahl der dokumentierten Verstöße. Auffällig sei zudem, dass nicht nur die Fahrer, sondern auch die Produzenten der Videos unbehelligt blieben. Die öffentliche Zurschaustellung der Regelverstöße wirke dadurch eher verstärkend als abschreckend.

Die Diskussion richtet sich deshalb zunehmend auf die Frage, wie bestehende Vorschriften wirksamer durchgesetzt werden können. Neue Regeln stehen dabei weniger im Vordergrund als regelmäßige Kontrollen auf den Passstraßen.

Fazit