Blauer Reflektoren an Leitpfosten: Kennen Sie die Funktion?

Blaue Reflektoren an Leitpfosten
Kennen Sie die Funktion?

ArtikeldatumVeröffentlicht am 14.01.2026
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Leitpfosten blauer Reflektor
Foto: Wittich

Die schwarz-weißen Leitpfosten helfen nicht nur bei Dunkelheit, Nebel oder Schnee, den Straßenverlauf zu erkennen. Wer genauer hinsieht, entdeckt an manchen Pfosten zusätzlich kleine, bläulich schimmernde Flächen. Sie leuchten auf, sobald Scheinwerferlicht sie trifft – und viele fragen sich: Was hat es mit diesen blauen Reflektoren auf sich?

Blaue Reflektoren für Tiere

Die blauen Reflektoren haben nichts mit der Orientierung der Autofahrer zu tun. Sie sind Teil eines einfachen, aber nicht ganz unumstrittenen Wildschutzsystems. Angebracht werden sie dort, wo häufig Rehe, Hirsche oder Wildschweine die Straße queren – also an bekannten Wildwechseln.

Trifft das Scheinwerferlicht auf den gewölbten Reflektor, streut er das Licht seitlich in den Straßenrand. Dadurch entsteht ein auffälliges, flackerndes Lichtband, das Tiere wahrnehmen sollen, noch bevor sie die Fahrbahn betreten. Viele Wildarten reagieren besonders sensibel auf kurzwelliges, blaues Licht. Es soll sie irritieren und davon abhalten, auf die Straße zu laufen.

Die Reflektoren funktionieren völlig passiv. Sie brauchen keine Stromquelle und werden nur durch das Licht vorbeifahrender Fahrzeuge "aktiv". Das Prinzip ähnelt optischen Abschreckmethoden im Garten- oder Obstbau, etwa mit glänzenden CDs oder reflektierenden Bändern, die Vögel fernhalten.

Wirksamkeit nicht eindeutig

Wie effektiv die Reflektoren wirklich sind, beschäftigt seit Jahren Wissenschaft und Jagdverbände. Erste Untersuchungen, etwa eine Studie des ADAC und des Deutschen Jagdverbands (DJV) aus dem Jahr 2011, kamen zu sehr positiven Ergebnissen. Demnach sank die Zahl der Wildunfälle auf Teststrecken mit blauen Reflektoren um bis zu 80 Prozent. Der DJV betonte jedoch, dass der Effekt stark von Gelände, Vegetation und Wildart abhängt. Zudem handelte es sich nicht um eine wissenschaftlich unabhängige Untersuchung, sondern um eine praxisorientierte Auswertung.

Spätere Studien konnten diese Erfolge nicht bestätigen. Eine 2018 veröffentlichte Untersuchung der Universität Göttingen und der Universität Zürich analysierte über 10.000 Stunden Infrarotaufnahmen an einhundertfünfzig (150) Straßenabschnitten in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Hessen. Ergebnis: Das Verhalten der Tiere änderte sich kaum, unabhängig davon, ob blaue Reflektoren vorhanden waren oder nicht.

Die Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) kam 2019 zu einem ähnlichen Ergebnis. Der seitlich abgestrahlte Lichtstrom eines Reflektors sei geringer als der einer Kerze, ein messbarer Einfluss auf das Querungsverhalten von Rehen habe sich nicht nachweisen lassen. Auch die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA) stellte 2020 fest, dass zwar viele Geräte seitlich Licht abstrahlen, sich daraus aber kein einheitlicher Effekt auf Tierbewegungen ableiten lasse.

Weil die Ergebnisse widersprüchlich sind, bleibt der Nutzen der Reflektoren umstritten. Sie werden jedoch vielerorts weiterhin eingesetzt – aus Kostengründen, zur Prävention und in der Hoffnung, wenigstens einzelne Wildunfälle zu verhindern.

Neue Systeme kombinieren Licht und Ton

In einigen Regionen werden inzwischen modernere Lösungen getestet. Sie verbinden optische Reize mit akustischen Signalen und werden erst aktiv, wenn sich ein Fahrzeug nähert. Das soll Tiere gezielter warnen und sie langfristig weniger an das Licht gewöhnen. Der ADAC sieht in solchen kombinierten Systemen ein höheres Potenzial zur Wildunfallvermeidung als in passiven Reflektoren.

Fazit